Ganz Italien wartet am Samstag fieberhaft darauf, ob sich ein Sieger bei der Wahl zum neuen Staatspräsidenten abzeichnet oder Sergio Mattarella sich zu einer zweiten Amtszeit bereit erklären würde, als Julia Unterberger als eine der ersten Parlamentarier vor die Presse tritt.<BR /><BR />Als die SVP-Senatorin mit einer Südtiroler Journalistin zu einem Interview auf deutsch ansetzt, geht ein enttäuschtes Raunen durch die umstehenden Journalisten: „Sprechen Sie deutsch? Das ist hier Italien – kein Deutsch!“<BR /><BR />Unterberger kontert auf der Stelle: „Ich bin die Präsidentin der Autonomiegruppe. Haben Sie Respekt für die Minderheiten. Ich spreche jetzt auf deutsch.“ Darauf wird Unterberger von einem Journalisten erneut daran erinnert, dass „sie hier in Italien sei“ und schließlich auch noch beleidigt.<BR /><BR /><BR /><b>„Ein schwerwiegender Vorfall“</b><BR /><BR />Diese Szenen lösten in Südtirol teils heftige Reaktionen aus. Roland Lang, Obmann des Südtiroler Heimatbundes, sprach nach diesem „schwerwiegenden Vorfall“ Julia Unterberger seine vollste Solidarität aus. „Mit Verweis auf Art. 6 der italienischen Verfassung, in der festgeschrieben ist, dass die Republik mit besonderen Bestimmungen die Minderheiten schützt, sollte auch die Journalistenkammer der Region Trentino Südtirol dieses Vorkommnis klar verurteilen“, lautet es in einem Schreiben an die Journalistenkammer Trentino-Südtirol.<BR /><BR /><BR /><b>JG: „Das ist ein handfester Skandal“</b><BR /><BR />„Das ist ein handfester Skandal“, kritisiert Fabian Gufler, stellvertretender Landesvorsitzender der SVP-Jugend das Verhalten der Journalisten in Rom: „Wir Südtiroler müssen uns nicht für unsere Muttersprache rechtfertigen, auch nicht in Rom. Scheinbar haben manche Journalisten noch nicht mitbekommen, dass in Südtirol mehrheitlich Deutsch gesprochen wird – das ist zu respektieren und eine Entschuldigung an Senatorin Unterberger wäre mehr als wünschenswert.“<BR /><BR /><BR /><b>„Eine Schande für die Medienlandschaft“</b><BR /><BR />Auch der Landtagsabgeordnete der Bewegung Südtiroler Freiheit, Sven Knoll, verurteilt die Entgleisung der Journalisten entschieden und hat bereits den Kommunikationsbeirat kontaktiert: „Als Landtagsklub prüfen wir eine Beschwerde bei der staatlichen Aufsichtsbehörde AGCOM. Derartige Journalisten sind eine Schande für die Medienlandschaft und sollten für ihr Aussagen zur Verantwortung gezogen werden.“<BR /><BR /><b>SVP-Plattform Heimat: „Müssen wir uns für Muttersprache anpöbeln lassen?“</b><BR /><BR />„Es geht nicht an, dass wir uns für den Gebrauch unserer Muttersprache rechtfertigen müssen“, kritisiert Michael Epp, Vorsitzender der SVP-Plattform Heimat: „Ob in Bozen oder in Rom: Kein Südtiroler darf angegriffen werden, nur weil er Deutsch spricht!“<BR /><BR />Die SVP-Plattform Heimat verlangt eine Entschuldigung von den Journalisten: „Julia Unterberger hat auf diese Pöbeleien souverän reagiert – auf eine Entschuldigung der Urheber für ihr nationalistisches Gehabe wird man wohl leider vergebens warten. Umso wichtiger ist es, wenn unsere Vertreter in Rom bei solchen Gelegenheiten wie auch in ihren Wortmeldungen im Parlament zu ihrer und unserer Identität stehen.“<BR /><BR />Besonders betonen die Vertreter der SVP-Plattform Heimat allerdings, dass das Recht auf den Gebrauch der Muttersprache hart erkämpft worden sei. Es gehe also nicht an, dass dieses Recht in irgendeiner Form abgesprochen werde.