Dienstag, 14. Juli 2015

Entflohener Drogenboss hatte Komplizen im Gefängnis

Mitglieder des Sicherheitspersonals im mexikanischen Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano müssen „El Chapo“ Guzmán bei seiner spektakulären Flucht geholfen haben. Daher wurden der Gefängnisdirektor und der Leiter der Strafvollzugsbehörde bereits gefeuert. Tausende Polizisten und Soldaten jagen den Kartellchef.

Ein Soldat bewacht den Schuppen in der Umgebung von Mexiko City, in dem der Tunnel endete, durch den Drogenboss "El Chapo" Guzmán aus dem Hochsicherheitsgefängnis fliehen konnte.
Ein Soldat bewacht den Schuppen in der Umgebung von Mexiko City, in dem der Tunnel endete, durch den Drogenboss "El Chapo" Guzmán aus dem Hochsicherheitsgefängnis fliehen konnte. - Foto: © LaPresse

Bei seiner Flucht aus einer mexikanischen Haftanstalt hat Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán Hilfe von Angehörigen des Sicherheitspersonals gehabt. Nur so lasse sich der spektakuläre Ausbruch aus dem Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano erklären, sagte Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong am Montag. Der Gefängnisdirektor sei bereits entlassen worden.

Nachlässigkeit seitens der Regierung schloss der Ressortchef aus. Die Haftanstalt entspreche internationalen Standards. Ein Großteil des Gebäudes werde mit Videokameras überwacht, zudem habe „El Chapo“ eine elektronische Fessel getragen. Trotz der höchsten Sicherheitsstufe sei Guzmán die Flucht geglückt. „Dieser Fehler beschämt uns alle“, sagte Osorio Chong.

Guzmán war am Samstag durch einen heimlich gegrabenen Tunnel aus dem Gefängnis im zentral gelegenen Bundesstaat México entkommen. Der unterirdische Gang ist nach Angaben der Behörden 1,5 Kilometer lang, rund 1,70 Meter hoch, 80 Zentimeter breit und verfügt über eine Luftzufuhr sowie Beleuchtung. Mit einem Motorrad, das auf Schienen fuhr, wurde die Erde aus dem Tunnel abtransportiert.

Es ist bereits die zweite Flucht von „El Chapo“ (deutsch: Der Kleine) aus einem Hochsicherheitsgefängnis. In einem Wäschewagen entkam er 2001 aus einer Haftanstalt und wurde erst 2014 wieder gefasst. Guzmán war der Kopf des mächtigen Drogenkartells von Sinaloa und einer der meistgesuchten Verbrecher der Welt.

Innenminister Osorio Chong und Generalstaatsanwältin Arely Gómez besuchten am Montag El Altiplano und informierten sich über den Stand der Ermittlungen. Unterdessen wurden die Anwälte von „El Chapo“ von der Staatsanwaltschaft für organisiertes Verbrechen vernommen. Insgesamt machten 49 Personen eine Aussage.

Polizei und Streitkräfte suchten im ganzen Land nach Guzmán. Über die internationale Polizeibehörde Interpol wurde der Drogenboss weltweit zur Fahndung ausgeschrieben. Für Hinweise, die zu seiner Ergreifung führen, lobte die Generalstaatsanwaltschaft eine Belohnung in Höhe von 60 Millionen Pesos (3,4 Mio Euro) aus.

dpa

stol