Samstag, 04. Juli 2020

Eine gesunde Bräune gibt es nicht

Seit Jahrzehnten wird vor zu starker Sonnenexposition gewarnt, und trotzdem nehmen die Hautkrebs-Neuerkrankungen in Mitteleuropa ständig zu. Eine von 3 Tumorneudiagnosen betrifft in Südtirol die Haut. Einerseits erfolge der Sonnenschutz noch nicht konsequent genug, andererseits seien die Hauttumore von heute die Folge von zu starker Sonnenexposition vor vielen Jahren, erklärt der Primar für Dermatologie im Bozner Krankenhaus, Prof. Dr. Klaus Eisendle.

Sonnenschutz ist das Um und Auf.
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Sonnenschutz ist das Um und Auf. - Foto: © dpa-tmn / Florian Schuh
Es gibt aber auch 2 gute Nachrichten: „In Australien, wo der Sonnenschutz schon länger sehr konsequent betrieben wird, scheint der steile Anstieg an Hautkrebs in den letzten Jahren etwas abzuflachen. Wenn nur die jüngeren Jahrgänge berücksichtigt werden, sind die Zahlen sogar leicht rückläufig“, erklärt Dr. Klaus Eisendle. Konsequenter Sonnenschutz hilft also. Die zweite gute Nachricht: „Die Mortalität, also die Sterblichkeit am schwarzen Hautkrebs, ist nicht angestiegen. Das liegt an den Vorsorgeuntersuchungen und den besseren Therapiemöglichkeiten.“ Mit anderen Worten: Die Zahl der an Hautkrebs erkrankten Menschen nimmt zwar zu, aber es sterben nicht mehr Menschen daran. Bedenken muss man allerdings, dass die Kosten für das Gesundheitssystem durch Hautkrebs exorbitant hoch sind und bereits jene für Brustkrebs überschreiten.

Der weiße und der schwarze Hautkrebs

Beim Hautkrebs wird zwischen dem schwarzen und dem weißen Hautkrebs unterschieden. Der schwarze Hautkrebs (das Melanom) gilt als die weitaus gefährlichere Form. Er ist für etwa 90 Prozent der Todesfälle durch Hautkrebs verantwortlich. Zum weißen Hautkrebs zählen das Basalzellkarzinom und das Plattenepithelkarzinom. Während das Basalzellkarzinom keine Metastasen bildet, kann es beim Plattenepithelkarzinom insbesondere bei über 90-Jährigen und Patienten mit geschwächtem Immunsystem auch zu Metastasen und Todesfällen kommen. „Der weiße Hautkrebs ist der häufigste bösartige Tumor überhaupt. In Südtirol dürften bis zu 25 Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens einen weißen Hautkrebs entwickeln“, erklärt der Primar der Dermatologie. Das ist immerhin jeder Vierte.

Hautkrebs entwickelt sich nicht am Tag nach dem Sonnenbrand, sondern ist die Folge einer Anhäufung von Sonnenschäden über viele Jahre. Bis sich ein Tumor entwickelt, vergehen im Schnitt über 20 Jahre. „Das hängt vom Hauttyp und vom Hautkrebs ab“, präzisiert Dr. Eisendle. „Beim schwarzen Hautkrebs dauert es vermutlich länger als beim weißen. Die Zeit ist bei hellhäutigen Menschen kürzer als bei dunkelhäutigen.“ Eine Ausnahme bilden Menschen nach Organtransplantationen mit eingeschränktem Immunsystem. Hier reichen oft wenige Jahre, um einen weißen Hautkrebs zu entwickeln, der dann häufig tödlich endet.

Trotzdem lohnt sich Sonnenschutz zu jeder Zeit, auch wenn man sich in der Vergangenheit bereits viele Sonnenbrände geholt hat. „Sonnenschutz nützt immer, da sich die Schäden in der Haut anhäufen. Sonnenschutz wirkt zudem gegen die Hautalterung, also gegen die Bildung von Falten, und kann im Fall vom weißen Hautkrebs das Fortschreiten der Anfangsstadien, der aktinischen Keratosen, verhindern oder gar zur Rückbildung führen“, sagt Dr. Eisendle.

Konsequenter Schutz und Früherkennung wichtig

Konsequenter Sonnenschutz orientiert sich für ihn an der 5-„S“-Kampagne aus Australien: Shirt, Sonnencreme, Sonnenhut, Schatten und Sonnenbrille (siehe Meldung daneben). Jedenfalls sei es ein falscher Mythos, dass Bräune gesund ist. „Je brauner jemand ist, desto mehr Schäden hat seine Haut angereichert.“ Außerdem schützt Bräune nicht vor Sonnenschäden: Der Lichtschutzfaktor der körpereigenen Bräune liegt nur bei 4 bis 6 – für einen gesunden Schutz ist das viel zu wenig.

Um Hautkrebs-Vorstufen zu erkennen und zu behandeln, bevor Krebs entsteht oder um einen Tumor frühzeitig zu entdecken, was die Heilungschancen verbessert, ist die Hautkrebs-Früherkennung sehr wichtig. An den Hausarzt wenden sollte man sich, wenn auffällige Muttermale bemerkt werden, die wachsen oder bluten. Auch über Monate nicht heilende Wunden sind verdächtig. Bei Notwendigkeit überweist der Hausarzt dann an einen Hautarzt.

Ein Muttermal (Leberfleck) gilt als suspekt, wenn es asymmetrisch in der Form ist, Begrenzungen unregelmäßig sind, die Farbe scheckig ist, der Durchmesser größer als ein Bleistift-Radiergummi (über 6 Millimeter) und sich Oberflächenveränderungen finden.

wib