<b>von Karl Tschurtschenthaler<BR /><BR />Herr Landesrat, die lange Sperre der Bahn im Unterpustertal kommt überraschend. Was ist geplant?</b><BR />Daniel Alfreider: Ganz Europa hat verstanden, dass wir auf die Eisenbahn setzen müssen, um das Problem des zu großen Autoverkehrs in den Griff zu bekommen. Seit 20 Jahren ist es ein Anliegen, das Pustertal besser an die Brennerachse und damit an das restliche Land und darüber hinaus anzubinden. Die Riggertalschleife macht den Weg nach Brixen und Bozen 17 Minuten kürzer und erhöht zudem die Pünktlichkeit der Züge in ganz Südtirol. Als ich noch im Parlament in Rom war, ist es uns 2015 gelungen, das Projekt in die Programme der RFI und des Ministeriums zu bringen. Seither wurde Schritt für Schritt die Planung vorangetrieben und dank Olympia auch die Finanzierung endgültig gesichert. <BR /><BR /><b>Dass die Riggertalschleife endlich gebaut wird, freut viele. Aber warum dauern die Arbeiten und die Sperre so lange?</b><BR />Alfreider: Wegen der Riggertalschleife müssen zwischen Mühlbach und Schabs die Geleise auf rund einem Kilometer neu verlegt werden. Zudem werden eine neue Haltestelle errichtet sowie ein 750 Meter langer Tunnel und eine Brücke gebaut. Es wird also nicht einfach nur ein Gleis zusammengelegt, sondern sehr viel realisiert, wofür sehr aufwendige und großräumige Arbeiten notwendig sind.<BR /><BR /><b>Gleichzeitig werden auch Arbeiten bis Bruneck gemacht. Hätte man die Strecke nicht nur bis Mühlbach sperren können?</b><BR />Alfreider: Die Pustertalbahn ist leider anfällig, was zu vielen Ausfällen führt. RFI hat sich dazu entschlossen, die ohnehin notwendige Sperre zu nutzen, um die gesamte Strecke bis Bruneck sicherer zu machen und zu modernisieren. Dadurch hat man die Möglichkeit, technische Arbeiten vorzuziehen, die irgendwann ohnehin notwendig geworden wären und weitere Sperren mit sich gebracht hätten. Es kann nicht sein, dass ein paar Schneeflocken oder ein stärkerer Regen jedes Mal zu Problemen führen. <BR /><BR /><b>Um welche technischen Arbeiten handelt es sich genau? Und was hat die Leute davon?</b><BR />Alfreider: Vor allem geht es um den Einbau des neuen europäischen und einheitlichen Signalsystems ETCS, ein entscheidendes Infrastrukturelement bei der Bahnmobilität der Zukunft. Mit diesem kann nicht nur die Kapazität erhöht werden, sondern es ist auch wichtig für die Sicherheit und den grenzüberschreitenden Verkehr, was für das Pustertal ebenfalls sehr bedeutend ist. Zudem müssen Oberleitungen teilweise ausgetauscht werden und am Bahnhof Vintl wird die Kreuzungsstelle wiederhergestellt. Letztere Maßnahme ist insbesondere für die Pünktlichkeit wichtig. <BR /><BR /><b>Busersatzdienste werden die Sperre der Bahnlinie überbrücken. Was ist dabei geplant?</b><BR />Alfreider: Es gibt dazu bereits erste Ideen für Fahrpläne und Linienführungen. Dazu werden wir alle Gemeinden, die Bildungseinrichtungen, die Wirtschaft und vor allem auch die Zugpendlerinnen und -pendler mit einbeziehen. Ist jeder Halt zwingend am heutigen Bahnhof notwendig? Oder kann vielleicht auch eine dem Dorf nähere Haltestelle angefahren werden? Und was bedeutet das für den Fahrplan? Diese und viele weitere Fragen müssen genau durchdacht werden, um dann zu einer guten Entscheidung zu gelangen.