Der Krieg in der Ukraine bringt jeden Tag neue Schreckensmeldungen mit sich. Die Menschen in den Kriegsgebieten stehen vor dem Nichts. Der Brixner Verein „Helfende Hände“ sammelt Hilfsgüter, die teils unter Lebensgefahr in die Ostukraine gebracht werden. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="756644_image" /></div> <BR />Wir erreichen Carmen Olariu in Botosani, einer Stadt im Nordosten Rumäniens. Seit Jahren ist Olariu Mitarbeiterin der bundesdeutschen Hilfsorganisation „Missionswerk Osteuropa“. 2018 kam es erstmals zu einer Zusammenarbeit mit dem Brixner Verein „Helfende Hände“. Im Juli 2021 wurde in Rumänien eine Zweigstelle des Vereins gegründet: Präsident ist der Brixner Hubert Messner, Olariu ist Vize-Präsidentin. „Helfende Hände Südtirol/Botosani“ führt unter anderem eine Sozialkantine für Kinder aus sozialschwachen Familien. Nun aber ist Krieg im Nachbarland Ukraine. Vor allem im Osten und Südosten des Landes harren Frauen, Männer, Kinder unter katastrophalen Bedingungen aus. <BR /><BR />Seit Kriegsbeginn am 24. Februar rollten bereits 4 Sattelschlepper mit Hilfsgütern von Südtirol nach Rumänien. Organisiert wurde die Fahrt vom Verein „Helfende Hände“ und Spendern aus ganz Südtirol. Olariu erzählt am Telefon, wie die Hilfe zu den Betroffenen kommt: <BR /><BR /><b>Frau Olariu, Sie waren diese Woche in der Ukraine. Schildern Sie uns bitte, was sie dort gesehen haben?</b><BR />Carmen Olariu: Ziel unserer Fahrt war Czernowitz, eine Stadt, die rund 2 Autostunden von Botosani entfernt liegt. Die Stadt liegt im Westen der Ukraine. <BR /><BR /><b>Werden dorthin die Hilfsgüter aus Südtirol gebracht?</b><BR />Olariu: Ja, aber vorher wird der Lkw in Botosani, also noch im Rumänien, so schnell wie möglich auf Transporter umgeladen. Die Lebensmittel, Decken, Hygieneartikel, all das teilen wir dann so auf, dass in jedem Transporter etwas von allem ist. Es werden Hilfspakte geschnürt, beschriftet und wieder beladen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="756647_image" /></div> <BR /><b>Wie problemlos konnten Sie die Grenze passieren?</b><BR />Olariu: Diese Woche verlief die Fahrt reibungslos, wir warteten nur rund 45 Minuten an der Grenze, anderen Male waren es auch schon 4, 5 Stunden. Wir reisen im Konvoi, die 6 Transporter mit 2 Anhängern sind als Hilfstransport gekennzeichnet. Auffallend war diese Woche, dass es an den Tankstellen im Land keinen Treibstoff gab. <BR /><BR /><b>Welche Stimmung herrscht in der Stadt?</b><BR />Olariu: Auf den ersten Blick ist alles wie immer, die Kriegsschauplätze scheinbar weit weg. Blickt man dann aber in die Gesichter der Menschen, dann ist der Krieg allgegenwärtig. Jede Familie ist vom Krieg betroffen, Männer kämpfen an der Front. Alle eint die Hoffnung, dass dieser Schrecken so schnell als möglich enden möge. Mittlerweile helfen viele ältere Leute bei der Verteilung der Hilfsgüter. Wie gesagt: Die jungen Männer sind eingezogen worden.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="756650_image" /></div> <BR /><b>Wie genau gelangen die Hilfsgüter zu den Bedürftigen?</b><BR />Olariu: Gestern haben wir in Czernowitz selbst ein Kinderkrankenhaus und ein Altersheim mit Hilfsgütern versorgt, die anderen Transporter machen sich Richtung Osten auf.<BR /><BR /><b>Eine lebensgefährliche Fahrt für die Fahrer ...</b><BR />Olariu: Ja, viele der Fahrer haben Kontakte oder Verwandte im Osten. Sie fahren nach Kiew, Odessa, in die Gegend um Mariupol. Einer der Fahrer entkam das letzte Mal auf seiner Rückfahrt aus Mariupol nur knapp dem Tod, sein Laster wurde von russischen Soldaten beschossen, das Auto hinter ihm mit einer Familie an Bord kam in den Flammen um. Die, die im Kriegsgebiet waren, berichten unter Tränen vom gewaltigen Ausmaß der Zerstörung. Sie sind allesamt traumatisiert. <BR /><BR /><b>Was brauchen die Menschen am dringendsten?</b><BR />Olariu: Medikamente, Fertiggerichte, Babynahrung, Windeln. Im Grunde alles. Die Leute stehen vor dem Nichts und es gibt auch nichts zu kaufen. <BR /><BR /><b>Wie geht es für Sie als Organisation weiter?</b><BR />Olariu: Wir sind und werden nicht müde, weiter zu helfen. Wir geben nicht auf. Die Unterstützung wird händeringend benötigt. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-53754231_listbox" />