Es war gegen 11 Uhr an jenem sonnigen Samstag, als sich unterhalb des Gipfels – im Bereich des sogenannten Skidepots – nahezu die gesamte Nordwestflanke des Berges löste und enorme Schneemassen in die Tiefe donnerten. Mehrere Gruppen von Sportlern waren an diesem Vormittag unabhängig voneinander am Berg unterwegs, 15 Tourengeher befanden sich in der Falllinie der Schneemassen. Innerhalb weniger Sekunden wurden sie mitgerissen und teilweise verschüttet. Acht von ihnen konnten sich selbst aus dem Schnee befreien. Eine 42-jährige Frau wurde später mit Verletzungen an den Beinen ins Krankenhaus von Bruneck geflogen. <BR /><BR />Für sechs Wintersportler kam jedoch jede Hilfe zu spät: Margit Gasser (32 Jahre) aus Mühlwald, Matthias Gruber (16) aus Luttach, Christian Kopfsguter (22) aus Niederdorf, Alexander Rieder (41) aus Kiens, Bernhard Stoll (42) aus Niederdorf und Horst Wallner (49) aus Nordtirol konnten nur mehr tot aus den Schneemassen befreit werden. <BR /><BR />Mehr als hundert Einsatzkräfte waren nach Rein geeilt: Bergretter aus dem gesamten Pustertal und aus dem Tauferer Ahrntal, Hundeführer, Feuerwehr, Weißes Kreuz, Carabinieri, Notfallseelsorger sowie mehrere Rettungshubschrauber, welche die Einsatzkräfte zum Lawinenkegel und die Verstorbenen ins Tal flogen. Der Einsatz dauerte mehrere Stunden, zumal lange Zeit unklar war, wie viele Tourengeher sich im Bereich der Lawine aufgehalten hatten. „Zwischen Glück und Unglück lag nur ein einziger Meter Schnee“, berichtete später einer der Skitourengeher, der die Tragödie miterlebt und sich bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte an der Kameradenrettung beteiligt hatte. Als mögliche Unglücksursache nannten Experten später ein sogenanntes Altschneeproblem in Kombination mit der starken Belastung der Schneedecke im steilen Hang.<BR /><BR />Die Lawinenkatastrophe am Schneebigen Nock zählt zu den schwersten Lawinenunglücken der vergangenen Jahrzehnte in Südtirol.<h3> Große Trauer um die Opfer</h3>Am Montag, 14. März 2016 berichtete das Tagblatt „Dolomiten“ ausführlich über die Tragödie. Für jedes Todesopfer holte die Zeitung Stimmen aus dem Umfeld ein und zeichnete so ein persönliches Bild der Verunglückten. Die Beiträge spiegeln die tiefe Bestürzung und Trauer wider, die weit über das Pustertal hinaus im ganzen Land Südtirol zu spüren war. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1287513_image" /></div> <h3> Margit Gasser</h3>„Was am Schneebigen Nock geschehen ist, ist schrecklich und unfassbar“, sagt ein Freund der Familie Gasser in Mühlwald. Margit Gasser war Krankenschwester. Sie war sozial sehr engagiert und u. a. vor einigen Jahren für 3 Monate mit der Organisation „Südtiroler Ärzte für die Dritte Welt“ bei einem Hilfseinsatz in Kamerun. Groß war auch ihr musikalisches Talent, das sie in dem in Volksmusikkreisen sehr bekannten Familiengesang Gasser einbrachte. In ihrer Jugend war sie mehrere Jahre lang Schlagzeugerin bei der Musikkapelle und Mitglied im Kirchenchor gewesen. Margit Gasser hinterlässt ihre Eltern, 3 Schwestern und einen Bruder. <h3> Matthias Gruber</h3>Matthias Gruber ist das jüngste der 6 Lawinenopfer. Er hatte seinen Vater und seinen Onkel Bernhard Stoll auf der Tour begleitet. „Worte vermögen da nicht mehr zu trösten“, sagt der Ahrntaler Bürgermeister Helmut Klammer und spricht den Familien sein tiefes Beileid aus. Matthias war Schüler an der Technischen Fachoberschule Bruneck, Mitglied der Schützenkompanie und sei ein Jugendlicher gewesen, der in der Dorfgemeinschaft sehr geschätzt war, sagt Klammer. Matthias Gruber hinterlässt seine Eltern Martina und Heinrich und 3 Schwestern. <h3> Bernhard Stoll und Christian Kopfsguter</h3>In Niederdorf hat der Tod von Bernhard Stoll und Christian Kopfsguter tief betroffen gemacht. Beide waren als Männer bekannt, die, wie Ex-Bürgermeister Kurt Ploner sagt, die Berge geliebt haben, ausdauernde Bergsteiger, Bergläufer, Skitourengeher und Radler waren. Stoll hatte 2011 den 8156 Meter hohen Manaslu im Himalaya bestiegen. Er hat als Elektriker gearbeitet, war Familienvater und hinterlässt seine Frau und 3 Kinder. Christian Kopfsguter war Waldarbeiter. Beide Männer waren Mitglied der Schützenkompanie Johann Jaeger. „Bernhard war Oberjäger, Christian Zugsleutnant. Beide waren zuverlässige Kameraden. Ihr Tod reißt eine große Lücke“, sagt Hauptmann Richard Stoll. <h3> Alexander Patrik Rieder</h3>Auch Alexander Patrik Rieder war Familienvater. Er stammt aus Obervintl, hat dort im elterlichen Tierheim gearbeitet und ist vor kurzem nach St. Sigmund gezogen und hat sich dort den Traum von einem Eigenheim verwirklicht. „Ich habe Alexander als sportlichen, ruhigen, umsichtigen Mann“ gekannt, sagt der Vintler Bürgermeister Walter Huber und spricht der Familie im Namen der Gemeinde seine tiefe Anteilnahme aus. „Wir trauern um einen Freund“, sagt Elmar Fischnaller, der Leiter der Bergrettung Vintl, deren Mitglied Rieder bis vor wenigen Jahren war. Mitglied gewesen war Rieder auch in der Vintler Fußballmannschaft. <h3>Horst Wallner</h3>Groß ist auch die Trauer um Horst Wallner. Er war Direktor der Wirtschaftskammer Tirol und als solcher bekannt und beliebt. Er habe sich für eine enge Verbindung zwischen Nord- und Südtirol eingesetzt, nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sagt Handelskammerpräsident Michl Ebner.