Dr. Martin Steinkasserer, Primar der Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Bozen, hat deshalb einen wichtigen Ratschlag für betroffene Frauen: Hartnäckig bleiben.<BR /><BR /><b>Dr. Steinkasserer, Unterleibskrämpfe, Rückenschmerzen, Übelkeit, Schwindel – Frau muss „Umwohlsein“ während der Periode hinnehmen. Sind auch Mediziner dieser Meinung?</b>Dr. Martin Steinkasserer: Diese Art von Symptomatik wird tatsächlich von der Fachwelt und der Gesellschaft noch nicht ernst genug genommen. Sprich: Sogenannte Regelschmerzen werden als „normal“ empfunden. Doch genau zu sagen, bis zu welchem (Schmerz-)Grad Periodenbeschwerden „normal“ sind, ist schwer zu beantworten. Hinter heftigen Schmerzen kann auch eine Endometriose stecken – mit unvorstellbar heftigen Schmerzen für die Betroffenen, die in dieser Zeit ihren Alltag kaum noch bewältigen können. Südtirols Frauen sind in punkto Vorsorgeuntersuchungen mustergültig. Aber nicht bei diesem Thema. Selbst bei heftigsten Regelschmerzen lassen sie sich zu schnell abwimmeln. Nicht zuletzt aus diesem Grund liegt die Zeit vom Auftreten der Symptome einer Endometriose bis zur Diagnose im Schnitt zwischen 5 und 10 Jahren – und das weltweit. <BR /><BR /><b>Was empfehlen Sie?</b><BR />Dr. Steinkasserer: Hartnäckig bleiben, ein spezialisiertes Zentrum aufsuchen und starke Schmerzen im Rahmen einer gezielten Untersuchung mit Ultraschall und im Weiteren eventuell durch eine Bauchspiegelung abklären lassen. In unser Ambulatorium am Krankenhaus Bozen kommen monatlich etwa 100 Patientinnen, die an Endometriose leiden. <BR /><BR /><b>Was ist Endometriose?</b><BR />Dr. Steinkasserer: Es handelt sich um eine chronische gynäkologische Erkrankung. Dabei wächst Gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle – etwa im Bauchraum, am Eierstock oder Eileiter, aber auch an Blase oder Darm. Wie die Schleimhaut in der Gebärmutter unterliegt dieses Gewebe den monatlichen hormonellen Veränderungen: Es wächst heran und wird wieder abgestoßen. Allerdings kann die abgelöste Schleimhaut nicht wie bei der Monatsblutung abfließen, sondern bleibt im Körper. Dieses gutartige Gewebe kann sich entzünden und zu Verwachsungen führen. Warum eine Endometriose entsteht, ist noch nicht geklärt. Man vermutet, dass Hormone, Umweltfaktoren, das Immunsystem und eine familiäre Veranlagung eine Rolle spielen. <BR /><BR /><b>Was sind die Symptome dieser Krankheit?</b><BR />Dr. Steinkasserer: Das Hauptsymptom sind oftmals heftige zyklische Schmerzen unmittelbar vor oder während der Regelblutung, außerdem kann es zu einer Verminderung der Blasen- oder der Darmfunktion kommen, ebenso kann der Kinderwunsch unerfüllt bleiben und der Geschlechtsverkehr schmerzen. Für viele betroffene Frauen stellen die immer wiederkehrenden Unterleibsschmerzen eine hohe psychische Belastung dar, die sich auf ihr gesellschaftliches, partnerschaftliches und familiäres Leben auswirkt. Und: Frauen, die im Beruf ständig ausfallen, weil sie starke Schmerzen haben, sind weniger erfolgreich. Diesen Aspekten der Endometriose wird meiner Meinung nach noch weitaus zu wenig Beachtung geschenkt. <BR /><BR /><b>Wenn die Diagnose gestellt ist. Wie geht es weiter?</b><BR />Dr. Steinkasserer: Ausschlaggebend für eine Behandlung ist das Ausmaß der Beschwerden, das Stadium der Erkrankung und die Einschränkungen durch die Endometriose, etwa wenn ein Kinderwunsch besteht. Von diesen Faktoren hängt es ab, ob eine Schmerztherapie, eine hormonelle Therapie oder eine chirurgische Therapie gewählt wird. Jede Form sollte von komplementären Therapieangeboten begleitet werden, etwa von Physiotherapie, Ernährungsberatung und Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin, autogenes Training und vieles mehr. <BR /><BR /><b>Hören die Beschwerden mit den Wechseljahren dann eigentlich auf?</b><BR />Dr. Steinkasserer: Die Schmerzen treten normalerweise in den fruchtbaren Jahren einer Frau auf, also zwischen ihrer ersten und letzten Regelblutung. In den Wechseljahren lassen die die klassischen Endometriose-Symptome nach. Sie werden allerdings erneut ein Thema, wenn aufgrund starker Wechseljahrbeschwerden, also Schlafstörungen, starkes Schwitzen und Co., eine Hormontherapie als Behandlungsoption im Raum steht. <BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/endometriose-wenn-der-zyklus-zum-albtraum-wird" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hier lesen Sie einen Erfahrungsbericht einer Betroffenen.</a><BR />