Montag, 08. Februar 2021

Tamara Lunger: „Eine Expedition, die als Traum begann und als Albtraum endete“

Die Winter-Expedition zum K2 im Himalaya, dem schwierigsten aller Achttausender, ist für Tamara Lunger zum Albtraum geworden, schreibt die Extrembergsteigerin aus Gummer: Sie ist wohlbehalten im Basislager angekommen und will dem K2 nun den Rücken kehren.

Tamara Lunger schreibt auf Facebook, die schlimmen Erfahrungen am K2 haben ihre Liebe zum Bergsteigen getrübt.
Tamara Lunger schreibt auf Facebook, die schlimmen Erfahrungen am K2 haben ihre Liebe zum Bergsteigen getrübt. - Foto: © facebook/Tamara Lunger
Wie berichtet, hat Tamara Lunger ihren Traum von der Winterbesteigung des K2 aufgeben müssen. Für die 34-jährige Alpinistin endete damit ein mehrwöchiges Bergabenteuer, das sie mehrfach an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht hatte.

Der nepalesische Höhenbergsteiger Chhang Dawa Sherpa hatte am Freitag bekanntgegeben, dass die Teilnehmer des Seven Summit Treck den Rückweg zum Hochlager 3 auf rund 7000 Meter anpeilten, ehe es zum Basislager zurückgehe ( wir berichteten) – mit dabei auch Tamara Lunger. In einem finalen Kraftakt hatte die Seilschaft noch versucht, die Gipfelbesteigung in 24 Stunden und bei minus 45 Grad zu bewältigen.

3 Bergsteiger, die mit Lunger unterwegs waren, gelten seit Freitag als vermisst ( wir berichteten): der Isländer John Snorri, Ali Sadpara aus Pakistan und Juan Pablo Mohr aus Chile. Mittlerweile gibt es kaum noch Hoffnung, sie lebend zu finden. Auch der Bulgare Atanas Skatov stürzte tödlich ab – auf dem Weg ins Basislager. Bereits vorher war ein weiterer Bergkamerad von Lunger verunglückt: der Spanier Sergi Mingote. Tamara Lunger hingegen erreichte am Samstag wohlbehalten das Basislager.

Nun hat sie einen emotionalen Beitrag dazu auf ihren sozialen Plattformen geteilt. Sie schreibt:

„Vermisse dich JP (Anm.: Juan Pablo)! Heute ist dein Geburtstag und unser Plan war zu feiern, aber stattdessen bin ich hier sprachlos, mit Tränen in den Augen und einer Menge Fragen. Wissend, dass die Chancen, dich wiederzusehen, nahe bei Null liegen. (…) Vielen Dank für diese intensive Zeit, es war eine große Hilfe, dich während dieser Tragödie in meiner Nähe zu haben. (…) Mein Herz weint auch um Ali und John, die Berge haben mir dieses Mal so viel genommen – jetzt gerade scheint es mir, auch die Liebe für das Bergsteigen. Diese Expedition war für mich die brutalste, die ich je erlebt habe. Eine Erfahrung, die als Traum begann und in einem Albtraum endete, der mich noch lange verfolgen wird.“



Lunger schreibt, sie wolle nun nach vorne schauen und dem K2 den Rücken kehren, „um Ruhe zu suchen“.

Die Expedition: Im Winter zum K2

Dieses jüngste Vorhaben war eines der extremsten in Lungers bisheriger Karriere. Die Winter-Erstbesteigung des K2 ist 10 nepalesischen Sherpas erst vor wenigen Tagen geglückt. Lunger hatte das Bergabenteuer mit dem rumänischen Extrembergsteiger Alex Gavan vor Weihnachten in Angriff genommen.

Wenige Tage nach Mingotes Tod brach Gavan die Expedition ab. Lunger wollte weitermachen und entschied, mit Juan Pablo Mohr, dem Seilpartner des abgestürzten Sergi Mingote, den Gipfelsturm zu wagen. Wie schon im Februar 2016 am Nanga Parbat und im Jänner 2020 an der Überschreitung von Gasherbrum I zum Gasherbrum II, als sie mit letzten Kräften ihren Bergkameraden Simone Moro aus einer Gletscherspalte ziehen musste, sollte ihr nun auch diese Winterbesteigung verwehrt bleiben. Allerdings hat sie den Gipfel des K2 bereits im Sommer 2014 erreicht.

kn