Freitag, 07. Mai 2021

Ein Meraner in Indien: So erlebt Christian Huber die Corona-Lage

Bilder von lodernden Scheiterhaufen auf Parkplätzen, von nach Luft ringenden Menschen in ihren Autos vor völlig überlasteten Krankenhäusern: Die Nachrichten sind voll mit Corona-Schreckensbildern aus Indien. Mittendrin lebt ein Südtiroler. Christian Huber aus Meran berichtet, wie er die Situation in Indien erlebt.

Pune ist die neuntgrößte Stadt Indiens. 3 Millionen Menschen leben in der eigentlichen Stadt, 5 Millionen im Umland. Einer von ihnen ist Christian Huber aus Meran.
Pune ist die neuntgrößte Stadt Indiens. 3 Millionen Menschen leben in der eigentlichen Stadt, 5 Millionen im Umland. Einer von ihnen ist Christian Huber aus Meran. - Foto: © shutterstock
Christian Huber aus Meran lebt seit 10 Jahren in Indien. Er ist Chefkoch in einem 5-Sterne-Hotel in Pune, 160 Kilometer von Mumbai entfernt. Man nennt die Stadt das Oxford des Ostens – eine Universitätsstadt. Über 3 Millionen Menschen leben dort. „Der Impfstoff von AstraZeneca wird hier in Pune produziert“, weiß Huber. Auf seine Impfung muss er zwar noch etwas warten, „aber das ist okay“, sagt er.



Seit einem Monat gilt im Bundesstaat Maharashtra, zu dem Pune gehört, der Lockdown. „Nur Lebensmittelgeschäfte und Apotheken sind geöffnet“, berichtet Huber. Auch das Hotel, in dem er arbeitet, ist im Lockdown. „Es ist uns aber erlaubt, unseren Kunden Essen nach Hause zu liefern. Ich selbst war im vergangenen Monat nur 2-mal bei der Arbeit – sonst immer zu Hause. Ab 18 Uhr bis 7 Uhr früh gilt eine Ausgangssperre.“

10 Bezirke – 3 davon aus der Metropolregion Mumbai – melden inzwischen laut indischen Medien eine wöchentliche Wachstumsrate unter dem Durchschnitt des Bundesstaates Maharashtra. Das gebe Hoffnung, dass die zweite Welle in einigen der am dichtesten besiedelten Gebieten abebben könnte. Doch obwohl die Zahl der aktiven Covid-19-Fälle in der Stadt Pune seit 2 Wochen stetig sinke, sei noch Vorsicht geboten, da die Fälle in den ländlichen Gebieten von Pune weiter anstiegen, schreibt etwa „The Indian Express“. Die Ausbreitung der Infektion dort belaste die medizinische Infrastruktur in der Stadt, weil viele Patienten dorthin kommen, um sich behandeln zu lassen.

„Die zweite Welle hat uns nicht so dramatisch getroffen“, sagt Huber. Beinahe kriegsähnliche Zustände, wie man sie aus Medien aus anderen Teilen Indiens kennt, herrschten in seinem Bundesstaat Maharashtra nicht, betont Huber. „Wenn man eine Maske trägt und nicht feiern geht, dann übersteht man das ohne weiteres.“

Strenger Lockdown: „Man muss sich alles liefern lassen“

Den Gedanken, eventuell ins Krankenhaus zu müssen, schiebt Huber von sich, obwohl es sehr viele erstklassige Krankenhäuser in Indien gebe: „Ins Krankenhaus zu müssen, wäre mir wirklich nicht recht – allerdings sind wir ja vorwiegend im Haus, da wird man sich schon kein Bein brechen. Es ist besser, dass man bleibt, wo man ist.“

Das sei Dank der ausgeprägten Liefer-Kultur im Land nicht weiter problematisch. „Was den E-Commerce betrifft, ist Indien sehr fortschrittlich. Man kann alles online bestellen, sogar Lebensmittel. Ich kenne viele Bauern, die weiter produzieren, die schicken mir alles – mir fehlt nichts“, sagt er.

Heim nach Meran kann er derzeit nicht: „Es gilt auch für uns ein Einreiseverbot in die EU, das hat uns das Konsulat mitgeteilt. Seit 2 Jahren war ich nicht mehr in Südtirol: Ich würde schon sehr gern wieder einmal kommen.“ Vielleicht sei das im Herbst wieder möglich – man werde sehen.

kn