Der Saatgut-Tresor ist am 26. Februar 2008 eröffnet worden. Seine zentrale Aufgabe besteht darin, die Pflanzenvielfalt auf der Erde und nicht zuletzt die Ernährung der Menschheit zu sichern. Genbanken gibt er zudem die Möglichkeit, in Katastrophenfällen auf Sicherungskopien ihrer Sammlungen zurückgreifen zu können. <BR /><BR />Die Saatgutproben aus aller Welt sind bei konstanten minus 18 Grad in der Anlage nahe Longyearbyen, dem Hauptort von Spitzbergen, eingelagert. Der „Svalbard Global Seed Vault“ ist zu einer Art arktischer Arche Noah für die Pflanzenvielfalt geworden. Samen von mehr als 6000 Pflanzenarten sind tiefgefroren dort gebunkert, damit man im Fall der Fälle auf sie zurückgreifen kann. „Svalbard ist für uns eine Lebensversicherung, die wir vielleicht nie in Anspruch nehmen werden“, sagt Stefan Schmitz, der Exekutivdirektor des in Bonn ansässigen Welttreuhandfonds für Kulturpflanzenvielfalt, kurz „Crop Trust“ genannt. „Es ist eine Lebensversicherung für die Ernährung der Welt im 21. Jahrhundert.“ Oberstes Ziel des Saatgut-Tresors ist es, die Pflanzenvielfalt der Welt und damit nicht zuletzt die Ernährung der Menschheit für die Zukunft zu sichern. „Wir sammeln dort Saatgut und sichern es, um gegen alle möglichen Notfälle gewappnet zu sein“, sagt Schmitz. <BR /><BR />Solche Notfälle treten im Idealfall niemals ein – einmal bislang aber doch: Das internationale Forschungsinstitut Icarda konnte im Zuge des Syrischen Bürgerkriegs nicht mehr auf seine Genbank in Aleppo zugreifen – doch zum Glück hatte das Institut schon 2012 Kopien der Samen aus seiner Sammlung in Spitzbergen einlagern lassen. „Wir konnten damals 116.000 Samenproben zu Icarda im Libanon und Marokko schicken, mit denen neue Einheiten in diesen Ländern aufgebaut wurden“, sagt Åsmund Asdal, der als Betriebskoordinator der Anlage so etwas wie der Wächter über den Saatgutschatz von Spitzbergen ist. „Es ist ein exzellentes Beispiel für die Bedeutung des Saatguttresors.“ Mittlerweile konnte das Icarda bereits wieder über 100.000 Proben in den Saatguttresor zurückschicken. <BR /><BR />Im Grunde alle Saatgutbanken der Welt können Sicherungskopien ihrer Bestände hinterlegen. Zurückfordern können sie diese Duplikate, wann immer sie es für nötig halten. Gelagert werden sie bei minus 18 Grad in vakuumverpackten Alu-Tütchen, die in 3 von der Außenwelt abgeschirmten Kühlkammern in Boxen verstaut sind. Man könne auch von einer „eisernen eisigen Reserve“ sprechen, sagt Schmitz. Insgesamt sind derzeit 1.195.244 Saatgutproben von 93 Genbanken im Tresor gesichert, wie Asdal betont. Darunter sind über 200.000 Weizen-, 170.000 Reis- und 90.000 Gerstenproben, von manchen Nahrungspflanzen dagegen nur eine oder 2. Kapazität hat der Seed Vault für 4,5 Millionen Saatgutproben – es ist also noch reichlich Platz da. <BR />