Er stiehlt Autos - nicht, um sie zu verkaufen, sondern um darin zu schlafen. Die Geschichte eines 70-jährigen Obdachlosen aus Bozen beschäftigt jetzt die Justiz im Trentino und wirft zugleich ein Schlaglicht auf Armut, Sucht und Obdachlosigkeit.<BR /><BR />Während sich der Mann vor Gericht verantworten muss, appelliert sein Anwalt an die Öffentlichkeit: Gesucht wird eine kleine Wohnung, damit sein Mandant nicht weiter auf der Straße leben muss.<h3> Mann bezieht Mindestrente</h3>Der Rentner erschien in den vergangenen Tagen vor dem Gericht in Trient. Nach Angaben seines Verteidigers Cristian Zamfir entwendete der Mann immer wieder abgestellte Autos, um sie für drei bis vier Tage als Schlafplatz zu nutzen, wie die Tageszeitung „Corriere del Trentino“ berichtete. Anschließend wurde er meist von den Carabinieri aufgegriffen. Die Fahrzeuge habe er nie weiterverkauft. Es sei ausschließlich darum gegangen, einen geschützten Ort zum Übernachten zu haben.<BR /><BR />Der 70-Jährige bezieht nach Angaben seines Anwalts eine Mindestrente von rund 500 Euro im Monat. In der Vergangenheit habe er zeitweise in Notunterkünften und mit Unterstützung von Hilfsorganisationen in Bozen gelebt. Heute sei er jedoch wieder obdachlos und suche verzweifelt eine Unterkunft, die er sich leisten könne.<BR /><BR />Vor dem Gericht in Trient muss sich der Mann nun wegen Hehlerei verantworten - ein Delikt, das schwerer bestraft wird als einfacher Diebstahl. Sein Anwalt beantragte eine Vertagung der Verhandlung. <BR />Sollte sein Mandant eine feste Wohnadresse finden, könne er den entstandenen Schaden ersetzen und mögliche Freiheitsstrafen im Hausarrest verbüßen.<h3> In Bozen vier Verfahren eingestellt</h3>Bereits in Bozen waren vier Verfahren wegen Fahrzeugdiebstahls nach einer Wiedergutmachung eingestellt worden. Der Rentner habe Entschädigungen gezahlt und wolle dies auch in den noch offenen Verfahren tun. Derzeit reichten seine finanziellen Mittel dafür jedoch kaum aus, da er das Geld zum Überleben benötige.<BR /><BR />Nach Darstellung seines Verteidigers ist der Mann seit Jahren suchtkrank und bemüht sich um Hilfe in einer Suchteinrichtung in Bozen. Zugleich hoffe er auf eine Erhöhung seiner Mindestrente. Ohne Wohnung drohe ihm jedoch ein Kreislauf aus Obdachlosigkeit, neuen Straftaten und weiteren Gerichtsverfahren.<BR /><BR />Mit seinem öffentlichen Appell hofft der Anwalt nun auf einen Vermieter, der dem 70-Jährigen ein kleines, bezahlbares Zimmer oder eine Wohnung überlässt. Ein fester Wohnsitz, so der Verteidiger, wäre für seinen Mandanten der erste Schritt zurück in ein geregeltes Leben<BR />- und könnte verhindern, dass der Mann aus purer Not erneut in einem fremden Auto übernachten muss.