<BR />16. Juli 2026 6.28 Uhr: Mit einem lauten Knall – einer Explosion gleich – bricht der Mitteltrakt des Gerichtsgebäudes plötzlich ein. Als sich die dichte Staubwolke verzieht, wird das ganze Ausmaß der Zerstörung sichtbar: Das Mauerwerk von drei Stockwerken war ins Atrium gestürzt. Dort hatten rund einen Monat zuvor Sanierungsarbeiten begonnen, eine Säule war bereits ausgetauscht worden. <BR /><BR />Wie jetzt bekannt wurde, soll nur diese neue Säule standgehalten haben. Von der zweiten, dritten und vierten Säule in der ersten Reihe, die ebenfalls neu errichtet werden sollten, sowie allen vier Säulen der zweiten Reihe blieb nur noch Bauschutt übrig. Wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte, ermittelt sie gegen fünf Personen wegen fahrlässigem Einsturz von Bauwerken. Es sind dies der Direktor des Amtes für technische Gebäudeverwaltung, Luca Carmignola, der Verfahrensverantwortlicher ist, Ingenieur Matteo Mottironi in seiner Eigenschaft als Planer, Bauleiter und Sicherheitskoordinator, die beiden Vertreter der Baufirma Merotto Bau, Costante Minato, Alfonso Miotto, sowie Vanni Marcolin, Vertreter der Firma Biemme Recno, die als Subunternehmer mit Stahlbauarbeiten bzw. mit der Lieferung und Montage der im Projekt vorgesehenen Metallelemente vor Ort betraut war. <BR /><BR /> Im Raum steht der Verdacht, dass notwendige Kontrollen bei der Projektierung, der Umsetzung der Arbeiten und die Stabilität betreffend verabsäumt worden sein könnten und somit Bausubstanz in Abweichung von Projekt und technischen Normen demoliert bzw. errichtet worden sein könnte. Für alle Personen, gegen die ermittelt wird, gilt die Unschuldsvermutung. <h3> Hausdurchsuchungen eine Woche nach dem Einsturz</h3>Knapp eine Woche nach dem Einsturz wurden Hausdurchsuchungen angeordnet. Das Interesse der Staatsanwaltschaft galt dabei allen projektbezogenen und technischen sowie Verwaltungs- und Buchhaltungsunterlagen. Auch Unterlagen zu den verwendeten Baumaterialien werden geprüft. <BR /><BR />Auch werden die Fahnder Einblick in alle Datenträger und in die Korrespondenz der Betroffenen nehmen. Diese hatten – wie die Staatsanwaltschaft betont hat – alle angeforderten Dokumente freiwillig ausgehändigt. Vom Inhalt der Handys und Computer wurden forensische Kopien gezogen, die in der Folge analysiert werden müssen, die Geräte selbst erhielten die Betroffenen zurück. Die Staatsanwaltschaft soll die Dringlichkeit der Sicherstellung mit der potenziellen Gefahr begründet haben, dass die Kommunikation zwischen den verdächtigen Personen untereinander und mit Dritten gelöscht werden könnte.<BR /><BR /> Die Ermittler sollen sich aus den Gesprächen bzw. E-Mails und Whatsapp Hinweise auf mutmaßliche weitere, bisher nicht ausgeforschte Personen erhoffen, die möglicherweise ins Ermittlungsregister eingeschrieben werden müssten. Erst wenn die Staatsanwaltschaft überzeugt ist, alle Personen gefunden zu haben, dürfte sie ein Beweissicherungsverfahren beantragen, in dessen Rahmen die Einsturzursache des Gerichtsgebäudes geklärt werden soll. Alle Betroffenen haben dann die Möglichkeit, eigene Gutachter zu benennen.