Montag, 01. März 2021

Equal Care Day – Fürsorgearbeit sichtbar machen

Auch in Südtirol werden Pflege und Fürsorge im Beruf, aber auch daheim vor allem von Frauen geleistet, mit Auswirkungen auf Einkommen und Rentenvorsorge. Gleichstellungsrätin Morandini: „Die Corona-Pandemie hat auch dieses gesellschaftliche Ungleichgewicht verstärkt.“

Auch in Südtirol werden Pflege und Fürsorge im Beruf, aber auch daheim vor allem von Frauen geleistet, mit Auswirkungen auf Einkommen und Rentenvorsorge.
Badge Local
Auch in Südtirol werden Pflege und Fürsorge im Beruf, aber auch daheim vor allem von Frauen geleistet, mit Auswirkungen auf Einkommen und Rentenvorsorge. - Foto: © shutterstock
Der Equal Care Day wurde 2016 von Almut Schnerring und Sascha Verlan ins Leben gerufen. Für den Equal Care Day wurde der 29.Februar gewählt, um daran zu erinnern, dass Männer durchschnittlich über 4 Jahre brauchen, um die Care-Arbeit zu leisten, die Frauen innerhalb eines Jahres erbringen. Heuer fällt er auf den 1. März.

Ziel: Fürsorge und Pflege auf beide Geschlechter verteilen

Ziel der Initiative ist es, die Aufgaben der Fürsorge und Pflege gleichermaßen auf beide Geschlechter zu verteilen, sie aufzuwerten und ihre arbeitsrechtlichen sowie gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen verbessern.

Mit Care-Arbeit sind jene Tätigkeiten gemeint, die sich um Pflege und Fürsorge drehen. Diese Tätigkeiten werden beruflich, privat und im Bereich der freiwilligen Tätigkeit ausgeübt. In allen 3 Bereichen sind es vorwiegend Frauen, die diese Arbeit leisten.

Fürsorgearbeit wird vor allem von Frauen verrichtet

Auch in Südtirol wird berufliche Fürsorgearbeit vor allem von Frauen verrichtet. In den Sozialdiensten sind z. B. 87 Prozent der Bediensteten Frauen. Im Gesundheitsbereich sind die Zahlen ähnlich hoch. Wie auch andere systemrelevante Berufe, in denen der Frauenanteil besonders hoch ist, sind Gesundheits- und Betreuungsbereich von unterdurchschnittlicher Bezahlung gekennzeichnet.

Neben der beruflichen Fürsorgearbeit spielt jedoch auch die unbezahlte Arbeit im privaten Umfeld eine wichtige Rolle. Laut nationalem Statistikinstitut ISTAT leisteten Frauen 2019 vor der Pandemie täglich 5 Stunden und 39 Minuten unbezahlte Arbeit, Männer hingegen nur 2 Stunden und 16 Minuten.

Corona: Unbezahlte Familien- und Fürsorgearbeit hat zugenommen

Aus dem Jahresbericht des ISTAT 2020 geht hervor, dass die unbezahlte Familien- und Fürsorgearbeit in der Pandemie zugenommen hat. All das führt dazu, dass Frauen z. B. öfter in Teilzeit arbeiten bzw. junge Mütter innerhalb der ersten 3. Lebensjahre ihres Kindes aus Gründen der Unvereinbarkeit von Familie und Beruf kündigen.

Laut dem Arbeitsinspektorat der Autonomen Provinz Bozen haben im Jahr 2020 800 Frauen ihren Arbeitsplatz nach der Geburt ihres Kindes gekündigt, zu den 165 Männern. Die Übernahme unbezahlter Fürsorgearbeit hat für die Frauen weitreichende Konsequenzen. Fehlendes Einkommen und Pensionsvorsorge sind nur einige davon.

An den Arbeitsbedingungen hat sich nicht viel geändert

Die Corona-Pandemie hat die Situation noch verschärft. Auch wenn die Betreuungs- Pflegeberufe anfangs ins kollektive Bewusstsein gerückt sind und ihnen mit Applaus Anerkennung gezollt wurde, hat sich an den Arbeitsbedingungen bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht viel getan.

Im privaten Bereich hat sich während der Pandemie die ungleiche Verteilung der Familien- und Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern, zu Ungunsten der Frauen, verschärft. Dies nicht zuletzt durch die Schließung von Betreuungs- und Bildungseinrichtung Eine Mehrfachbelastung, die kaum zu schaffen ist, speziell für berufstätige Mütter.

„Deshalb ist es wichtig, jedes Jahr auf die ungleiche Verteilung unbezahlter Fürsorgearbeit hinzuweisen“, so Gleichstellungsrätin Michela Morandini. „Die Corona-Pandemie hat gesellschaftliche Ungleichgewichte verstärkt. Die ungleiche Verteilung unbezahlter Fürsorgearbeit ist ein wesentlicher Hemmfaktor für die Gleichstellung, zu Ungunsten der Frauen. Deshalb gilt es, Maßnahmen zu setzen, um diese strukturellen Benachteiligungen zu beseitigen“, so Gleichstellungsrätin Morandini.

stol

Schlagwörter: