Bei der Explosion eines Verbrennungsofens für Atommüll in Südfrankreich ist am Montag ein Mensch ums Leben gekommen. Vier weitere seien verletzt worden, berichtete die Atomaufsicht ASN. Bei dem Unfall in der Nähe der Atomanlage Marcoule etwa 30 Kilometer nördlich von Avignon sei keine Radioaktivität ausgetreten, betonte eine Sprecherin des Kommissariats für Atomenergie CEA.„Alles unter Kontrolle"„Der interne Notfallplan ist in Kraft getreten, alles ist unter Kontrolle“, sagte sie. Das Gebäude, in dem sich der Ofen befinde, sei intakt. Auch die Lüftung funktioniere weiterhin. Ursache und Sicherheitsstufe des Unfalls war zunächst nicht bekannt.Das französische Innenministerium bekräftigte, dass keine Radioaktivität freigesetzt worden sei. Die Opfer seien durch die Explosion verletzt und nicht verstrahlt worden, sagte ein Ministeriumssprecher der Nachrichtenagentur AFP. Es habe keine Evakuierung gegeben.Die Explosion ereignete sich nach Behördenangaben in einem Verbrennungsofen für schwach radioaktive Abfälle. Er befindet sich in der Gemeinde Codolet nahe der Atomanlage Marcoule und wird von dort aus verwaltet. Zu den schwach radioaktiven Abfällen zählen unter anderem Kleidung von Arbeitern sowie Metalle und Beton. Die Anlage wird von einer Tochter des französischen Energiekonzerns EDF betrieben. Die EDF-Aktie stürzte nach dem Unfall um mehr als sieben Prozent ab.Umweltministerin Nathalie Kosciuscko-Morizet wurde am späten Montagnachmittag am Unfallort erwartet. Die Grünen forderten die Regierung zu Transparenz auf. „Die Anwohner und alle Franzosen müssen ohne Verzögerung über die Entwicklungen informiert werden“, betonte Parteichefin Cécile Duflot. Nach der Katastrophe zu Fukushima habe die Regierung sich zu größtmöglicher Transparenz verpflichtet. Nun sei die Gelegenheit, dies unter Beweis zu stellen.Die in Wien ansässige Internationale Atomenergiebehörde IAEA nahm wegen des Unfalls Kontakt zu den französischen Behörden auf. Das IAEA-Zentrum für nukleare Notfälle sei sofort aktiviert worden, sagte IAEA-Chef Yukiya Amano.Die Nuklearanlage Marcoule umfasst mehrere kleinere Reaktoren, die allesamt stillgelegt sind. Das letzte Kraftwerk, ein Schneller Brüter, stellte 2010 den Betrieb ein. Im vergangenen März hatte es einen Zwischenfall in Marcoule gegeben, den die Atomaufsicht nachträglich auf Stufe zwei eingestuft hat.Südtirol: Keine GefahrFür Südtirol haben Experten derweil Entwarnung gegeben.Um die Lage zu analysieren und den Informationsfluss unter den zuständigen Landesstellen zu gewährleisten, wurde nämlich die Strahlenschutzgruppe - bestehend aus Vertretern der Landesumweltagentur, des Sanitätsbetriebes, des Landeswetterdienstes, der Berufsfeuerwehr und des Zivilschutzes - am Nachmittag in den Zivilschutzturm einberufen. „Wir werden die Entwicklung der Situation in Südfrankreich genauestens beobachten und besonders die Umweltagentur wird, sofern Änderungen in der Radioaktivität in der Luft gemessen werden, die Daten umgehend bekannt geben", berichtete Hanspeter Staffler, Direktor der Landesabteilung Brand- und Zivilschutz im Anschluss an die Sitzung. Derzeit können die Experten für Südtirol absolut Entwarnung geben, sollte sich die Lage verändern, wird die Bevölkerung umgehend informiert werden. Bei dieser Gelegenheit erinnert der Landeszivilschutz an das Bevölkerungsinformationssystem (BIS), womit die Bevölkerung im Zivilschutzfall mit wichtigen Informationen via Radio bedient wird.dpa/stol