Der Schulalltag zieht sich, die Pause ist kurz und die Konzentration scheint zu schwinden. Situationen, in denen immer mehr Jugendliche zum schnellen Kick aus der Dose greifen. In der Region Trentino-Südtirol konsumieren besonders viele junge Menschen die süßen Wachmacher: 58,3 Prozent der 15- bis 19-Jährigen greifen laut einer Studie der Europäischen Gesellschaft für Dermatologie und Psychiatrie (ESDAP) zu Energydrinks. Damit liegt die Region italienweit an der Spitze. Als Gründe für den Einstieg nannten Befragte unter anderem die leichte Verfügbarkeit im Supermarkt oder den Einfluss von Freunden und Werbung im Internet. Das Versprechen der Hersteller beruht dabei auf einer ausgeklügelten Marketingstrategie: ein schneller Wachmacher, der müde Köpfe wieder auf Touren bringt. Wie Dr. Meraner warnt, hält der Effekt jedoch nicht lange an. „Körperlich kann ein erhöhter Konsum im schlimmsten Fall sogar zu Organschäden führen, psychisch kann hingegen ein Abhängigkeitsgefühl entstehen“, warnt sie.<h3> Der schnelle Kick hat seinen Preis</h3>Während Kinder gänzlich die Finger von Energydrinks lassen sollten, ist ein gelegentlicher Konsum für Jugendliche nicht problematisch. „Schwieriger wird es, wenn Energydrinks täglich oder sogar als Durstlöscher getrunken werden“, unterstreicht Dr. Meraner. Besonders heikel ist der Griff zur Dose in Verbindung mit Alkohol. „Energydrinks können dabei das dämpfende Gefühl von Alkohol aufheben und kurzfristig wach machen“, erklärt die Expertin. <BR />Neben jeder Menge Zucker enthalten die Getränke Koffein und teilweise Taurin. Wer regelmäßig zu viel davon trinkt, riskiert unter anderem Schlafprobleme. Auch Unruhe und Nervosität können mit einem erhöhten Konsum zusammenhängen. Darüber hinaus neigten Jugendliche, die häufig Energydrinks trinken, eher dazu, Nikotin zu konsumieren und andere riskante Verhaltensweisen zu zeigen, warnt die Primaria.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1379961_image" /></div> <BR />Eine gesetzliche Altersbeschränkung für den Verkauf der koffeinhaltigen Getränke gibt es nicht. Umso wichtiger sei es, dass Eltern das Thema mit ihren Kindern ansprechen. „Jugendliche wollen nicht bevormundet werden. Statt Verbote in den Vordergrund zu stellen, kann es sinnvoll sein, gemeinsam zu recherchieren und die Werbeversprechen kritisch zu hinterfragen“, rät Dr. Meraner. Auch kritische Fragen wie „Willst du dafür wirklich dein Taschengeld ausgeben?“ können helfen, den Konsum zu überdenken.<BR />Genauso wichtig sei es, nach den Gründen für den Konsum zu fragen: Stecken Müdigkeit, Stress oder der Wunsch dahinter, dazuzugehören? Wer ständig erschöpft ist, braucht womöglich nicht den nächsten Wachmacher, sondern mehr Schlaf und Pausen. Frische Luft, Bewegung und ausreichend Wasser können ebenfalls helfen, wieder in Schwung zu kommen. Und vielleicht reicht die Energie dann auch am Abend noch für die Party – ganz ohne Extra-Kick aus der Dose.<h3> Drei Fragen an Schulinspektor Piero di Benedetto</h3><b>Stellen Energydrinks an Schulen ein zunehmendes Problem dar?</b><BR /><KeinAbsatz></KeinAbsatz>Piero Di Benedetto: Dazu gibt es keine Daten, das Phänomen ist aber nicht neu. Es ist Fakt, dass derartige Getränke von jungen Menschen konsumiert werden. Dass sie besonderen Einfluss auf den Schulalltag haben, ist nicht bekannt. <BR /><BR /><b>Ab wann kommen Jugendliche damit in Kontakt?</b><BR />Di Benedetto: Beobachtbar ist, dass Jugendliche offenbar ab den oberen Klassen der Mittelschule ersten Kontakt zu Energydrinks haben. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Situation je nach Schule variiert.<BR /><BR /><b>Werden Risiken im Unterricht thematisiert?</b><BR />Di Benedetto: Im Rahmen der Präventionsarbeit werden verschiedene Produkte mit Suchtpotenzial behandelt. Zudem bieten Schulen Angebote für Eltern zur Gesundheitsförderung. Ein Schwerpunkt ist uns allerdings nicht bekannt.