Wie sein Vater Michael und sein Bruder Hannes ist Lukas Villscheider rund um die Uhr am Handy erreichbar – egal, ob nachts, an Feiertagen, am Wochenende, an Weihnachten oder an seinem Geburtstag. Er ist auf den Notfall vorbereitet. Fast immer trägt der 31-jährige Brixner übrigens schwarz.<BR /><BR />„Schwarz ist meine Lieblingsfarbe“, meint er mit einem Lächeln. Das kommt nicht von ungefähr: Lukas Villscheider führt mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Hannes und seinen Eltern Anni und Michael in vierter Generation das Bestattungsunternehmen Villscheider in Brixen. Rund um die Uhr garantiert das Familienunternehmen eine Abholung der Verstorbenen von Zuhause oder vom Unfallort – stets sind zwei der drei männlichen Familienmitglieder zu jeder Uhrzeit in Bereitschaft. <h3>Ein Blick auf die Anfänge </h3>Gegründet wurde das Unternehmen im fernen Jahr 1925, also vor genau 100 Jahren, von Lukas’ Urgroßvater Josef. Michael Villscheider erinnert sich: „Der Opa, Jahrgang 1892, hat in den 1920er-Jahren als Tischler damit angefangen, Särge zu zimmern“, damals daheim in der Kapuzinergasse von Brixen, über Jahrzehnte hinweg Firmensitz und Wohnort der Familie Villscheider in einem. „Damals war alles sehr viel einfacher, der hölzerne Sarg schlicht, mit schwarzer Farbe angestrichen. Erst später, bei meinem Vater, wurden die Särge zunehmend mit einfachen, golden bemalten Borten verziert“, erzählt Michael Villscheider.<BR /><BR />Lange Zeit war Villscheider vor allem in und rund um Brixen tätig. Dies lässt sich damit erklären, dass in den Tälern und Dörfern die Tischler jeweils selbst vor Ort einen Sarg zimmerten. Die Leuchter holten sie sich beim Pfarrer, der Leichenzug von daheim bis zur Kirche erfolgte mittels Kutsche, damals wie heute von der betenden Trauergemeinde begleitet. „Auch wir hatten früher keinen Leichenwagen, da musste eine schlichte Fahrtrage ihren Dienst leisten.“<BR /><BR />Auch wenn der Tod damals wie heute vielfach ein Tabu darstellt – „früher“, so Michael Villscheider, „wurde der Tod vielleicht ein Stück weit leichter hingenommen. Gerade bei kinderreichen Familien war es keine Seltenheit, dass ein Kind starb. Und das auch nur an einer Grippe.“ Der Tod gehört zum Leben. <BR /><BR />Wie viele Todesfälle er in seiner mittlerweile 45-jährigen Berufserfahrung begleitet hat, weiß Michael Villscheider nicht. Es müssen tausende gewesen sein, denn er half schon als junger Bub bei Vater Pepi Villscheider mit. „Ja, es war schon mitunter ein Sprung ins kalte Wasser“, erinnert sich Villscheider. <BR /><BR />Beileibe nicht immer wusste und weiß man als Bestatter, unter welch schwierigen Umständen der Tote sein Leben lassen musste. „In den 1990er-Jahren fielen viele junge Menschen dem Straßenverkehr zum Opfer – gerade an den Wochenenden. Schwierig auch, wenn Menschen entscheiden, selbst aus dem Leben zu scheiden. Bis heute bleibt jeder Todesfall aber einzigartig“, so Michael Villscheider. Seit mittlerweile vier Generationen habe man es sich zum Ziel gesetzt, die Angehörigen in ihren schwersten Stunden professionell und einfühlsam zu begleiten. Man sei stets im Gespräch mit den Hinterbliebenen, bespreche die Anliegen, besondere Wünsche und organisiere einen auf die Bedürfnisse der Familie abgestimmten Ablauf der Trauerfeier.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1214997_image" /></div> <BR /><BR />Bis vor wenigen Jahren half auch die mittlerweile 91-jährige Hilde Villscheider, Oma von Lukas und Hannes Villscheider, mit. Sie nähte etwa kleine Säckchen aus Satin, in denen die Hinterbliebenen dem Verstorbenen kleine Beigaben mit auf den letzten Weg geben konnten. Kleine Aufmerksamkeiten, die helfen, das mitunter Unmögliche – den Tod eines geliebten Menschen – anzunehmen. <BR /><BR />Gibt es Eigenschaften, die man als Bestatter mitbringen sollte? „Man muss ehrlich, einfühlsam, diskret und gewissenhaft arbeiten, 100 Prozent verlässlich sein und natürlich die Trauernden unterstützen, wo notwendig“, sagt Michael Villscheider. <h3>Veränderungen im Lichte der Zeit </h3>Sohn Lukas sagt dazu: „Ja, unser Beruf ist ein besonderer, mit schwierigen Momenten, aber auch schönen, erfüllenden: Wir können Menschen in schwierigen Momenten begleiten, ihnen Dinge abnehmen, einen würdevollen Abschied ermöglichen.“<BR /><BR />Veränderungen gehören auch in einem Familienunternehmen wie dem der Villscheider zum Alltag – die Urnenbestattung hat ebenso Einzug gehalten wie Todesfälle von Menschen mit Migrationshintergrund. 2016 übersiedelte das Unternehmen in den neuen, großzügigen Firmensitz in der Dantestraße. Stets am Puls der Zeit bleibend, plant das Familienunternehmen derzeit einen neuen Verabschiedungsraum im Firmensitz – es soll ein Ort der Stille für die Hinterbliebenen werden. Besonders Wert lege man auch auf eine nachhaltige Herangehensweise, so Lukas Villscheider. Der letzte Fußabdruck solle bestmöglich ökologisch sein. <BR /><BR />Mit der vierten Generation geht das Traditionsunternehmen immer wieder auch neue Wege: Auf Social Media geben Lukas und Hannes Einblicke in ihre Arbeit und die Werte, die das Familienunternehmen seit nunmehr 100 Jahren prägen.