Mittwoch, 21. Juni 2017

Ein Feuerinferno wie in Portugal? Vorsicht zu Herz-Jesu!

Hitze, Trockenheit, Wind und Blitze: Das sind die idealen Bedingungen für einen Riesenbrand, wie er in Portugal wütet. STOL hat nachgefragt, wie es um die Waldbrandgefahr in Südtirol bestellt ist - vor allem, weil an diesem Herz-Jesu-Sonntag im ganzen Land ordentlich angefeuert wird.

Marco Baldasso, Oberbrandinspektor der Berufsfeuerwehr Bozen.
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Marco Baldasso, Oberbrandinspektor der Berufsfeuerwehr Bozen.

Ein Blitzeinschlag hat den verheerenden Waldbrand in Portugal mit über 60 Todesopfern ausgelöst. Ein Blitz war es auch, der in Taisten in eine Esche fuhr und zu einem Feuerwehreinsatz führte, ebenso, wie beim Waldbrand in Albeins. Auch wenn die Brände in Südtirol glimpflich ausgegangen sind, so stellen sich in Anbetracht der derzeitigen Witterungsverhältnisse doch einige Fragen:

Südtirol Online: Wie steht es derzeit um die Waldbrandgefahr in Südtirol?

Marco Baldasso, Oberbrandinspektor der Berufsfeuerwehr Bozen: Gott sei Dank nicht so wie in Portugal. Aber die Gefahr ist erhöht. In der letzten Zeit hat es wenig geregnet, daher ist der Unterboden trocken.
Wenn wir Meldungen von Rauch oder Bränden bekommen, versuchen wir sofort einzuschreiten. Aber derzeit ist es ruhig, weil keine größeren Brände gemeldet wurden.

STOL: Ist es pures Glück, dass es in Südtirol derzeit nicht zu größeren Bränden gekommen ist?

Baldasso: Nun. Brände können aus verschiedenen Gründen entstehen. Der Mensch kann der Hauptinitiator sein, Brandstifter aber auch Unachtsamkeit können dazu führen. Und Naturereignisse wie Blitze.
Aber es gilt zu unterscheiden, wie unsere Wälder sind. Anders etwa als in Portugal oder südlicheren Ländern, wo der Unterboden noch trockener ist und eine Ausbreitung über dürre Büsche und Sträucher viel rascher erfolgen kann.
Dennoch sollten Menschen, die in den Wäldern unterwegs sind, äußerste Vorsicht walten lassen.

STOL: So eine Ausnahmesituation wie in Portugal mit Riesenbrandherden mit Todesopfern ist bei uns also nicht möglich?

Baldasso: Statistisch gesehen nicht. Wir haben größere Brände gehabt, aber nicht in den Ausmaßen. Vor allem haben wir nicht so weitläufige, flache Zonen, wo viele Häuser und Straßen miteingeschlossen sind.

Trockenes Busch- und Strauchwerk begünstigt in Portugal die rasche Ausbreitung der Flammen. - Foto. apa/dpa

STOL: In Portugal tragen die enorm hohen Temperaturen das Ihre zum Inferno bei. Auch in Südtirol ist es derzeit nicht unerheblich heiß…

Baldasso: Man spricht in Portugal dort von über 40 Grad Celsius. Da trocknet das Holz und Laub stark aus. Ich kenne die Gegend um Lissabon zwar nicht so genau, aber auf den Bildern sieht man das weitläufige Gebiet, wo die Situation durch Wärme und Wind noch erschwert wurde.
Bei uns informiert die Forstbehörde bei erhöhter Gefahr. Mit den steigenden Temperaturen in dieser Woche wird sich dahingehend auch noch etwas tun (STOL hat berichtet).

STOL: Dennoch sehen Sie die Situation gelassen …

Baldasso: Was für uns in Südtirol spricht ist, dass wir ein ausgeprägtes Feuerwehrnetz im Land haben. Wir können prompt einschreiten, sollte sich etwas ereignen.
Wir haben auch – im Unterschied zu anderen Regionen und Ländern - ein gezielteres Auge darauf. Sobald irgendwo Rauch gesichtet wird, dann erfolgt sofort der Alarm. Denn bei uns sind offene Feuer so nicht vorgesehen.
In Süditalien aber werden die Brände oft gelegt, um Gras zu verbrennen. Durch unvorhergesehene Ausbreitung kommt es dann zu Riesenbränden. Dort ist es in der Kultur der Leute. Bauern und gar Förster sind der Überzeugung, dass Brände gut sind für einen Wald zur Regeneration.

STOL: Offenen Feuer sind in Südtirol nicht vorgesehen – außer zu Herz-Jesu, was an diesem Sonntag ist. Was raten Sie den Menschen, die dieses Brauchtum pflegen?

Baldasso: Bei den Herz-Jesu-Feuern am Wochenende muss man umso mehr darauf achten, dass die Feuerstellen entsprechend kontrolliert und abgesichert werden.
Es gilt, mit äußerster Vorsicht diese Feuerstellen zu betreuen, nicht alleine zu lassen und erst zu gehen, wenn alle Glutnester gelöscht sind.

Interview: Petra Kerschbaumer

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STOL möchte wissen: Sollen die Herz-Jesu-Feuer trotzdem entzündet werden? STIMMEN SIE AB:

stol