Wie verhalten sich Italiener von Nord bis Süd eigentlich online? Die Studie „Digital 2025“ hat genau das von Februar 2024 bis Februar 2025 untersucht und festgestellt, dass mittlerweile rund 42 Millionen Italiener aktiv soziale Netzwerke nutzen. Das sind 70 Prozent der Bevölkerung. TikTok ist dabei die am häufigsten genutzte Plattform. <h3>Von Influencern empfohlen</h3>Die Studie zeigt auch, dass der Online-Handel in Italien weiterhin wächst. Immer mehr Menschen entscheiden sich, Produkte auch über das Internet zu kaufen. Besonders beliebt sind Artikel, die von Influencern auf Plattformen wie TikTok oder Instagram empfohlen werden.<BR /><BR />Dank der personalisierten Algorithmen erhalten Nutzer dort gezielte Empfehlungen für jene Produkte, die ihren Interessen entsprechen. Diese können sie dann direkt über Links zu externen Shops (wie etwa Amazon) erwerben.<h3> Neues Shopping-Erlebnis</h3>Seit dem 31. März 2025 reiht sich nun neben Amazon & Co. eine neue Shopping-Möglichkeit in die Welt des digitalen Einkaufens ein – und zwar auf TikTok: im sogenannten „TikTok Shop“. Hier können Nutzer nun direkt Produkte kaufen, die ihnen entweder als Werbung angezeigt oder von Influencern empfohlen werden. Das Besondere: Sie müssen die App dafür nicht verlassen – der Kauf kann direkt in der App abgewickelt werden <i>(siehe Bildreihe unten)</i>. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1159581_image" /></div> <BR />TikTok wird so nicht mehr nur zur Social-Media-, sondern auch zur E-Commerce-Plattform,die das Kaufverhalten von – insbesondere jungen – Nutzern stark beeinflussen kann. Laut Gunde Bauhofer, Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Südtirol (VZS), sinke bei einem solchen „Sofortkauf“ die Hemmschwelle, etwas zu kaufen, aufgrund der fehlenden Zwischenschritte – wie etwa der Notwendigkeit, ein Browserfenster zu öffnen, die Seite des Händlers oder des Produkts zu suchen, Daten einzugeben und zu bestätigen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1159584_image" /></div> <BR /><BR />„Darüber hinaus werden die Nutzer noch ‚gläserner‘. Die App weiß dann nämlich nicht nur, was mir gefällt, sondern auch, was ich konkret kaufe, und wird mir immer mehr davon vorschlagen“, rückt Bauhofer die Logik der Social-Media-Algorithmen in den Fokus. Die Verbraucherschützerin geht überdies davon aus, dass Amazon von Gründer und Multimilliardär Jeff Bezos diese Entwicklung ganz genau beobachten und möglicherweise darauf reagieren werde. Denn: Der „TikTok Shop“ könne eine nicht zu unterschätzende Konkurrenz für den Online-Verkaufsriesen sein.<BR /><BR />Edmund Senoner, Psychologe und Koordinator des Suchtbereichs im Therapiezentrum Bad Bachgart, warnt hingegen dezidiert vor den psychischen Gefahren und richtet sich dabei besonders an junge TikTok-Nutzer: „Der neue Shop beeinflusst vor allem junge Menschen, die Probleme haben im Umgang mit Geld und schon nahe dran sind an einer Kaufsucht.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1159587_image" /></div> <BR /><BR />Beim Kauf würden laut Senoner nämlich „Belohnungszentren“ im Gehirn aktiviert. Die Krux dabei: Der Belohnungseffekt sei nur von kurzer Dauer, und es benötige „immer öfter und immer stärkere Reize, also teurere Ware, um die Glücksgefühle lang anhaltend zu spüren“, so Senoner. Ein Teufelskreis, der in der Fachsprache mit den Begriffen „Toleranz“ und „Kontrollverlust“ zusammengefasst wird, beides Kriterien von Suchtverhalten: „Die Belohnungssysteme manipulieren die Nutzer und erhöhen das Risiko einer exzessiven Nutzung der Plattform“, erklärt der Experte für Suchterkrankungen.<BR /><BR />Zudem könne das Kauferlebnis im „TikTok Shop“ als eine Art von Interaktion missverstanden werden, die sich jedoch komplett im digitalen Raum und im Kopf des Nutzers abspielt. Diese Illusion von Nähe und Teilhabe könne letztendlich dazu führen, „dass Konsumentscheidungen emotionaler und weniger reflektiert getroffen werden“, warnt Senoner noch.