Freitag, 02. März 2018

„Er hat alles geplant, sogar das eigene Begräbnis“

Ein Carabiniere hat seine beiden Kinder und sich selbst getötet – seine Frau ist schwer verletzt. Zur Tragödie von Cisterna di Latina im Latium kommen immer mehr traurige Details ans Licht. Die Vorgeschichte ist eine zerrüttete Ehe, demütigende Gewalt und Furcht der Kinder vor dem eigenen Vater.

Der Carabiniere tötete sich selbst und seine beiden minderjährigen Töchter. - Foto: facebook/Luigi Capasso
Der Carabiniere tötete sich selbst und seine beiden minderjährigen Töchter. - Foto: facebook/Luigi Capasso

In Cisterna di Latina schoss ein 44-jähriger Carabiniere zuerst seine Frau mit der Dienstwaffe an und schloss sich anschließend stundenlang mit seinen beiden minderjährigen Kindern in der Wohnung ein. Die Frau wurde durch die Schüsse schwer verletzt (STOL hat berichtet). Die beiden Töchter wurden vom Vater, gleich nachdem er seine Frau verletzt hatte, im Schlaf erschossen: Die eine erhielt einen Schuss in den Rücken, die andere in den Bauch. Anschließend sperrte sich der Mann 9 Stunden mit den Leichen seiner Kinder in den Wohnräumen ein, ehe er sich selber erschoss. 

Die Bluttat des Mittwochvormittags hat tief erschüttert, der Präsident der Region Latium hat sich entsetzt zum Vorfall geäußert und seine Gedanken den Frauen ausgesprochen, die versuchen, vor häuslicher Gewalt zu fliehen.  

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Das Facebook-Profil des 44-jährigen Täters ist überflutet von hasserfüllten, entsetzten und fassungslosen Kommentaren.

Luigi Capasso, der Carabiniere, schreckte offenbar nicht davor zurück, seine Frau vor den gemeinsamen Töchtern oder ihren Arbeitskollegen zu schlagen. Nachdem sich die beiden von Ehebeginn an immer häufiger stritten und er seiner Ehefrau Antonietta Gargiulo gegenüber immer wieder handgreiflich wurde, reichte diese die Trennung ein.

Capasso befand sich nach der Trennung in psychologischer Behandlung und in 8-tägigem Krankenstand, anschließend wurde er von Ärzten der Carabinierei als diensttauglich erachtet und konnte unter anderem seine Dienstwaffe behalten, mit der er am Mittwoch seine Töchter und sich selbst tötete.

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„Die Kinder gaben kein Lebenszeichen mehr von sich“  

Die Kinder waren, im Gegensatz zu den vorherigen Annahmen, gleich nach der Mutter getötet worden. Somit waren sie bereits tot, als sich ihr Vater mit ihnen 9 Stunden in der Wohnung einsperrte.

Erschreckende Funde

Die Ermittler fanden in den Wohnräumen ein großes Kuvert. Darin fanden sich 5 weitere, kleinere Kuverts, die an die Eltern und Geschwister von Luigi Capasso gerichtet waren: Er beschreibt darin die Gründe, warum er die Tat geplant habe. Doch nicht nur das: Luigi Capasso hatte sein verbliebenes Vermögen genau auf alle Familienmitglieder aufgeteilt. In einem weiteren Kuvert bewahrte er zudem einen Scheck im Wert von 10.000 Euro auf, die für das Begräbnis von sich selbst und seiner Familie vorgesehen waren.

- Foto: twitter/Cisterna di Latina

In Cisterna di Latina haben Unbekannte weiße Blumen am Hauseingang der Familie abgelegt: In Gedenken an die Frau und ihre beiden Töchter, aber symbolisch für alle Frauen, die sich in einer hoffnungslosen, von Gewalt gezeichneten Situation befinden.

Der Zustand der schwer verletzten Frau ist stabil: Sie wurde am Donnerstag im Krankenhaus von San Camilla in Rom operiert und befindet sich auf der Intensivstation. Sie weiß noch nichts vom Tod ihrer Töchter. 

stol/ape

stol