Sonntag, 25. Juli 2021

Bergbauern-Preis: Eine Anerkennung für besondere Menschen

Sie bewirtschaften trotz schwieriger Bedingungen ihre Höfe mustergültig, stellen hochwertige Lebensmittel her, pflegen dabei die Kulturlandschaft und sind noch ehrenamtlich aktiv: 6 Bergbauernfamilien sind am Samstag mit dem Bergbauernpreis des Südtiroler Bauernbundes ausgezeichnet worden. Der Preis wird von den Raiffeisenkassen Südtirols gestiftet.

Die Preisträger 2021: Fam. Oberbichler, Fam. Kinzner und Fam. Kerschbamer.
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Die Preisträger 2021: Fam. Oberbichler, Fam. Kinzner und Fam. Kerschbamer. - Foto: © sbb
Mit dem Bergbauernpreis zeichnen der Südtiroler Bauernbund und die Raiffeisenkassen Südtirols bäuerliche Familien aus, die besondere Leistungen erbringen. Damit soll die Arbeit der Landwirte, die der gesamten Bevölkerung zugute kommt, sichtbarer gemacht werden.

Am Samstag wurden neben den 3 Preisträgern von 2021 auch die Preisträger von 2020 geehrt, da die SBB-Landesversammlung im Vorjahr coronabedingt ausfallen musste.

Preisträger 2021

Familie Oberbichler: Erich, Hildegard, Manuela, David, Teresa, Alex – Rederlechnerhof, Mühlwald

140 (!) Erschwernispunkte weist der Rederlechnerhof in der Höfekartei auf. Bereits das zeigt, wie viel Mühe und Handarbeit nötig sind, um die 7 Hektar Wiesen zu bewirtschaften. Die Felder sind extrem steil, und trotz Spezialmaschinen müssen einige Flächen wie früher mit der Hand gemäht werden. Besonders stolz ist die Familie Oberbichler auf die eigene Alm und die neue Almhütte.

In den vergangenen Jahren ist ein neuer Laufstall errichtet worden, zudem wurden Feldwege gebaut und Bodenverbesserungsarbeiten durchgeführt. Seit kurzem wird Heumilch produziert. Neben der Milchwirtschaft sind das Holz und der Urlaub auf dem Bauernhof 2 weitere wirtschaftliche Säulen des Hofes.

Wann immer es die Zeit erlaubt, helfen Erich und Hildegard auf einer Almhütte aus, die Tochter Manuela als Pächterin bewirtschaftet. Sohn David hat am Hof eine kleine Tischlerei eingerichtet. Eine Besonderheit ist die kleine Hofkapelle, die schon bald saniert werden soll.

Familie Kinzner: Clara, Walter †, Barbara, Lisa, Claudia – Brunner Hof, Telfes/Ratschings

Mustergültig bewirtschaftet die Familie Kinzner den Hof Brunner in der Ratschingser Fraktion Telfes. Als einer der ersten in der Umgebung hat Walter Kinzner einen Laufstall errichtet und die Produktion im Jahr 2000 auf Bio umgestellt. Seit 2015 wird Bio-Heumilch hergestellt. Neben den eigenen etwas mehr als sechs Hektar Wiesen und drei Hektar Weide bewirtschaftet die Familie noch weitere Flächen in Pacht. Insgesamt werden die knapp 20 Hektar zweimal im Jahr gemäht.

Großgeschrieben wird auch das Ehrenamt: Walter Kinzner war Obmann der Alminteressentschaft Kuhberg. Unter seiner Führung wurde der Almausschank errichtet. Zudem war der Landwirt Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr, Clara Kinzner ist Ortsbäuerin.

Als nächste größere Investition wäre der Neubau des Wohnhauses geplant gewesen. Im September ist Walter Kinzner nach längerer Krankheit verstorben. Nun führen Clara Kinzner und die Töchter Barbara, Claudia und Lisa den Hof weiter – ganz nach Walters Motto: „Aufgeben ist verspielt“.


Familie Kerschbamer: Hanspeter, Evelyn, Ignaz, Elisabeth, Julia, Florian – Kerschmerhof, Laurein

Das Beste aus dem eigenen Hof zu machen, das ist auch der Leitgedanke von Hanspeter und Evelyn Kerschbamer. Sie bewirtschaften mit Altbauer Ignaz und Altbäuerin Elisabeth sowie den Kindern den Kerschmerhof in Laurein. Die Milch der knapp 25 Kühe wird 2 Mal täglich an den Milchhof in Castelfondo (Trentino) geliefert, woraus der bekannte Trentingrana hergestellt wird. Neben der Milchwirtschaft ist die Direktvermarktung von Gemüse und verarbeiteten Produkten, u. a. auf dem Wochenmarkt in Cles (Trentino), eine wichtige Einkommensquelle.

Eine große Herausforderung ist das Mähen der 13 Hektar Wiesen und der sechs Hektar großen Almweide. Da sie zwischen 750 und 1.700 m Meereshöhe liegen und die Wiesen zudem noch sehr weit verstreut sind, dauert das Mähen den ganzen Sommer über.

Eine weitere Besonderheit des Kerschmerhofes ist, dass die landwirtschaftlichen Flächen je zur Hälfte in der Provinz Bozen und der Provinz Trient liegen. Große Bedeutung hat das Ehrenamt. So war Altbauer Ignaz früher Bürgermeister von Laurein, Hanspeter Kerschbamer war im Gemeindeausschuss und ist im Vorstand des Milchhofes.


Preisträger 2020




Familie Rainer: Hubert, Notburga, Christoph, Stefanie, Sigrid und Anna Maria – Hanzerhof, Winnebach/Innichen

Hubert Rainer bewirtschaftet mit seiner Familie den Hof Hanzer oberhalb von Winnebach auf 1500 m Meereshöhe. Der Hof mit den 4 Hektar steilen Wiesen, 7,5 ha Weide und 26 ha Wald wird im Nebenerwerb geführt. Hubert Rainer und Sohn Christoph gehen noch einer Tätigkeit außerhalb der Landwirtschaft nach – ein willkommenes Einkommen, das wieder in den Hof investiert wird.

Der Haupterwerb der Familie Rainer ist die Milchwirtschaft. Der Verkauf von Kälbern und Rindern bringt ein zusätzliches Einkommen. Die besondere Leidenschaft der Familie ist das Kuhstyling: Christoph Rainer hat es sogar bis zum Italienmeistertitel geschafft.

Ein großes Anliegen ist der Familie, die Weide oberhalb des Hofes, die zu verstrauchen drohte, wieder als solche nutzen zu können. Ein beträchtliches Problem ist die Verbindung ins Tal: Mehrmals im Jahr ist die Familie ohne Telefon- und Internetverbindung. Zudem ist die Straße immer wieder mal gesperrt, was die Bewirtschaftung des Hofes noch aufwändiger macht.


Familie Canazei: Andreas, Katharina, Maria, Lea, Luca, Anna, Mark – Milan-Hof, St. Ulrich

Die Milchwirtschaft und der Urlaub auf dem Bauernhof sind die Standbeine des Hofes Milan der Familie von Andreas Canazei in St. Ulrich. Bäuerin Katharina bietet regelmäßig Hofführungen für Gäste an. Andreas Canazei bewirtschaftet den Hof zusammen mit seiner Familie und seiner Mutter Maria. Die Milch wird an den Milchhof geliefert.

5,5 Hektar Wiesen werden von Andreas Canazei zwei Mal im Jahr gemäht. Zudem bewirtschaftet Andreas noch weitere Wiesen und eine Alm, die er gepachtet hat. Zusammen mit anderen Bauern kümmert er sich weiters um die Bewirtschaftung einer Alm, wo die Jungtiere über den Sommer weiden.

Eine lange Tradition hat am Milan-Hof die Zucht von Noriker-Pferden. Sie sind, wie es in St. Ulrich Tradition ist, bei Beerdigungen im Einsatz.
Andreas Canazeis Hobby ist das Eishockey. Seit kurzem ist er im Vorstand des Grödner Hockeyclubs.

Familie Holzer: Peter, Anja, Josef, Christina, David, Hannes, Rosa – Premstla, Martell

Der Hof Premstla (107 Erschwernispunkte) auf 1600 m Meereshöhe im Martell wird von Peter Holzer und seiner Familie sowie den Eltern Josef und Christina bewirtschaftet. Knapp 5 Hektar steilste Wiesen gehören zum Hof, der im Vollerwerb geführt wird. Neben der Milchwirtschaft ist der Urlaub auf dem Bauernhof das zweite wirtschaftliche Standbein. Demnächst soll eine zweite Ferienwohnung oberhalb des Hofes dazukommen. Zudem möchte Peter Holzer zukünftig Fleisch direkt vermarkten. Bereits heute werden den Gästen hofeigene Produkte angeboten.

Neben Rindern hält die Familie am Hof Schafe. Seit über vierzig Jahren ist Josef Holzer jeden Sommer mit seinen Schafen und denen anderer Bauern auf der Alm im hintersten Martell. Dadurch musste sich Peter Holzer bereits sehr früh, zusammen mit seiner Mutter Christina, um den extremen Bergbauernhof kümmern.

Der Hof befindet sich im Nationalpark Stilfser Joch. Das macht die Bewirtschaftung aufgrund einiger zusätzlicher Auflagen nicht einfacher.

stol