Mittwoch, 10. Februar 2021

Britische Mutation in Südtirol: 6 Fälle bestätigt – 14 Verdachtsfälle

Auf den ersten bestätigten Fall letzte Woche erfolgte der Lockdown. Inzwischen sind die bestätigten Fälle der hochansteckenden britischen Corona-Mutante namens B.1.1.7 auf 6 gestiegen und es gibt 14 Verdachtsfälle. Sie sollen alle im Großraum Lana festgestellt worden sein, aus dem auch der erste Fall stammt.

Die englische Mutation B.1.1.7 ist auch in Südtirol im Umlauf.
Badge Local
Die englische Mutation B.1.1.7 ist auch in Südtirol im Umlauf. - Foto: © shutterstock
Ende letzter Woche war bei einem Mann in Lana, der nach 10 Tagen das Meraner Spital wieder geheilt verlassen konnte, die britische Mutante festgestellt worden. Bei 2 Erkrankungen in seinem Umfeld ging man stark davon aus, dass sie mit derselben Mutation infiziert waren. Umfeldkontrollen führten zu einem weiteren Fall nach Gargazon.

Inzwischen gelten in Südtirol 6 Fälle der britischen Mutation als bestätigt. Sie wurden bei der Sequenzierung in Labors in Zams und Salzburg festgestellt. Wie Gesundheitslandesrat Thomas Widmann am Dienstag bestätigte, gibt es 14 weitere Verdachtsfälle.

Was ist anders an der britischen Variante?

Bei der Variante B.1.1.7, die in Großbritannien zuerst entdeckt wurde, liegt die Reproduktionszahl (R-Wert) um 0,5 höher, sagte etwa Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI). Das ist nur dem Anschein nach ein geringer Wert. Ein Rechenbeispiel: Angenommen der R-Wert läge mit bisherigen Virusformen dank Maßnahmen/Lockdown bei 1, dann steckten 100 Infizierte im Schnitt 100 weitere Menschen an. Bei B.1.1.7 wären es 50 mehr. Die Varianten haben dem Virus einen „Boost“, einen Verstärker, verliehen, sagte Wieler. Daneben gibt es noch Varianten, die in Südafrika und Brasilien kursieren. Bei ihnen bestehen unter anderem auch Sorgen vor einer geringeren Wirksamkeit der bisher zugelassenen Impfstoffe.

Wie ist die Erfahrung anderer Länder?

Experten blicken derzeit etwa nach Dänemark, wo engmaschig nach Varianten geschaut wird: Erst am vergangenen Donnerstag warnte das dortige Gesundheitsinstitut SSI davor, dass sich B.1.1.7 trotz strikter Lockdown-Maßnahmen weiter ausbreite. Zum Jahreswechsel hatte man B.1.1.7 in 2,3 Prozent der analysierten positiven Corona-Stichproben gefunden. Seitdem geht es von Woche zu Woche steil aufwärts: In der letzten Jännerwoche wurde die Variante bereits in fast jeder fünften analysierten Probe (19,5 Prozent) nachgewiesen. Die dortigen Gesundheitsbehörden schätzen, dass die Variante Anfang März den Großteil der Infektionen im Land ausmachen wird. In Portugal, wo sich die Corona-Lage zuletzt stark zuspitzte, habe die Variante bereits 60 Prozent Anteil, sagte Wieler.

Lässt sich die Ausbreitung der Variante noch stoppen?

Der deutsche Virologe Christian Drosten hatte vor rund 2 Wochen gesagt, er vermute vor allem eine Einschleppung der Varianten über Weihnachten und sehe noch ein Zeitfenster, um die Ausbreitung im Keim zu ersticken. Zwischenzeitlich war von anderen Experten zu hören, dass die Verbreitung doch schon größer sei als angenommen. Wieler sagte nun, dass die Ausbreitung von Sars-CoV-2 und den Varianten zumindest verlangsamt werden müsse. Bei Lockerungen brauche es konsequente Schutzkonzepte, und generell sollten die Zahlen so stark wie möglich gedrückt werden. Die deutsche Virologin Melanie Brinkmann sagte dem „Spiegel“ (Online am Freitag), es könnten niemals genügend Menschen geimpft werden, „bevor die Mutanten durchschlagen“. Dieser Wettlauf sei längst verloren.

bv/dpa/vs