Montag, 17. Februar 2020

Ein Jahr nach Anti-Missbrauch-Gipfel in Rom: Opferverbände enttäuscht

Rund ein Jahr nach einem Anti-Missbrauch-Gipfel im Vatikan haben sich Opferverbände enttäuscht über mangelnden Aufklärungswillen in der katholischen Kirche geäußert.

Papst Franziskus kündigte auf dem Anti-Missbrauch-Gipfel im Februar 2019 ein konsequentes Durchgreifen gegen Täter und das Ende der Vertuschung an.
Papst Franziskus kündigte auf dem Anti-Missbrauch-Gipfel im Februar 2019 ein konsequentes Durchgreifen gegen Täter und das Ende der Vertuschung an. - Foto: © APA (AFP) / ANDREAS SOLARO
Ihr Vertrauen in Papst Franziskus als Motor eines offenen Umgangs mit Vorwürfen gegen Priester sei gering, sagte Matthias Katsch, Mitbegründer der deutschen Initiative Eckiger Tisch, vor der Presse in Rom. Die Bilanz des vergangenen Jahres sei enttäuschend: „Es hat zwar Bewegung gegeben, aber eben drei Schritte vor und zwei zurück.“ Nach dem Kirchentreffen habe es die Aufhebung des „päpstlichen Geheimnisses“ gegeben. Damit dürfen Akten aus Kirchenprozessen zum Kindesmissbrauch an staatliche Ermittler gegeben werden. Es seien auch Vorschriften zum Melden von Vorwürfen an Vorgesetzte erlassen worden. „Aber gleichzeitig stoppt es dabei, die Dinge tatsächlich unabhängig aufarbeiten zu lassen. Und es stoppt bei der Entschädigungsfrage“, sagte Katsch.

„Die Kirche leistet in vielen Ländern immer noch Widerstand dagegen, dass sie zur Verantwortung gezogen wird.“ Im Vatikan gebe es Tausende Akten über Missbrauchsfälle. Diese müssten unabhängigen Stellen zugänglich gemacht werden.

Papst Franziskus hatte auf dem Anti-Missbrauch-Gipfel im Februar 2019 ein konsequentes Durchgreifen gegen Täter und das Ende der Vertuschung zugesagt. Schon damals bemängelten Kritiker das Fehlen konkreter Taten.

Für die Opferverbände bilanzierte Anne Barrett Doyle von der US-Organisation Bishop Accountability, dass es in zahlreichen Ländern wie Spanien, den Philippinen oder dem Kongo keine grundlegende Veränderung der bremsenden Haltung von Bischöfen und Kardinälen gegeben habe. Sie kritisierte, Papst Franziskus spreche das Ziel von „null Toleranz“ nicht mehr klar an. Missbrauchsopfer Phil Saviano, der ebenfalls bei Bishop Accountability engagiert ist, warf dem Kirchenführer vor, er gehe der Umsetzung eigener Zusagen aus dem Weg.

dpa