Im Interview erzählt er vom zähen Kampf um ein Gerichtsverfahren und warum er anfangs auf eine Mauer des Schweigens gestoßen ist.<BR /><BR /><b>Herr Laimer, Ende April endlich ein Urteil. Was bedeutet das für Sie?</b><BR />Walter Laimer: Mir ging es von Anfang an darum, untersuchen zu lassen, was zu diesem Unfall geführt hat, um Prävention. <BR /><BR /><b>Die Ermittlungen zum Arbeitsunfall im Februar 2023 waren eigentlich bereits am Tag nach dem Unfall eingestellt worden, die Staatsanwaltschaft hatte den Akt geschlossen. Aber damit wollten Sie sich nicht abspeisen lassen.</b><BR />Laimer: Zwei Mitarbeiter sind ums Leben gekommen, weil der Arbeitgeber seine Sorgfalt grob vernachlässigt hat, so steht es in der Urteilsbegründung. Mein Bruder hatte keine Ahnung und hatte versucht, den Hausmeister, der das Pelletlager bereits betreten hatte, zu retten. <BR /><BR /><b>Warum musste man eigentlich ins Lager hinabsteigen?</b><BR />Laimer: Eine der zentralen Fragen, die vor Gericht untersucht wurden. Weil es keine zuverlässige Überwachung des Pellet-Füllstandes gab, wurde durch die Luke im Pelletlager nachgeschaut. Wenn die Förderschnecke zur Heizung bauartbedingt keine oder zu wenig Pellets lieferte, obwohl noch Pellets im Lager waren, wurde die Zeit bis zur nächsten Pelletlieferung überbrückt, indem Pellets Richtung Schnecke geschaufelt wurden. Ein CO-Melder hätte genügt, um diese Tragödie zu verhindern. <BR /><BR /><b>Was ging in Ihnen vor, als Sie von der Einstellung der Ermittlungen erfuhren?</b><BR />Laimer: Ich war fassungslos, völliges Unverständnis. Ich bin mir sicher, dass es in Südtirol nie so gewesen wäre.<BR /><BR /><b>Wie haben Sie die Ermittlungen doch ins Rollen gebracht?</b><BR />Laimer: In 99 Prozent der Fälle wird ein eingestelltes Ermittlungsverfahren nicht wieder aufgerollt. Meine Anwältin und ich haben Beweismaterial gesammelt und glaubhaft darlegen können, dass die Einstellung haltlos war. Ich habe auf privatem Wege Fachleute gesucht, bis zur Führungsspitze der deutschen Pelletindustrie. Der österreichische Pelletverband ließ meine Anfragen unbeantwortet. <BR /><BR /><b>Können Sie sich die anfängliche Mauer des Schweigens erklären?</b><BR />Laimer: Zum einen ist auch Lech nur ein kleiner Ort, wo man sich kennt und hilft. Die betroffenen Hotelbesitzer sind alteingesessen, der gute Ruf ist wichtiger als herauszufinden was passiert ist, den beiden Verunglückten kann man ohnehin nicht mehr helfen. Eine kleine Gedenkfeier nach dem Unfall, bei der die jetzt verurteilte Hotelbesitzerin spricht, und man kehrt zur Tagesordnung zurück. <BR /><BR /><b>Solch lange Zeiten bis zu einem Urteil kennt man sonst nur in Italien. Warum hat das in Vorarlberg so lange gebraucht?</b><BR />Laimer: Außer der Mutter des Hausmeisters, meine Familie und mich hat das schlicht niemand interessiert. Es gab zu viele Verzögerungen, irgendwann konnte das kein Zufall mehr sein. Ein Beispiel: Die Polizei hat über ein Rechtshilfeersuchen mit Dolmetschern und großem Aufwand versucht, eine Zeugin in Rumänien vernehmen zu lassen – dabei hat diese Frau die ganze Zeit korrekt angemeldet in Lech gearbeitet. Meine Anwältin in Salzburg erhielt monatelang keine elektronische Akteneinsicht, sie hätte für jeden Vorgang nach Feldkirch fahren müssen. Es hieß, ein Versehen einer Mitarbeiterin.<BR /><BR /><b>Sie haben sich an die ORF-Sendung „Am Schauplatz Gericht“ gewandt. Warum?</b><BR />Laimer: Weil ich nicht wahrhaben wollte, dass der Rechtsstaat nicht funktioniert. Und um Öffentlichkeit zu schaffen für dieses strukturelle Organisationsversagen. Sicherheitsvorschriften wurden nicht eingehalten, waren nicht bekannt oder wurden ignoriert. Fällige Sicherheitsevaluierungen außer Acht gelassen, bauliche Änderungen nicht der entsprechenden Behörde zur Genehmigung vorgelegt. Der ORF war während der Verhandlung vor Ort und wird wieder in „Am Schauplatz“ berichten. Erst vor eineinhalb Monaten ist ein identischer Unfall in Osttirol passiert, der Verunglückte war gleich alt wie ich. Ich würde gerne die Pellet-Industrie ins Boot zu holen, um Kommunikation und Sicherheit solcher Anlagen zu verbessern. <BR /><BR /><p class="text-space-left"> </p> <b>Muss nun Schadenersatz gezahlt werden?</b><BR />Laimer: Mir ging es nie um Schadenersatz, der bringt mir meinen Zwillingsbruder nicht zurück. Dazu müsste ein zivilrechtliches Verfahren geführt werden. Das ist eher etwas für die Mutter des 23-jährigen ungarischen Hausmeisters, ihr einziger Sohn, der eigentlich mit dem Verdienst aus der Lecher Wintersaison studieren gehen wollte.