Der junge Olanger wurde Opfer eines verschärften Schießbefehls, der an die italienischen Sicherheitskräfte ergangenen war. Sein Tod löste Entrüstung im ganzen Land aus.<BR /><BR /><BR />Im Kampf gegen die damaligen Südtiroler Aktivisten hatte der italienische Innenminister Taviani dem Militär und den Sicherheitsbehörden befohlen, auf verdächtige Personen „sparare a vista“ – „auf Sicht zu schießen“ und der Carabinieri-General Ciglieri hatte erklärt: „Jetzt haben wir den Punkt erreicht, wo es um Menschenjagd geht!“ („Kurier“, Wien, 15.September 1966).<BR /><BR />Es ist ein Todesfall, der bis heute Rätsel aufgibt – der Tod des erst 18-jährigen Peter Wieland aus Niederolang, der am 24. September 1966 unweit des Dorfes erschossen wurde. Dass sein Tod kein Versehen war, davon ist die Familie des „Zischtl-Hofes“ noch immer überzeugt. <BR /><BR />Peter Wieland war am 24. September 1966, einem Samstag, gegen 21.30 Uhr vom Unterdorf zu Fuß unterwegs zum Gasthof „Waldruh“ am Dorfeingang von Niederolang. Dort wollte er sich mit seinen Kollegen treffen. Über eine Wiese kürzte er seinen Weg ab. Unweit davon verläuft die Bahnlinie. <BR /><BR />Wieland war bereits ganz in der Nähe des Gasthofes, als eine Alpinistreife von der nahen Straße aus den Buben erblickte. Was danach geschah, darüber gingen in den Tagen danach in den Medien die Meinungen auseinander, und auch heute noch ist der Tathergang nicht ganz geklärt. <BR /><BR /><b>„Ein gezielter Schuss aus kürzester Entfernung“</b><BR /><BR />Die Alpini-Soldaten sollen Wieland aufgefordert haben, stehen zu bleiben. Angeblich soll der 17-Jährige dem nicht Folge geleistet haben. Ob Wieland davonlaufen wollte und gestolpert ist oder er nach einem ersten Schuss zu Boden ging, darüber gingen die Aussagen damals auseinander. Jedenfalls schrieben die „Dolomiten“ am 27. September 1966, dass ein Unteroffizier dann „aus kürzester Entfernung einen einzigen gezielten Schuss auf Wieland“ abgefeuert habe, als dieser bereits am Boden lag. Die italienische Tageszeitung „Alto Adige“ hatte den Tathergang zwei Tage zuvor noch als Flucht eines Unbekannten dargestellt, der dabei stürzte und an den Folgen dieses Sturzes gestorben sei. <BR /><BR />Diese Information hatte auch sein Vater Franz anfangs erhalten. Kurz vor Mitternacht des 24. September 1966 standen Carabinieri vor der Haustür und forderten ihn auf, mit ins Krankenhaus nach Bruneck zu fahren: Der Sohn sei schwer gestürzt. Ein Arzt teilte dem Vater aber dann mit, dass auf Peter geschossen wurde. Im Spital kam jede Hilfe zu spät: Der 17-Jährige war bereits tot. <BR /><BR />Erst allmählich wurden weitere Details dieser Nachtstunden bekannt. So haben die Alpini-Soldaten nach den Schüssen ein Auto angehalten und den Fahrer gezwungen, mit den Scheinwerfern in die Wiese zu leuchten. Im Lichte der Scheinwerfer haben die Soldaten den Schwerverletzten durchsucht – Waffen oder gar Sprengstoff fanden sie nicht. Sie verständigten ihr Kommando, später die Carabinieri, aber keinen Krankenwagen. <BR /><BR />Mehrere Stunden – seine Familie spricht von 3 Stunden – soll der 17-jährige Schwerverletzte ohne ärztliche Hilfe in der Wiese gelegen sein. Erst der Carabinieri-Maresciallo habe Wieland schließlich ins Krankenhaus gebracht – zu spät. <BR /><BR /><b>Eduard Wallnöfer wirft Todesfall auf</b><BR /><BR />Entrüstung löste dieser Todesfall nicht nur in Olang, sondern im ganzen Land aus, zumal – wie die „Dolomiten“ damals schrieben – das Gebiet, in dem Wieland erschossen wurde, „weitab jeder militärischen Anlage“ liegt – bis auf die nahe Bahnlinie. Und schon bald wurden auch Stimmen laut, die von „Hinrichtung“ und „gezieltem Mord“ sprachen. <BR /><BR />Zweifel an der Version eines tragischen Versehens ließen damals Aussagen des damaligen Nordtiroler Landeshauptmannes Eduard Wallnöfer aufkommen, die vom Historiker Rolf Steininger dokumentiert worden sind. Wallnöfer habe den „Fall Wieland“ einen Monat später, am 23. Oktober, bei einer Südtirolbesprechung in Salzburg zur Sprache gebracht. Er erzählte, dass er erfahren habe, dass 3 italienische Soldaten gesagt hätten, „jetzt müsse einmal ein Südtiroler fallen“, woraufhin wenig später Peter Wieland erschossen worden sei, „möglicherweise auf kürzeste Entfernung“, so Wallnöfer laut Steininger. Bei mehreren Anschlägen waren zuvor nämlich mehrere italienische Einsatzkräfte ums Leben gekommen.<BR /><BR />Die Verantwortlichen des Alpini-Regiments haben sich jedenfalls bei der Familie sofort entschuldigt. Diese Tat sei der Fehler eines Einzelnen gewesen. Der Name dieses Unteroffiziers aus Bozen ist der Familie bekannt. Vom Staat gab es später eine kleine finanzielle Entschädigung. <BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="692687_image" /></div> <BR />Auch Bischof Joseph Gargitter eilte nach dem Tod des 17-Jährigen in das Haus des Pfarrmesners. Und auch der damalige Landeshauptmann Silvius Magnago machte der Familie seine Aufwartung. Ein Foto samt Unterschrift zeugt heute noch davon. An den ältesten „Zischtler“-Sohn erinnert heute noch ein – zum 40. Todestag neu aufgestelltes – Kreuz unweit seiner Todesstelle. <BR /><BR />„Man hat nie etwas von einer behördlichen Untersuchung gehört“, so Roland Lang, Obmann des Südtiroler Heimatbundes (SHB). „Der italienische Staat ließ einfach Gras über die unangenehme Sache wachsen.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="692690_image" /></div> <BR />Heute ist nach mehr als einem halben Jahrhundert das damalige Geschehen kaum noch bekannt. Der Südtiroler Heimatbund gedenkt des getöteten Peter Wieland und will laut Aussendung „sein tragisches Schicksal der Vergessenheit entreißen“. <BR />