Mit 18 Jahren brach die Erkrankung erstmals bei ihm aus, heute steht er mitten im Leben.<BR /><BR />Unkonzentriert, müde, niedergeschlagen: So äußerte sich bei Manuel Gatterer die Depression. 5 Mal in seinem Leben erlitt er eine schwere Depression. „Nachts habe ich schlecht geschlafen, morgens bin ich mit Angst aufgewacht“, erinnert er sich. Aus den Federn zu kommen war Schwerstarbeit, auch wenn er zu sich sagte: „Ich muss zwischen 7 und 8 Uhr aufstehen, ich muss eine Struktur haben.“ <BR /><BR /><embed id="dtext86-66753914_quote" /><BR /><BR />Wie Gregor Samsa, der sich in einen Käfer verwandelt hatte, war auch Manuel Gatterer sich selber fremd. 3 Mal probierte er, sich das Leben zu nehmen. Verzweifelte Versuche, die Situation zu beenden. „Ich wollte, das es aufhört. Ich war in einer Sackgasse, die immer enger wurde“, blickt er zurück.<BR /><BR />Die letzte schwere Depression, die auch in einem Suizidversuch endete, ereignete sich vor 6 Jahren. Als er im Krankenhaus erwachte, schämte er sich. „Angehörige und Freunde waren für mich da. Das war mein Glück“, sagt Gatterer. Sie besuchten ihn, machten Spaziergänge im Garten. Auch Ergotherapie und die Krankenhausseelsorge halfen ihm. <BR /><BR /><embed id="dtext86-66753919_quote" /><BR /><BR />Als er wieder stabiler war, wurde er nach Hause entlassen. „Mir ist es aber nicht gut gegangen. Zeitweise war ich ein Pflegefall.“ Die Angehörigen kümmerten sich um ihn, litten mit, erhielten dafür keine Unterstützung von öffentlicher Hand. Es dauerte mehrere Monate, bis sich eine deutliche Besserung einstellte, auch dank der Medikamente. Freude empfand er erstmals wieder bei einem Lied. Es erinnerte ihn daran, wie es ist, sich gut zu fühlen.<h3> Wendepunkte im Leben bringen Verletzlichkeit</h3>Gatterer war erstmals in seiner Kindheit mit der Erkrankung konfrontiert worden: Seine Mutter war depressiv, nahm sich später das Leben. Ihr Tod löste bei ihm eine schwere Melancholie aus. Er klammerte sich an Strukturen, die ihm Sicherheit gaben, wie die Schule. Es sind die Wendepunkte im Leben, an denen man besonders verletzlich ist. Nach der Matura, einem seiner Wendepunkte, erkrankte Manuel Gatterer dann selbst an einer Depression. Die Diagnose sollte er noch öfter im Leben erhalten. <BR /><BR />Es waren berufliche Herausforderungen, private Veränderungen, die ihn aus der Bahn warfen. Belastende Situationen, die in einer Depression oder Hypomanie mündeten. „Angetrieben und voller Energie war die manische Phase meine Antwort auf Ängste und gesellschaftlichen Druck“, erklärt er. <BR /><BR /><embed id="dtext86-66753983_quote" /><BR /><BR />Heute befindet sich Gatterer auf dem Genesungsweg. In Gestalttherapie und Trialogen holt er sich wertvollen Beistand, sein Gesundheitszustand ist stabil. „Ich werde mein ganzes Leben lang auf meine psychische Verletzlichkeit achtgeben müssen, aber eigentlich müssten wir das alle.“ Er bezeichnet sich nicht als krank, sondern als psychisch und sozial behindert. „Wir haben alle eine Behinderung und wir werden von anderen behindert. Niemand von uns ist perfekt.“ <h3> Es gibt noch viel zu tun</h3>Perfekt funktionieren sollte man aber in der heutigen Leistungsgesellschaft. Deshalb wird die Erkrankung immer noch stigmatisiert. Erstmalig Betroffene finden schwer Hilfe, auch weil sie nicht wagen, danach zu suchen. Gatterer ruft dazu auf, gegenseitig gut aufeinander achten. Er hat sich zum EX-IN Genesungsbegleiter ausbilden lassen, um als Betroffener betroffene Menschen mit einer psychischen Erkrankung zu unterstützen, engagiert sich beim Verein „Ariadne“. <BR /><BR />Denn in Südtirol gibt es viel zu tun: In den psychiatrischen Abteilungen der Krankenhäuser besteht laut Gatterer Personalmangel. Es kommt zu häufigen Wechseln, dabei sollte die Beziehung zwischen Arzt und Patienten auf Vertrauen bauen. Auch sollte offener über Depression gesprochen werden, um das Tabu zu brechen. Manuel Gatterer macht das. <BR /><h3> Buchtipp von Manuel Gatterer:</h3>Horst Klein. Monika Osberghaus. Alle behindert! 25 spannende und bekannte Beeinträchtigungen in Wort und Bild, im Klett Kinderbuch Verlag erschienen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1078686_image" /></div> <h3> Kinofilm:</h3>In den nächsten Wochen tourt der Dokumentarfilm „Lichter im Chaos - Junge Menschen, Depression und Wege zur Hoffnung“ durch Südtirols Kinos. Das Forum Prävention organisiert nach jeder Vorstellung eine Podiumsdiskussion. Der Eintritt ist frei, weitere Infos findet man unter <a href="https://www.forum-p.it/de/lichter-im-chaos-junge-menschen-depression-und-wege-zur-hoffnung--1-4501.html" target="_blank" class="external-link-new-window" title=""Lichter im Chaos"">https://shorturl.at/sU1dQ. </a>