Sein hohes Alter sieht man ihm nicht an. Willy Weissteiner ist voller Elan, Tatendrang und gut gelaunt, als wir ihn in Vahrn treffen, um mit ihm über seine Leidenschaft und die Liebe zum höchsten Schutzhaus Südtirols zu reden.<BR /><BR />Angefangen hat alles Anfang der 1980er-Jahre, wie er erzählt. „Wir waren im Hotel ,Sonklarhof‘ in Ridnaun zu Gast und da fragte ich eigentlich nur aus reiner Neugier einen Einheimischen, wie lange man denn braucht, um aufs Becherhaus zu gelangen“, erzählt Weissteiner. „Ein paar Stunden“, lautete die Antwort. Also haben er und ein paar Kollegen sich kurz darauf auf dem Weg auf das knapp 3200 Meter hohe Schutzhaus hoch über dem Übeltalferner gemacht. „Als ich zum ersten Mal da oben war, war ich überwältigt, da hat meine Liebe zum Becher begonnen“, sagt der 82-Jährige mit einem Schmunzeln. <BR /><BR />Sportlich war Weissteiner immer schon: So hat er verschieden Sportabzeichen erhalten, Langstreckenläufe absolviert und unter anderem auch den Eiger und den Mont Blanc erklommen. Das Becherhaus aber ließ ihn nie mehr los. Es sei aber nicht nur der Gipfelsieg, den Weissteiner so liebt, sondern die Ruhe und die Geselligkeit auf dem Berg. So ließen er und seine Kollegen es manchmal mit dem ehemaligen Hüttenwirt Hermann Vantsch auch ordentlich krachen, sagt er schmunzelnd. „Berge verbinden.“ Auch mit dem derzeitigen Becherchef Erich Pichler und seiner Frau Andrea Santeler habe er ein ausgezeichnetes Verhältnis. <BR /><BR />Es sei für ihn jedes Mal eine große Genugtuung, wenn er den Becherfelsen überwunden hat und die mächtige Hütte vor sich sieht. Die Genugtuung und der Stolz werden mit jedem Lebensalter größer. Aber auch die Skepsis seiner Frau: „Du spinnsch, es gibt auch andere Berge“, sagte sie zu ihrem Mann, als er ihr heuer im Frühjahr erzählte, dass er wieder hinauf will auf seinen Lieblingsberg. Weissteiner aber ließ sich nicht beirren und war vor wenigen Tagen zum 30. Mal auf dem Becherhaus. Und er hat noch lange nicht genug. „Solange die Pumpe mitmacht, werde ich auf dem Becher gehen.“ Da kann man nur sagen: Auf die nächtsen 30 Mal!