Nachdem er 8 Jahre lang in der Evangelischen Gemeinde in Meran lebte, zog er vor 2 Jahren nach Rudolstadt in seiner alten Heimat Thüringen.<b><BR /><BR />Herr Pfarrer Krautwurst, wie stehen Sie zu dem Wahlergebnis in Sachsen und Thüringen?</b><BR />Martin Krautwurst: Die Wahlbeteiligung war eigentlich sehr gut, ein Zeichen von gelebter Demokratie und Mitbestimmung. Ich bin aber über das Wahlergebnis enttäuscht und auch besorgt. Die Umfragen haben dieses Ergebnis zwar vorausgesagt, aber ich habe dennoch auf mehr Vernunft und weniger Protest bei den Wählern gehofft. Die errungene Demokratie vom Herbst 1989 mit all ihren gewonnenen Freiheiten gerät durch diktatorische Parteien immer in Gefahr. Ausländische Investoren und Fachkräfte werden nun vermutlich einen Bogen um Thüringen und Sachsen machen, das ist sehr bedenklich. Ich glaube, dass die AfD-Wähler das nicht im Blick haben.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1068489_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Worin liegt der Grund für ein derartiges Wahlergebnis?</b><BR />Krautwurst: Vermutlich ist es die Enttäuschung über die politische Situation in der Bundesregierung. Die Menschen im Osten verstehen viele Entscheidungen nicht und fühlen sich selbst nicht verstanden. Hinzu kommen Unterschiede zwischen Ost und West, die bis heute nicht ausgeglichen worden sind. Das fängt bei den Löhnen und Renten an, die noch immer sehr viel niedriger sind als in den alten Bundesländern. Die Ostdeutschen fühlen sich bevormundet, das löst Protest aus. <BR /><BR /><embed id="dtext86-66374048_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Protest, der die Wähler an den Rand des politischen Spektrums treibt?</b><BR />Krautwurst: Das Ergebnis der AfD ist erschreckend hoch. Ich glaube nicht, dass alle Wähler der AfD politisch rechts orientiert sind, aber die Wahl dieser Partei ist Ausdruck von Unzufriedenheit. Auf dem Land ist das noch gravierender als in den Großstädten. Deren Wahlprogramm fehlt allerdings die Substanz, leider ist dies vielen nicht klar. Auch der rasante Aufstieg des BSW verwundert mich nicht – die Umfragen haben es schließlich bereits prophezeit.<BR /><BR /><BR /><b>Wie kann eine Regierung nun aussehen?</b><BR />Krautwurst: Das Zünglein an der Waage wird wohl das Bündnis Sarah Wagenknecht sein. Aus dem Stand zieht es sogar zweistellig in beide Landtage ein. Für mich ist dies ein Indiz dafür, dass sich viele Wähler weniger mit den Parteiprogrammen beschäftigen, sondern eher mit populistischen Aussagen und auf schnelle Lösungen hoffen. Ich glaube, diese wird es aber nicht geben. Die Situation auch mit weltpolitischen Ereignissen ist zu komplex, als dass man auf schnelle Veränderungen in Wirtschaft, Ökologie oder in einer Friedenspolitik hoffen könnte. <BR /><BR /><embed id="dtext86-66374212_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Wer wird den restlichen Platz der Koalition einnehmen?</b><BR />Krautwurst: Ich glaube, in beiden Bundesländern wird es Ministerpräsidenten der CDU geben, die sich für die Mehrheitsbildung ihrer Regierung sehr strecken und vielleicht auch etwas verbiegen müssen. In Thüringen wird es wohl Mario Voigt mit der SPD und dem BSW regieren und eine Unterstützung von den Linken bekommen. In Sachsen wird es mit Michael Kretschmer wohl ähnlich ausfallen.