Von 1966 bis 1972 wurde die Brennerautobahn gebaut. Um die Bedeutung dieses Ereignis für seinen Heimatort Vahrn zu ergründen, hat Toni Jöchler, Tschiedererbauer in Vahrn, verschiedene Recherchen durchgeführt, Fotos gesammelt und Zeitzeugen befragt. Sein Fazit: Viele Menschen haben die Zeit der Entstehung der Brennerautobahn vergessen, Zeitzeugen sind schwer zu finden und auch Fotomaterial ist spärlich.<BR /><BR />Zu einer ersten verkehrsbedingten Veränderung kam es 1863 mit dem Bau der Brennerbahn. Sie war zur damaligen Zeit ein Meisterwerk der Technik. „Es mussten Berge abgesprengt, der Eisack verlegt und Galerien und Tunnels in Handarbeit vorangetrieben werden“, berichtet Toni Jöchler. <BR /><BR />Das Projekt fand zunächst keinen großen Zuspruch, schließlich verloren die Landwirte ihre Gründe, die großen Postgasthäuser entlang der Strecke lebten eigentlich von den Pferdefuhrwerken. Trotzdem brachte die Bahn große Veränderungen und auch Vahrn profitierte bald davon und profilierte sich als Fremdenverkehrsort. <h3> Zu Beginn der Arbeiten 10 Jahre alt</h3>Der Verkehr nahm im Laufe der Jahre und Jahrzehnte zu. „Mit dem Bau der Brennerautobahn verband sich auch in Vahrn die Hoffnung, dass damit den zunehmenden Verkehr Einhalt geboten werden kann“, erläutert Jöchler. Er erinnert sich noch gut an diese Zeit, auch wenn er zu Beginn der Bauarbeiten 10 Jahre alt war. <BR /><BR />„Ein Überqueren der Staatsstraße in Vahrn war damals ein riskantes Unterfangen. Es gab keine regulären Übergänge, im Gegenteil, es wurde sofort gehupt, damit man die Straße fluchtartig verlässt“, erinnert er sich. Deshalb wartete man im Dorf sehnsüchtig auf die Eröffnung der Brennerautobahn. <BR /><BR />Nicht zuletzt war auch der Tschiedererhof direkt in den Bau der Brennerautobahn involviert. Im Zuge der Bauarbeiten wurde die Moräne, die direkt hinter dem Hof verlief, abgebaut und war als Schottergrube im Dauereinsatz. Als 1966 mittels Besetzungsdekret die gesamte Gletschermoräne abgetragen werden sollte, konnte Toni Jöchlers Vater innerhalb kürzester Zeit alternative Abbaumöglichkeiten ausfindig machen. „Dadurch blieb die Hofstelle verschont“, fasst Jöchler zusammen. <h3> Mit Bauern wurde einzeln über Entschädigung verhandelt</h3>Damals wurde mit jedem Bauern einzeln verhandelt, der eine konnte etwas mehr, der andere etwas weniger für sich herausholen. Gegen eine Umsiedlung des Hofes wehrten sich etwa auch die Besitzer des Ehrenreicherhofes in Vahrn. Letztendlich wurden sie aber zwangsgeräumt. <BR /><BR />Ursprünglich war die Ausfahrt der Autobahn im Bereich des Soldatenfriedhofes geplant. Da dieser Lösung viel landwirtschaftlicher Grund zum Opfer gefallen wäre, hatte der Bauernbund 1966 den heutigen Standort als Alternative vorgeschlagen. „Die Studie haben die Bauern damals übrigens aus eigener Tasche bezahlt“, berichtet Jöchler. <BR /><BR />Die Trassen wurden damals in einer beachtlichen Breite in den Wald geschlagen. Laut Jöchler wurden keine besonderen Maßnahmen zur Aufforstung nach Fertigstellung der Arbeiten unternommen. „Zu manchen Zeiten sind an die 100 LKWs täglich zirkuliert, um das Material zu den Baustellen zu bringen“, schildert er. <h3> Freude und Hoffnung auf baldige Verkehrsberuhigung trotz Belastung</h3>Bei heftigem Wind war das gesamte Tal voller Staub. Beschwerden wegen Dreck oder Staub gab es, nach Jöchlers Erinnerung, nicht. Es überwog vielmehr die Freude und die Hoffnung auf eine baldige Verkehrsentlastung. Neben dem damals anderen Empfinden für Umweltbelastungen brachte der Bau der Brennerautobahn aber auch einige technische Neuerungen, wie etwa beim Bau der Pfeiler im Stausee von Franzensfeste. <BR /><BR />Das beauftragte Unternehmen verwendete eine neue Methode, um die Pfeiler einzusetzen. Flüssiger Stickstoff wurde bei einer Temperatur von minus 230 Grad über Rohrleitungen in den Stausee gepumpt, um das Wasser zum Gefrieren zu bringen. Danach hat man den Boden trockengelegt und den neuen Pfeiler auf festem Grund eingesetzt. <h3> Baustelle der Autobahn war am Wochenende Abenteuerspielplatz für Familien</h3>Die Eröffnung der Autobahn im Teilstück Franzensfeste – Klausen im Jahr 1972 und die gesamte Inbetriebnahme im Jahr 1974 brachte dann eine spürbare Entlastung für die Ortschaften und Städte im Eisacktal. Nicht zuletzt war die Baustelle auch ein wahrer Abenteuerspielplatz für Kinder. Sonntags, sobald die Arbeit ruhte, rutschen die Kinder und Jugendlichen an den Förderbändern herunter oder stopften Erde in den ein oder anderen Bagger-Auspuff. <BR /><BR />Die Erinnerung an diese Zeit ist bei Toni Jöchler noch lebendig und er möchte einen Beitrag dazu leisten, dass auch weiterhin die Geschichte nicht vergessen wird und man daraus lernt. Zum Abschluss mahnt er: „Es stehen weitere große Mobilitätsprojekte bevor. Mein Fazit aus der Geschichte ist: Man muss sich davor nicht fürchten, man sollte aber seine Kräfte bündeln und gemeinsam, im Sinne der Bevölkerung, agieren.“<BR />