<b>Herr Pfarrer, eine Seelsorgeeinheit im Unterpustertal ist schon länger Thema. Warum hat es so lang gedauert?</b><BR />Michael Bachmann: Erste Gespräche hat es schon vor der Corona-Pandemie gegeben. Damals war geplant, dass auch St. Lorenzen, Montal und Onach zu unserer Seelsorgeeinheit kommen. Weil sich diese 3 Pfarreien aber für den Beitritt in die neu zu  gründende Seelsorgeeinheit Bruneck–St. Lorenzen entschieden haben, besteht unsere Seelsorgeeinheit aus 5 Pfarreien.<BR /><BR /><b>Frau Weithaler, Sie sind Vorsitzende des Pfarreienrates, des zentralen Gremiums einer Seelsorgeeinheit. Wie geht es Ihnen damit?</b><BR />Evelyn Weithaler: In den 23 Jahren im Pfarrgemeinderat ist es sicher mein anspruchsvollstes Amt. Gemeinsam mit Pfarrer Michael und dem Pfarreienrat Entscheidungen im Wohle der Einheit und auch jeder einzelnen Pfarrei zu treffen, ist eine große Herausforderung.<BR /><BR /><b>Mit 5 Pfarreien und etwa 8000 Gläubigen gehört die Seelsorgeeinheit Kiens zu den kleineren in unserer Diözese.</b><BR />Bachmann: Das ist kein Nachteil. 5 Pfarreien sind überschaubar und leichter zusammenzuführen als große Einheiten.<BR /><BR /><b>Gab es in den Pfarrgemeinderäten Vorbehalte gegenüber dem Zusammenschluss?</b><BR />Bachmann: Im Großen und Ganzen waren die Pfarrgemeinderäte bereit, diesen gemeinsamen Weg zu gehen. So konnten wir auch recht bald den Pfarreienrat einrichten, in dem jeweils 2 Vertreter aus jeder Pfarrei sitzen. Anfangs gab es dort einige kritische Stimmen und ein gewisses Unbehagen. Inzwischen hat sich das Team aber gefunden und arbeitet toll zusammen.<BR /><BR /><b>Wie haben Sie die Monate der Vorbereitung erlebt?</b><BR />Weithaler: Es war eine intensive und spannende Zeit. Ich bin um viele Erfahrungen reicher.<BR /><BR /><b>Ein großes Fest am Sonntag bildet den Startschuss zur neuen Seelsorgeeinheit.</b><BR />Weithaler: Ja, wir feiern in der Pfarrkirche Kiens einen Festgottesdienst, den die 5 Pfarreien mitgestalten werden. Und dann stoßen wir beim Vereinshaus auf unser Miteinander an und räumen letzte Vorbehalte aus.<BR /><BR /><b>Was wird neu für die 5 Pfarreien? Und was bleibt wie bisher?</b><BR />Bachmann: Am 1. September haben wir in den 5 Pfarreien einen neuen Liturgieplan eingeführt. So können wir 2 Seelsorger die 5 Pfarreien gut betreuen. Manches fiel leider weg. Das gefällt natürlich nicht allen, aber wir haben versucht, jede Pfarrei gleich zu behandeln.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="945706_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie haben bereits die zweite Seelsorgeeinheit auf den Weg gebracht: Was war in Kiens anders als 2015 in der Seelsorgeeinheit Olang-Rasen-Antholz?</b><BR />Bachmann: In Olang war die Seelsorgeeinheit völliges Neuland. In Kiens konnte ich die Erfahrungen von damals einbringen und tat mich so viel leichter.<BR /><BR /><b>Wohin wird sich die neue Seelsorgeeinheit Kiens entwickeln? Gibt es bereits Pläne?</b><BR />Weithaler: „Miteinander für alle“ – die Umsetzung unseres Mottos ist uns sehr wichtig. Wir möchten Kirche so gestalten, dass jede und jeder einen guten Platz darin findet. Neben Aktionen und Angeboten werden wir vor allem bei der Sakramentenvorbereitung sowie bei der Umsetzung des neuen Firmweges pfarreiübergreifend arbeiten.<BR /><BR /><b>Eine erste gemeinsame Aktion gibt es bereits am Samstag, 7. Oktober die Wallfahrt zum Geburtshaus des Hl. Josef Freinademetz in Ojes.</b><BR />Weithaler: Die mittlerweile bereits 10. Fußwallfahrt nach Ojes ist immer ein großes Erlebnis. Ich werde wieder dabei sein und heuer besonders viel Dank und Bitte mit auf den Weg nehmen.<BR /><BR /><b>Was wünschen Sie sich für die neue Seelsorgeeinheit?</b><BR />Weithaler: Ich habe viele Wünsche. Etwa: dass unser Miteinander in kleinen Schritten wächst; dass wir in Fahrt bleiben; dass sich neue Mitarbeitende für unsere Gremien finden lassen; und dass sich die Wahl zum neuen Dekan des Klosters Neustift im Frühjahr 2024 nicht auf unsere Seelsorgeeinheit auswirken möge. Aber vor allem wünsche ich mir, dass uns Gott auf unserem gemeinsamen Weg begleitet.<BR /><BR /><b>Und was beschäftigt Sie, wenn Sie an die Zukunft der Seelsorgeeinheit Kiens und unserer Kirche insgesamt denken?</b><BR />Bachmann: Ich hoffe und wünsche mir, dass unsere Seelsorgeeinheit für die Menschen zum Zeichen wird, dass sich Kirche verändern und erneuern kann. Und dass wir gemeinsam mit Gott in die Zukunft gehen, ohne zu jammern über das, was fehlt und nicht gelingt, sondern uns freuen über das, was aufbricht und gelingt.