„S+“ besuchte die 37-Jährige in der Feuerwehrhalle und sprach mit ihr über...<BR /><BR /><b>... den Beginn:</b> Ich bin im Jahr 2017 ziemlich spontan zur Feuerwehr gekommen. Ich wollte schon länger einem Verein angehören, der einen nützlichen Zweck erfüllt, habe aber nichts gefunden, das wirklich zu mir gepasst hat. Zufällig bin ich dann in der Bar mit einem Bekannten ins Gespräch gekommen, der Feuerwehrmann ist – dort entstand die Idee, der Feuerwehr beizutreten. Nach einem Treffen mit dem Kommandanten war mein Beitritt fix. Wegen zwei Schwangerschaften musste ich jeweils eine Pause einlegen. Ich trat der Feuerwehr im Februar 2017 bei, im April war ich dann das erste Mal schwanger.<BR /><BR /><b>... den Frauenanteil bei der FFW St. Jakob/Grutzen:</b> Aktuell bin ich die einzige Frau in der Wehr. Allerdings gab es vor meinem Beitritt bereits ein weibliches Mitglied. In den vergangenen neun Jahren sind zudem zwei Frauen der Feuerwehr beigetreten, ihre Mitgliedschaft war aber jeweils nur von kurzer Dauer.<BR /><BR /><b>... die Kameraden:</b> Ich wurde von der Wehr sehr gut aufgenommen. Viele haben mich immer wieder ermutigt, nicht aufzugeben, allen voran unser Vizekommandant. Die Kameradschaft liegt mir sehr am Herzen. Bei den gemeinsamen Übungen oder sonstigen Veranstaltungen entsteht ein starker Zusammenhalt in der Wehr.<BR /><BR /><b>... ihre Aufgaben bei der Feuerwehr:</b> Zunächst wurden mir die Funktionsweise der verschiedenen Geräte und die Aufgaben der Feuerwehr erklärt. Anschließend durfte ich von Beginn an eigentlich alles machen. Mit den Fahrzeugen darf ich allerdings nicht fahren – für die großen Gefährte benötigt man den C-Führerschein, den ich nicht besitze. Bei Einsätzen darf ich die Atemschutzmaske nicht verwenden, dafür benötigt man eine sportärztliche Visite und muss einen eigenen Kurs absolvieren. Ich plane, diese Ausbildung nächstes Jahr zu machen. Wer weiß, vielleicht mache ich irgendwann auch den C-Führerschein, um die großen Fahrzeuge lenken zu können. Aktuell ist dafür leider keine Zeit.<BR /><BR /><b>... ihre Leidenschaft, Teil der Feuerwehr zu sein:</b> Ich finde es sehr schön, wenn man den Menschen helfen kann, und wenn es nur die kleinen Dinge sind – zum Beispiel eine Tür zu öffnen oder jemanden aus einem Aufzug zu befreien. Wenn man danach sieht, wie dankbar die Leute sind, ist das ein wunderbares Gefühl. Mir gefällt die Tätigkeit als Feuerwehrfrau – sie ist vielseitig und abwechslungsreich.<BR /><BR /><b>... einen Einsatz, der ihr besonders im Kopf geblieben ist:</b> Der spektakulärste Einsatz war der große Brand bei der Fercam vor zwei Jahren. Damals habe ich bereits bei mir Zuhause die Explosionen gehört. Das war schon sehr eindrucksvoll, weil man einen derart großen Brand nicht oft erlebt. Speziell war auch der Einsatz von vor ein paar Wochen, als in St. Jakob ein Auto auf dem Dach lag. Das war auch eher ungewöhnlich.<BR /><BR /><b>... negative Erfahrungen:</b> Die gab es bislang nicht. Oft reagieren Leute bei Einsätzen überrascht, wenn sie mich sehen. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen, körperlich zum Beispiel. Als Frau muss man sich erst beweisen und zeigen, dass man es kann.<BR /><BR /><b>... die größte Herausforderung:</b> Definitiv die Vereinbarkeit von Familie, Beruf, Freizeit und Feuerwehr. Bei anderen Vereinen hat man fixe Termine, die man planen kann. Bei der Feuerwehr kommen die Einsätze aber spontan. Wenn daheim zwei kleine Kinder sind, ist das nicht einfach. Ohne meinen Mann würde das nicht funktionieren. Wenn er die Kinder nicht übernehmen würde, könnte ich nicht einfach zu einem Einsatz fahren.<BR /><BR /><b>... ihre Kinder:</b> Für sie ist es normal, dass ich bei der Feuerwehr bin, weil sie damit aufgewachsen sind. Meistens finden sie es toll – außer wenn sie Angst haben, zum Beispiel bei Gewittern. Dann lassen sie mich manchmal nicht zum Einsatz ausrücken.<BR /><BR /><b>... den Grund, warum es in Südtirol noch so wenige Feuerwehrfrauen gibt:</b> Viele Frauen ziehen die Feuerwehr vielleicht gar nicht in Erwägung – so wie ich damals. Man braucht oft jemanden im Umfeld oder ein konkretes Interesse. Außerdem wird Technik oder die Feuerwehr oft noch eher als Männersache gesehen. Viele Frauen trauen sich vielleicht auch nicht, allein in eine Männergruppe einzutreten. Dafür braucht es Mut und ein gesundes Selbstbewusstsein. Man muss Fragen stellen können und auch akzeptieren, dass man am Anfang auch Fehler macht. Aber man kann alles lernen.