Gianluca Soncin, 52 Jahre alt, drang am Dienstagabend in die Mailänder Wohnung seiner Lebensgefährtin Pamela Genini (29) ein, die ihn verlassen wollte. Er benutzte dafür eine heimlich angefertigte Kopie ihres Wohnungsschlüssels, die er sich einige Wochen zuvor hatte duplizieren lassen. <BR /><BR />Als er am Dienstag in die Wohnung eindrang, telefonierte Pamela gerade mit ihrem früheren Freund Francesco. Ihm hatte sie zuvor von ihren Ängsten, von Übergriffen und Morddrohungen erzählt. Das Gespräch wurde plötzlich unterbrochen. „Ich habe Angst. Er hat einen Schlüssel gemacht. Er ist eingedrungen. Ruf die Polizei“, lautete die letzte verzweifelte Nachricht, die die junge Influencerin und Modeunternehmerin ihrem Ex-Freund schickte bevor Soncin sie mit 24 Messerstichen tötete. <h3> „Kann mich an nichts erinnern“</h3>Er behauptete später vor dem Untersuchungsrichter, er könne sich an nichts erinnern. Der Mann, der sich vor seiner Festnahme eine leichte Schnittverletzung am Hals zugefügt hatte, womöglich um einen Selbstmordversuch vorzutäuschen, und deshalb ins Krankenhaus gebracht wurde, zeigte sich während der Befragung durch die Mailänder Staatsanwältin Alessia Menegazzo kühl und distanziert. Nach der ärztlichen Versorgung wurde er ins Gefängnis San Vittore gebracht. <BR /><BR />Der 52-Jährige aus Biella hatte bereits 2010 Probleme mit der Justiz: Damals war er in ein Netzwerk von Briefkastenfirmen verwickelt, das mithilfe von Steuerbetrug Luxusautos aus Deutschland importierte, um die Mehrwertsteuer zu hintergehen. Die Ermittler gehen von vorsätzlichem Mord aus. Darauf deutet unter anderem hin, dass er ein großes Jagdmesser mit sich führte - die Tatwaffe, mit der er Pamela tötete. Mehrere Zeugen, die in den letzten Stunden von der Polizei befragt wurden, berichten von früheren Gewalttaten gegen die Frau. <BR /><BR />Daher wird Soncin neben Mord auch Stalking zur Last gelegt. In der Staatsanwaltschaft liegen keine offiziellen Anzeigen vor, aber während der einjährigen Beziehung soll es mehrfach zu Misshandlungen und Bedrohungen gekommen sein. Bereits zu Beginn der Beziehung - als Pamela zu Soncin nach Cervia in der Region Emilia Romagna gezogen war - soll der Mann sie von ihren Freundinnen und Angehörigen isoliert und versucht haben, sie auch finanziell zu kontrollieren. <h3> „Wenn du mich verlässt, bringe ich dich um“</h3>Im März zogen die beiden in die Wohnung in der Via Iglesias im Mailänder Viertel Gorla. Doch diese Phase war nur von kurzer Dauer: Pamela trennte sich bald wieder von ihm. Soncin, der zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Mailand gemeldet war, soll daraufhin immer aufdringlicher und gewalttätiger geworden sein. „Wenn du mich verlässt, bringe ich dich um“, soll er ihr mehrfach gedroht haben - so massiv, dass Pamela überlegte, zurück zu ihren Eltern in die Provinz Bergamo zu ziehen. Dieser Plan scheiterte jedoch an den Drohungen, die Soncin auch gegenüber ihren Eltern ausgesprochen haben soll. <BR /><BR />Pamelas Ex-Freund ist untröstlich: „Ich habe sie nicht retten können, das ist die schwerste Last, die ich tragen werde. Sie war eine sonnige, lebensfrohe Frau, man merkte sofort, wie viel Gutes in ihr steckte - und gerade weil sie so gutmütig war, ist geschehen, was geschehen ist. Es ist, wie wenn Efeu sich um eine Pflanze klammert und sie nach und nach erstickt“, so der junge Bauunternehmer. „Jetzt ist die Zeit für Gerechtigkeit und dafür, vielen Frauen zu helfen, die wegen ihrer Männer in Not sind. Ich sage allen: Wenn ihr solche Situationen seht und beobachtet, müsst ihr Anzeige erstatten - das ist die Pflicht jedes Menschen und jedes Christen“, betonte er.