Die unterzeichnenden Organisationen und Unterstützer begrüßen die öffentliche Richtigstellung rund um die Darstellung der Familiendemo vom 16. Mai in Bozen. Gleichzeitig sehen sie darin Anlass, grundsätzliche gesellschaftliche Denkmuster sichtbar zu machen, die Diskussionen über Familie bis heute prägen.<BR /><BR />In der Stellungnahme wird darauf hingewiesen, dass Forderungen nach struktureller Entlastung von Familien häufig als „überzogen“, „radikal“ oder „nicht realistisch“ bewertet würden. Dahinter stünden tief verankerte Vorstellungen darüber, wie Familie, Elternschaft und insbesondere Sorgearbeit gesellschaftlich eingeordnet werden.<h3> Sorgearbeit werde oft vorausgesetzt</h3>Nach Ansicht der Organisationen gilt Sorgearbeit bis heute vielfach als private Aufgabe, die innerhalb der Familien – meist von Frauen – „nebenbei“ organisiert werden müsse. Betreuung, Pflege, emotionale Verantwortung, Organisation und Haushalt würden vorausgesetzt, ohne den tatsächlichen Umfang ausreichend sichtbar zu machen oder strukturell abzusichern.<BR /><BR />Zugleich hätten sich die Lebensrealitäten von Familien in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Erwerbsarbeit habe sich verdichtet, Betreuungs- und Pflegeaufgaben nähmen zu und Lebensmodelle seien vielfältiger geworden. Traditionelle Unterstützungsnetzwerke stünden vielfach nicht mehr in gleichem Maß zur Verfügung.<BR /><BR />Politische Rahmenbedingungen orientierten sich laut Stellungnahme jedoch noch häufig an überholten Vorstellungen familiärer Verfügbarkeit.<h3> „Patriarchal geprägte Denkmuster“</h3>Wenn Familien auf Überlastung hinweisen oder politische Entlastung einfordern, werde dies häufig individualisiert statt als gesellschaftliche Aufgabe verstanden, heißt es weiter. Genau darin zeigten sich patriarchal geprägte Denkmuster.<BR /><BR />Konkret nannten die Organisationen Erwartungen, wonach Sorgearbeit „nebenbei“ geleistet werden könne, permanente Verfügbarkeit selbstverständlich sei oder Entlastung rasch als Sonderforderung betrachtet werde. Zudem werde Erwerbsarbeit häufig höher bewertet als Sorge-, Betreuungs- und Familienarbeit.<BR /><BR />Die Folgen beträfen nicht nur Frauen, sondern Familien insgesamt: Zeitdruck, finanzielle Belastung, psychische Erschöpfung und die dauerhafte Verdichtung von Erwerbs-, Sorge- und Organisationsarbeit prägten den Alltag vieler Menschen.<h3> Forderungen richten sich an Politik und Gesellschaft</h3>Die bei der Familiendemo geäußerten Forderungen richteten sich nicht gegen Familie oder Elternschaft, sondern an Politik und Gesellschaft. Familien bräuchten verlässliche Rahmenbedingungen, soziale Sicherheit und reale Entlastung.<BR /><BR />Deshalb brauche es eine öffentliche Debatte, die Lebensrealitäten differenziert abbilde und nicht vorschnell bewerte. Die unterzeichnenden Organisationen und Unterstützer laden laut Stellungnahme weiterhin zu einem offenen und respektvollen Dialog auf Grundlage der Inhalte und Anliegen ein.<BR /><BR />Unterzeichnet wurde die Stellungnahme unter anderem vom Netzwerk der Elkis Südtirol, der Elterninitiative Südtirol, dem Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen, dem VKE, UNICEF Südtirol Bozen sowie mehreren weiteren Vereinen und Organisationen