Es ist paradox: Einerseits ist das Bewusstsein für psychotherapeutische Hilfe gestiegen, andererseits sind die Wartelisten bei Psychologen und Psychotherapeuten lang. <BR /><BR />Auch um dem entgegenzuwirken, wird das psychologische Krisentelefon wieder aktiviert. „Das wird in den nächsten Tagen offiziell bekannt gegeben“, erklärt der Primar des psychiatrischen Dienstes in Brixen, Dr. Roger Pycha. <BR /><BR /><embed id="dtext86-63803241_quote" /><BR /><BR />Während der Coronapandemie baute das Hilfsnetzwerk PSYHELP Covid-19 ein Krisentelefon auf, das rund um die Uhr erreichbar war. Und das soll bald wieder so sein: „In Italien muss die psychologische Betreuung besser werden. Mit dem psychologischen Krisentelefon möchten wir das Angebot erweitern“, erklärt Dr. Pycha. <BR /><BR />Damit werde insbesondere für den Notfall eine schnelle Kontaktmöglichkeit geschaffen. „Das psychologische Krisentelefon wird 24 Stunden erreichbar sein.“ Gerade all jene Menschen, die heute oder morgen einen Psychologen brauchen, sollen mithilfe des Krisentelefons aufgefangen werden. <BR /><BR /><embed id="dtext86-63803830_quote" /><BR /><BR />Die Praxen sind voll. „Der Psychologenmangel ist groß. Öffentliche Dienste sind ausgebucht und wir Private haben lange Wartelisten“, weiß die Psychologin Sabine Cagol. Das Bewusstsein für psychische Gesundheit sei gestiegen, die Anfragen mehr geworden. Viele würden – auch aus Kostengründen – Coachs und Berater aufsuchen, die oft kein ausreichendes Fachwissen vorweisen könnten.<BR /><BR /><embed id="dtext86-63803245_quote" /><BR /><BR />Dabei gab es einmal eine Zeit, in der Psychologen in Italien keine Arbeit fanden. „Sie sind dann vor allem in die Schulen abgewandert, weil sie nicht klinisch therapeutisch tätig sein konnten“, erzählen Dr. Pycha und Sabine Cagol. Im Rahmen der Pandemie seien viele Psychotherapeuten zurückgekehrt zu ihrer Ursprungsprofession, weiß Dr. Pycha. Trotzdem gebe es im öffentlichen Dienst einen Fachkräftemangel – auch weil viele im Privatsektor tätig sind. <BR /><BR /><embed id="dtext86-63803835_quote" /><BR /><BR />Für Psychologen ist Fort- und Weiterbildung wichtig. „Die Sozialgenossenschaft IARTS bietet Seminare an und ist ein Ort zum Netzwerken“, sagt Sabine Cagol. Ab Herbst können die ersten Studenten in Bozen Medizin studieren. „Das ist Ausbildung vor Ort. Vielleicht wird es einmal einen Psychologie-Studiengang geben“, hofft Cagol. Das Berufsbild müsse auch wieder attraktiver gemacht werden. <h3> <b>Wie die Zukunft aussehen könnte</b></h3>Laut Dr. Roger Pycha wird es in Zukunft wohl Gemeindepsychologen brauchen. „Ich stelle mir vor, dass der Psychologe mit einem oder mehreren Ärzten in einer Gemeinschaftspraxis arbeitet.“ Die Betreuungslandschaft verändert sich, ebenso wie das Bewusstsein, dass die Bevölkerung gut psychotherapeutisch betreut werden muss. „Die Welt wird immer psychologisierter. Man hat in vielen Ländern entdeckt, dass es einen erhöhten Bedarf gibt.“