In einer Multivisionsshow in Brixen haben ihre Kletterfreunde gezeigt, was Lisi auf ihrer letzten Reise erlebt und beim Klettern geleistet hat. <BR /><BR />An die 240 Zuhörer fanden sich im Astra zum Multivisionsvortrag ein, bei dem Markus Ranalter (Weitental), Stefan Plank (Brixen), Hannes Niederwolfsgruber (Villnöß), Moritz Sigmund (Vahrn), Patrick Tirler (Kastelruth) und Hannes Sullmann (Milland) über ihre gemeinsame Kletterexpedition nach Rangtik Tokpo, einem abgelegenen Seitental des Zanskar-Tals in der Region Ladakh im indischen Himalaya erzählten, bei der Elisabeth Lardschneider (20) aus St. Ulrich ihr Leben ließ.<h3> Auf der Reise viele schöne Momente erlebt</h3> <a href="https://www.stol.it/artikel/politik/trauer-um-elisabeth-lardschneider-20-jaehrige-groednerin-in-indien-abgestuerzt" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Ihr Tod und die Heimholung ihrer sterblichen Überreste war damals über Tage Thema in den heimischen Medien.</a> „Mit dieser Multivisionsshow wollten wir Lisi hochleben lassen. Wir wollten zeigen, was sie beim Klettern geleistet hat; anhand von Bildern, auf denen sie strahlt, zeigen, dass sie während der Reise eine schöne Zeit erlebt hat – damit diese nicht allein mit diesem schrecklichen Unfall in Erinnerung bleibt“, erklärt Stefan Plank. <BR /><BR />Zudem sollte der Erlös des Abends – 1600 Euro an Spenden gingen ein – dem Zanskar-Rescue-Team gespendet werden. „Dieses hat uns vor Ort bei der Abwicklung der Heimkehr sehr geholfen. Auch der AVS hat uns dabei sehr unter die Arme gegriffen“, zeigt sich Plank dankbar.<BR /><BR />Das Rescue-Team ist laut Plank als ehrenamtlicher Verein organisiert, der auch die Dörfer im sehr schwer erreichbaren Zanskar medizinisch versorgt. Bereits im Jahr 2023 startete das Südtiroler Kletterteam eine Spendenaktion, die es ihm erlaubte, mit einem österreichischen Expeditionsteam Kletterseile, Steigeisen, Bergschuhe und nicht mehr gebrauchte Ausrüstung der hiesigen Bergretter nach Zanskar zu schicken.<BR /><BR />Plank bezeichnet die Gegend im westlichen Teil des Himalaya-Gebirges mit 5000 Meter hohen Pässen als uriges Tal, das von der Moderne überrumpelt wurde. „Bis in die 1980er Jahre war es nur mit Eseln zugänglich“, erzählt Plank, „auch heute noch im Winter nur über vereiste Flüsse“. Nun werde versucht, das Tal, dessen Bewohner tibetischer Abstammung sind und von dem leben, was sie über den Sommer ernten, mit Straßen und Tunnels zu erschließen. „Wohl auch mit dem Hintergedanken, es touristisch zu vermarkten“, meint Plank.<BR /><BR />Rangtik Tokpo wählte die 7-köpfige Gruppe als Reiseziel, nachdem sich eine Expedition nach Grönland als zu teuer herausgestellt hatte. Zudem wurde ihr im Kontakt mit slowenischen Kletterern, die bereits 2016 dort gewesen waren, und anhand derer Felswand-Bilder das Potential für Neubegehungen klar.<BR /><BR />Am 1. Juli 2023 landeten die Südtiroler Kletterer in der Hochgebirgsstadt Leh in Ladakh im indischen Himalaya. Von dort ging es weiter in das Dorf Tungri auf 3500 Metern. Familienmitglieder des Agenturchefs, über den sie die Reise gebucht hatten, begleiteten die Südtiroler die erste Woche und führten sie in die heimische, buddhistische Kultur ein. <h3> Ein Meter Schnee und die Ernüchterung am Fels</h3>Ein 6-stündiger Fußmarsch führte die Abenteuerlustigen in Begleitung von 23 Trägern schließlich zum Rangtik-Valley-Basecamp auf 4900 Metern. <BR /><BR />„Wir hatten gerade das Zelt aufgestellt, als es anfing zu schneien – und das 2 Tage durch“, erzählt Plank von einer schwierigen ersten Nacht, in der er hörte, wie in der Nähe Lawinen zu Tale rumpelten, und er nicht wusste, wo sich die Lawineneinzugsgebiete befanden.<BR /><BR />Als es zu schneien aufhörte, lag der Schnee fast einen Meter hoch. Da jede andere Wand für einen Aufstieg zu riskant gewesen wäre, entschied sich die Gruppe für die Nordwand des kleinen Jamyang Ri, die direkt über dem Basislager thronte und deren Hauptwand vor dem Vorgipfel noch unbestiegen war. <BR /><BR /><embed id="dtext86-68093368_gallery" /><BR /><BR />Mit dem Fernrohr hielt jeder Ausschau nach frei kletterbaren Linien. In 2er-Seilschaften machten sich Stefan Plank und Hannes Niederwolfsgruber, Elisabeth Lardschneider und Markus Ranalter sowie Patrick Tirler mit Moritz Sigmund am dritten Tag im Camp an deren Erstbegehung.<BR /><BR />„Hannes Sullmann blieb wegen einer Schleimbeutelentzündung im Dorf, wo er half, die Häuser und Straßen frei zu schaufeln“, erzählt Plank. Für die anderen folgte nach wenigen Metern in der Wand die Ernüchterung. „Der Felsen war brüchig, zum Teil lag Schnee. Wir waren ohne Bohrmaschine unterwegs, weil wir nur dort klettern wollten, wo es der Fels erlaubte“, erinnert sich Plank. Nur wo es unbedingt sein musste, sollte mit einem Handbohrer ein Bohrhaken gesetzt werden.<h3> Große Freude über die 3 Erstbegehungen</h3>Jede Seilschaft erlebte in den folgenden Tagen Erfolge und Rückschläge: Sie musste umkehren, die Route neu wählen, einen neuen Versuch starten. Elisabeth und Markus biwakierten sogar in der Felswand, um nach 6 Tagen ihr Ziel – den Vorgipfel des kleinen Jamyang Ri – zu erreichen. Es war der 21. Juli 2023.<BR /><BR />Sie tauften ihre Erstbegehung auf den Namen „Norbu Duk Lam“. „Das bedeutet ‚besonders wertvolle Linie‘“, berichtet Plank. Patrick und Moritz erreichten auf ihrer Linie am 23. Juli den 5800 Meter hohen Gipfel des Jamyang Ri. Da er wie ein Bergdiamant in den Himmel ragt, benannten sie „ihre“ Route „Nelim Lam“, übersetzt Bergdiamant. <BR /><BR />Am Tag darauf gelang es auch Stefan und Hannes, ihre gewählte Wandlinie zu durchsteigen, die sie auf das ladhakische Sprichwort „Lam Thuk Khamzang“ tauften. Es beschreibt zum einen die Begebenheit, dass sich die Wege zweier Menschen trennen und wieder finden. Zum anderen wünscht es einem Freund alles Gute auf seiner bevorstehenden Reise. <BR /><BR />Der Grund für den gewählten Namen ist ein trauriger. Vor der Abreise wollten Stefan und beide Hannes noch den höchsten Gipfel Remalaye (6278 Meter) erklimmen, den ihre Freunde schon bestiegen hatten. Markus, Elisabeth und Patrick entschieden sich, auf einer bestehenden Route noch einmal den Chareze Ri zu besteigen. <h3> Kletterabenteuer nimmt eine tragische Wende</h3>„Bei unserer Rückkehr ins Basislager erhielten wir eine schreckliche Nachricht“, erinnert sich Stefan. Elisabeth war beim Zustieg zum Gipfel auf einer Schneeflanke ausgerutscht und tödlich abgestürzt. Ihre Kollegen hatten sie geborgen und ins Basislager getragen.<BR /><BR />In den Tagen danach versuchte die Gruppe, so schnell als möglich ihre Rückkehr zu organisieren. „Im ersten Moment funktioniert man nur. Unsere Aufgabe war es, Lisi so schnell wie möglich zu ihrer Familie nach Hause zu bringen“, sagt Plank. Die Familie Lardschneider war noch am Tag des Unglücks, den 26. Juli 2023 verständigt worden.<BR /><BR />Mit Unterstützung des Zanskar-Rescue-Teams, des AVS und der italienischen Botschaft in Delhi gelang es den jungen Kletterern, 4 Tage später mit den sterblichen Überresten von Elisabeth die Heimreise anzutreten. <BR /><BR />Elisabeth arbeitete vor ihrem Tod in der Kletterhalle Vertikale in Brixen und träumte von einer Zukunft als Bergführerin. In der Vertikale werden ab dem 16. Jänner großformatige Bilder der Kletterexkursion und von ihr zu sehen sein und an sie erinnern. Die Bilder hat die Firma Durst anlässlich der Multivisionsshow gesponsort.