„Es ist hierzulande noch immer zu beobachten, dass der Verzicht auf Alkohol stigmatisiert wird“, sagt Peter Koler, Direktor des Forums Prävention. Wenn jemand in einer geselligen Runde, bei einer Feier oder schlicht bei einem Umtrunk etwas Analkoholisches bestellt, müsse er sich vielfach noch erklären oder gar rechtfertigen. <BR /><BR />„Frauen werden dann gefragt, ob sie denn schwanger seien, Männer bekommen oft den Spruch zu hören, ob sie krank sind oder den Alkohol nicht mehr „heben„, wie es umgangssprachlich heißt“, weiß Koler. <BR />Gerade aus diesen Erfahrungen heraus sei die Kampagne „C0,0L Challenge Dry January“ („Herausforderung trockener Jänner“) eine gute Möglichkeit, um zu ergründen, ob man problemlos ohne Alkohol zurechtkommt bzw. was der bewusste Verzicht bewirkt. <BR />Von vielen Menschen werde die Kampagne, an der sich auch der Sanitätsbetrieb und das Gesundheitsressort des Landes beteiligt haben, als Ansporn wahrgenommen, zudem könne man sich so nervige Rechtfertigungen sparen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1125108_image" /></div> Ist es in unserer Gesellschaft tatsächlich noch gang und gäbe, Alkoholverzicht mit blöden oder unsensiblen Sprüchen zu diskreditieren? Nach Kolers Einschätzung ist diese Brandmarkung noch weit verbreitet, doch gleichzeitig räumt er ein, dass sich neue Trends und Einstellungen beobachten lassen: „Der Alkoholkonsum ist rückläufig, derzeit geht man davon aus, dass ein Drittel der Gesamtbevölkerung in Südtirol abstinent lebt.“ Abstinent bedeutet, entweder vollkommen auf Alkohol zu verzichten oder maximal einmal im Monat ein alkoholhaltiges Getränk zu sich zu nehmen – etwa bei einem besonderen Abendessen. <BR /><BR /><b>Neuer Lifestyle: Nüchtern durchs Leben</b><BR /><BR />Zum Umdenken tragen nun auch neue Lifestyle-Modelle bei, wie etwa jene der „Sober-Community“ (dt. für „nüchterne Gemeinschaft“) – also eine Bewegung, die jegliche Art von Suchtmitteln sowie von Konsum- und Rauscherfahrungen ablehnt. „Ähnlich wie bei der veganen und vegetarischen Ernährungsweise geht es hier um die Pflege eines umfassenden, eines bewussten Lebensstils“, sagt Koler. Alkoholfrei wäre somit das neue Sexy, das neue Cool.<BR /><BR /><b>Starke Resonanz auf „Dry January“</b><BR /><BR />Die Wucht des neuen Trends lässt sich durchaus anhand der Resonanz der Alkoholpräventionskampagne aufzeigen. Diese fand vor allem in den sozialen Medien ein großes Echo, heuer haben dabei auch Influencer wie etwa der Vinschger Komiker Buono alias Gabriel Mair für Reichweite gesorgt. Im vorigen Jänner kamen so rund eine Million Aufrufe („Impressions“), darunter 146.000 allein auf YouTube, zusammen. Die heurigen Zahlen liegen noch nicht vor, dürften aber kaum geringer ausfallen. <BR />Unterstützt wurde die Aktion auch vom Katholischen Verband der Werktätigen (KVW) und dem Südtiroler Hoteliers- und Gastwirteverband (HGV). Was verspricht sich der HGV von der Kampagne? <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1125111_image" /></div> <BR /><BR />„Wir bekommen von unseren Mitgliedsbetrieben im verstärkten Ausmaß die Rückmeldungen, dass die Gäste Alternativen zu den gängigen alkoholischen Getränken nachfragen“, sagt Bettina Schmid, Leiterin des Gustelier – Atelier für Geschmackserfahrung im HGV. Wenn die Gäste sich an der Bartheke oder beim Essen alkoholfreie Getränke wünschen – aus welchen Gründen auch immer – so sei es mit Fruchtsäften, Limonaden, Tees oder Wasser nicht mehr getan. Aperitifs und Biere in der alkoholfreien Variante, Mocktails (alkoholfreie Cocktails), sogar alkoholfreier Wein und diverse Neuerungen erobern zusehends die heimische Gastro-Szene. <BR /><BR /><b>Neue Aromen und Essenzen für Feinschmecker</b><BR /><BR />Speziell bei der Getränkewahl für die Speisebegleitung hat sich ein neuer Markt aufgetan, mit neuen Aromen, Essenzen und Extrakten will man den Feinschmeckern Alternativen bieten. Natürlich Alternativen, für die man gerne mal etwas tiefer in die Tasche greift. „Wir reagieren auf die steigende Nachfrage, indem wir das HGV-Weiterbildungsprogramm und die Angebote im Gustelier danach ausrichten, Experten einladen und über unsere Medienkanäle informieren“, sagt Schmid, die Ernährungswissenschaften studiert hat und jahrelang im Lebensmittelbereich gearbeitet hat. <BR /><BR />Die Gastronomie hat durch den sinkenden Alkoholkonsum Einbußen zu verkraften, umso wichtiger seien Alternativen. Es zeigt sich, dass sich auch in der heimischen Gastronomie der Slogan „Ohne ist das neue Mit“ etablieren dürfte.