Donnerstag, 09. Dezember 2021

„Puschtra Bua“ Heinrich Oberleiter ist begnadigt

Für den „Puschtra Bua“ Heinrich Oberleiter (80) ist ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung gegangen: Staatspräsident Sergio Mattarella hat ihn begnadigt. Oberleiter kann nun endlich wieder nach Südtirol zurückkehren. Das berichtet die Nachrichtenagentur Ansa.

Heinrich Oberleiter, Jahrgang 1941, lebt seit 1968 in Bayerin im „Exil“. Nun darf er endlich heim.
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Heinrich Oberleiter, Jahrgang 1941, lebt seit 1968 in Bayerin im „Exil“. Nun darf er endlich heim. - Foto: © Efrem Oberlechner
Die 3 Kinder des früheren Südtirol-Aktivisten hatten Anfang Dezember 2018 ein Gnadengesuch an Italiens Staatspräsidenten Sergio Mattarella gerichtet, um dem Vater die Rückkehr nach Südtirol zu ermöglichen.

Am Versuch, für die „Puschtra Buam“ in Rom die Begnadigung zu erwirken, war seit Jahrzehnten hinter den Kulissen immer wieder eifrig gearbeitet worden.

Aufgrund des Gnadengesuchs hatte Italiens Staatspräsident Mattarella ein Gutachten der Staatsanwaltschaft Brescia angefordert. Denn in Brescia war 1971 die letzte Verurteilung Oberleiters erfolgt. Lebenslang lautete das Urteil über den Südtirol-Aktivisten. Die Staatsanwaltschaft Brescia hatte der Begnadigung des ehemaligen Südtirol-Aktivisten bereits im Februar 2019 zugestimmt. Seitdem lag der Ball erneut bei Mattarella, Heinrich Oberleiter zu begnadigen.

Staatspräsident Mattarella begründete die Begnadigung nicht zuletzt damit, dass durch Oberleiter niemand zu Tode gekommen war. Oberleiter habe sein Bedauern über die Opfer aller Anschläge der damaligen Zeit bekundet und ausgedrückt, Gewalt abzulehnen. Auch den Schmerz, den die betroffenen Familien haben erleiden müssen, bedauere er, so Oberleiter.

Heinrich Oberleiter, Jahrgang 1941, stammt aus St. Johann im Ahrntal. Seit 1968 lebt er in Bayern im „Exil“. Er ist der erste der 3 noch lebenden „Puschtra Buam“, der von Staatspräsident Sergio Mattarella begnadigt wird.

Landeshauptmann Arno Kompatscher: „Akt der Großherzigkeit“

Für Landeshauptmann Arno Kompatscher zeugt die Begnadigung durch Staatspräsident Mattarella von Sensibilität und Großherzigkeit. Mattarella habe immer wieder Verständnis für das schwierige geschichtliche Erbe Südtirols gezeigt. „Gemeinsam mit seinem österreichischen Amtskollegen Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat er für Südtirol bleibende Zeichen der Freundschaft und Verbundenheit gesetzt“, so Kompatscher.

Mit der Begnadigung von Oberleiter werde nun einmal mehr „ein positiver Schritt gesetzt, der hilfreich für die Überwindung von erlittenem Leid sein kann, ohne zu vergessen, was passiert ist“, sagt Kompatscher.

Für SVP-Obmann Philipp Achammer geht mit der Begnadigung „ein jahrelanger Wunsch in Erfüllung“. Er dankt Staatspräsident Sergio Mattarella, dem österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen, Landeshauptmann Arno Kompatscher, SVP-Vizeobmann Karl Zeller und allen, die jahrelang für die Begnadigung gekämpft haben. „Diese Begnadigung leistet einen wichtigen Beitrag zur Geschichtsaufarbeitung und zum Ausgleich.“

Heimatbund-Obmann Roland Lang erklärt, dass dem italienischen Staatspräsidenten zu danken sei, „er ist aber auch gebeten, eine abschließende umfassende Versöhnungshandlung zu setzen“, meint Lang.

Auch die Bewegung „Süd-Tiroler Freiheit“ freut sich in einer Zuschrift über die Begnadigung: Für sie besonders wichtig sei die Feststellung im Gnadenbescheid, dass der Einsatz von Heinrich Oberleiter – und somit der „Pusterer Buam“ – nicht zu Todesopfern geführt habe.

stol

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