Donnerstag, 04. Januar 2018

Einwegtaschen in Italien kostenpflichtig - Proteste

Ab Anfang 2018 dürfen im Einzelhandel in Italien lediglich komplett recycelbare Einwegtaschen für Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch verwendet werden. Dafür müssen die Italiener je nach Supermarkt zwischen 1 und 3 Cents zahlen, was für heftige Proteste der Konsumenten sorgt. Die Regierung verteidigt die Maßnahme als Meilenstein im Kampf gegen Plastik.

Seit Beginn des Jahres 2018 dürfen in Italien nur noch vollständig recyclebare Tragetaschen im Einzelhandel verwendet werden.
Seit Beginn des Jahres 2018 dürfen in Italien nur noch vollständig recyclebare Tragetaschen im Einzelhandel verwendet werden. - Foto: © shutterstock

Viele Konsumenten verlangten dieser Tage in den Supermärkten, Obst abzuwiegen und an der Kasse zu zahlen, ohne auf die Bio-Taschen zurückgreifen zu müssen. Verkauft werden wieder Netztaschen, um die Kosten der Einwegtaschen zu reduzieren. Im Internet kosten die Netztaschen zwischen 1,5 und acht Euro.

„Geschenk an die Industrie“

Laut dem italienischen Konsumentenschutzverband Codacons wird jede Familie jährlich 50 Euro für die Bio-Taschen zahlen müssen. „Das ist eine weitere Steuer, für welche die Konsumenten aufkommen müssen“, so Codacons. Die kostenpflichten Taschen seien ein Geschenk an die Industrie. Laut dem Verband Assobioplastica, der im Bereich Bioplastik aktive Unternehmen vereint, dürften die zusätzlichen Ausgaben pro Person maximal circa 4,5 Euro betragen. Das sei gegenüber dem Vorteil für die Umwelt ein minimaler Preis.

Der Umweltschutzverband Legambiente begrüßte die neue Regel. Italien setze den 2011 eingeschlagenen Weg fort, als ein Plastiksack-Verbot eingeführt wurde. Auch die Regierung in Rom verteidigt die kostenpflichtigen Einwegtaschen als wesentlichen Schritt im Kampf gegen Kunststoffe, welche das Meere und die Küsten verschmutze.

Auch Verbraucherschützer in Südtirol zweifeln

Die Verbraucherschutzzentrale Südtirol hat in einem Schreiben an das Umweltministerium ebenfalls seine Zweifel geäußert. Die Verbraucherschützer beklagen darin vor allem die unklare Formulierung des Gesetzes und fordern die Regierung auf, Klarheit zu schaffen. 

Laut VZS-Geschäftsführer, Walther Andreaus, sehe die Alternative zur Plastiktüte ohnehin anders aus: „Anstelle der wie auch immer ‚abbaubaren‘ Plastiksäcke wäre die Verwendung von einfachen Papiertüten weitaus die umweltfreundlichste Lösung. Diese könnten im Supermarkt bis zur Kasse einfach oben offen gelassen werden, sodass deren Inhalt an der Kasse mit dem Etikett abgeglichen werden kann." 

EU-Beschluss von 2014 als Grundlage

Die EU-Staaten beschlossen Ende 2014 einen Kompromiss zur geplanten Reduktion von Tragtaschen aus Plastik. Es ging dabei um Maßnahmen für sogenannte Einweg- oder Wegwerftaschen mit einer Dicke von unter 50 Mikron. Diese können entweder völlig verboten werden oder der Kunde muss sie in den Geschäften bezahlen. 

apa/stol

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