Und der wurde im August staatsweit knapp. Hierzulande wurde „kein Engpass“ gemeldet, erklärt Gerichtspräsidentin Richterin Francesca Bortolotti im Interview. <BR /><BR /><b>Frau Bortolotti, in welchen Fällen ordnet der Richter die Anbringung einer elektronischen Fußfessel an? <BR /></b>Gerichtspräsidentin Francesca Bortolotti: Eine elektronische Fußfessel geht immer verpflichtend mit der Verordnung der vorbeugenden Maßnahmen von Annäherungsverbot und Wohnungsverweis einher. So sieht es das Gesetz vor. <BR /><BR /><b>Und wenn es nicht ausreichend Fußfesseln gibt, wie es in Italien Ende August der Fall war? <BR /></b>Bortolotti: Von den Richtern in Südtirol wurde kein Problem wegen der geringen Verfügbarkeit von Fußfesseln im August gemeldet. Falls aber keine verfügbar ist, wird die vorbeugende Maßnahme dennoch ergriffen und die Fußfessel angebracht, sobald sie verfügbar ist. Dann wird der Richter darüber in Kenntnis gesetzt. <BR /><BR /><b>Gilt das auch für Häftlinge, gegen die eine dieser vorbeugenden Maßnahmen gelten und die in den Hausarrest überstellt werden? <BR /></b>Bortolotti: Nein, wenn keine elektronische Fußfessel zu dem Zeitpunkt, an dem die Haft im Gefängnis in Hausarrest umgewandelt wird, nicht verfügbar ist, dann darf die Person das Gefängnis erst verlassen, wenn sie eine elektronische Fußfessel hat. <BR /><BR /><b>Wie schützt die elektronische Fußfessel Opfer von Stalking und Gewalt?<BR /></b>Bortolotti: Die elektronische Fußfessel ist mit der Zentrale der Ordnungshüter und mit einem Gerät des Opfers verbunden. Ist der Täter weniger als 500 Meter vom Opfer entfernt, wird der Alarm am Handy gelöst. Das kann aber problematisch sein – für Opfer und Täter. <BR /><BR /><b>Inwiefern?<BR /></b>Bortolotti: Der Alarm am Handy einer Angestellten in einem Supermarkt wurde täglich gelöst, als sie bei der Arbeit war – weil der Mann, das sich ihr nicht nähern durfte, weniger als 500 Meter entfernt jeden Tag mit dem Bus zur Arbeit fuhr. Leben Opfer und Täter im selben kleinen Dorf, ist es oft schwierig, ständig den Abstand von 500 Metern einzuhalten. Das Risiko der sekundären Viktimisierung (die zusätzliche Belastung oder Traumatisierung von Opfern von Straftaten bei der rechtlichen und sozialen Aufarbeitung derselben, Anm. d. Red.) ist hoch. <BR /><BR /><BR /><b>Gibt es also Ausnahmefälle, bei denen von der elektronischen Fußfessel abgesehen wird? <BR /></b>Bortolotti: Bei einem Skilehrer wurde auf die elektronische Fußfessel verzichtet, weil er mit dem Gerät am Fußgelenk einen Skischuh nicht mehr anziehen konnte. Weil ihm die elektronische Fußfessel daran gehindert hätte, seinen Beruf auszuüben, wurde eine Ausnahme gemacht. Aber das ist sehr selten. <BR /><BR /><b>Können technische Probleme des Geräts auch ein Grund sein, um auf die elektronische Fußfessel zu verzichten? <BR /></b>Bortolotti: Das Gesetz sieht eigentlich vor, dass als Alternative zur Fußfessel, falls es technische Probleme gibt, immer eine schärfere Maßnahme wie der Hausarrest oder das Gefängnis ergriffen werden müsste. Diese Regel wird nicht mehr angewandt, und zwar seit einem Urteil des Kassationsgerichtshofes, wonach ihre Anwendung über den Sinn und Zweck der Maßnahme hinausgehe.