„Die Gemeinde, der Betrieb für Sozialdienste und wir sind seit September kontinuierlich im Gespräch. Daraus ist dieses Projekt entstanden“, erklärte Roberto De Lorenzo, Koordinator von „Streetwork BZ“, gegenüber diesem Medium. Vorerst konzentriere man sich auf zwei Oberschulen. Ziel des Pilotprojektes sei es, Jugendlichen Wege aufzuzeigen, um Konflikte im Dialog zu lösen.<BR /><BR />„Viele Jugendliche haben Probleme damit, Unstimmigkeiten und Differenzen gewaltlos zu klären“, betonte De Lorenzo. „Manche der Konflikte, mit denen wir bei unserer Arbeit konfrontiert werden, entstehen in den Schulen und gehen dann über den schulischen Bereich hinaus. In die Schulen zu gehen, ermöglicht es uns, früher einzugreifen, zu vermitteln und Probleme zu lösen.“ <h3> „Wir möchten besser verstehen, was in kritischen Phasen passiert und wann der beste Zeitpunkt ist, um vermittelnd einzugreifen“</h3>Dabei werden die Streetworker, die Teil eines bereits bestehenden Netzwerkes an Schulen sind, aber nicht in den Klassen präsent sein, sondern dort, wo sich die Jugendlichen treffen, etwa im Eingangsbereich der Schule oder im Pausenhof, und zwar während der schulischen Tätigkeit, aber auch am Ende des Schultages. „Das hilft uns, bestimmte Dynamiken unter den Schülern zu verstehen, um dann aktiv zu werden“, so De Lorenzo. <BR /><BR />„In den kommenden Monaten möchten wir besser verstehen, was in kritischen Phasen passiert und wann der beste Zeitpunkt ist, um vermittelnd einzugreifen und die Jugendlichen zu unterstützen“, betont Edoardo Ramirez, der für den Verein Volontarius im Streetwork-Bereich arbeitet. Er sieht einen „leichten Anstieg von Gewalt unter Jugendlichen“ in den vergangenen Jahren. Das betreffe nicht nur Bozen, sondern alle Regionen. „Unsere Aufgabe ist es, vorzubeugen und zu vermitteln, um Gewalt zu verhindern. Die Jugendlichen stehen für uns im Mittelpunkt.“ Man wolle ihnen nicht von oben herab begegnen, sondern fast auf Augenhöhe, „um so einzugreifen, dass es unaufdringlich, natürlich wirkt, wenn Probleme gelöst werden. Wir wollen nicht mit erhobenem Zeigefinger auf sie zugehen, sondern über das Gespräch.“ <h3> Auch Armut spielt eine Rolle</h3>Für das Unbehagen unter Jugendlichen sehen De Lorenzo und Ramirez „mehrere Faktoren“, wobei es nicht leicht sei, einfache Antworten zu geben. „Die Jugendlichen sind untereinander immer vernetzter und der Einsatz von Gewalt ist bei vielen, natürlich nicht bei allen, etwas Normales geworden.“ Auch habe man nach der Covid-Pandemie Veränderungen bei den Jugendlichen beobachtet. „Auch Armut spielt eine Rolle. Zwischen den Jugendlichen gibt es immer größere Unterschiede“, erklärt der Volontarius-Mitarbeiter. <BR /><BR />Auch sei Gewalt weltweit gesehen präsent. Auf welche Art und Weise die Jugendlichen dies direkt oder indirekt absorbierten, sei schwer zu sagen. „Aber sie haben mitbekommen, dass es Gewalt gibt und dass sie fast akzeptiert ist, um auf Konflikte zu reagieren, so als ob das kein Problem wäre. Oft gibt es keinen Filter mehr, keinen Dialog.“ Gewalt unter Jugendlichen habe es immer gegeben. „Problematisch ist, dass Jugendliche jetzt wahrscheinlich leichter Zugang zu Waffen und anderen Mitteln haben. Früher war das für die Welt der Erwachsenen weniger sichtbar, weniger präsent. Das ist jetzt anders. Gewisse Verhaltensweisen werden nicht mehr versteckt“, unterstreichen De Lorenzo und Ramirez.