Er spricht über die Sicherheitslage im Wipptal, prägende Einsätze und verrät, was ihn nun in Sizilien erwartet. Nach der nördlichsten Carabinieri-Station Italiens in Gossensaß/Brenner untersteht ihm künftig mit Lampedusa die südlichste.<BR /><BR />Herr Hauptmann Lorenzi, welche Bilanz ziehen Sie nach vier Jahren an der Spitze der Carabinieri-Kompanie Sterzing?<BR />Francesco Lorenzi: Es waren vier intensive Jahre. Ich stamme aus Brixen, deshalb fühlt es sich nun ein wenig so an, als würde ich ein Stück Heimat verlassen. Beruflich war die Zeit im Wipptal natürlich ganz anders als meine vorherigen Stationen in Kalabrien oder Sizilien. Die operative Belastung ist hier geringer, auch wenn einzelne Ereignisse plötzlich eine ganz andere Dimension annehmen können. Ich denke etwa an die Lawinentragödie in Ridnaun im März, die uns alle stark gefordert hat. Gerade solche Erfahrungen haben mir gezeigt, dass man auch in einer ruhigen Gegend keinen Vorfall unterschätzen darf. <BR /><BR /><b>Das Wipptal gilt als verhältnismäßig sichere und ruhige Gegend. Wie ist es gelungen, diese Sicherheit zu bewahren?</b><BR />Lorenzi: Ein wichtiger Schwerpunkt war die Prävention und die Präsenz im Gebiet. Als ich nach Sterzing kam, gab es vor allem im Winter einige Wohnungseinbrüche. Wir haben deshalb unsere Streifen gezielt in den Abendstunden und in den besonders betroffenen Dörfern eingesetzt. Außerdem haben wir die Bevölkerung sensibilisiert und aufgeklärt. Das hat Wirkung gezeigt: Zuletzt hatten wir nur mehr sehr wenige Wohnungseinbrüche. Für mich war aber ebenso wichtig, jedem einzelnen angezeigten Delikt nachzugehen, auch wenn es auf den ersten Blick weniger schwerwiegend erscheint. Wenn etwa ein Fahrrad gestohlen oder etwas beschädigt wird, darf man es nicht einfach bei der Anzeige belassen. Wir müssen alle notwendigen Ermittlungen anstellen, um den Verantwortlichen ausfindig zu machen.<BR /><BR /><b>Hat sich diese konsequente Linie auch in den Zahlen niedergeschlagen?</b><BR />Lorenzi: In den vergangenen vier Jahren wurden 33 Personen festgenommen und rund 760 angezeigt. Das Wipptal ist eine ruhige und sichere Gegend, und wir haben dafür gearbeitet, dass das so bleibt. Deshalb habe ich auch meine Mitarbeiter immer dazu angehalten, aufmerksam zu bleiben und jeden einzelnen Fall ernst zu nehmen. Ich habe ihnen immer gesagt: Hofft auf das Beste, aber geht vom Schlimmsten aus und handelt entsprechend.<BR /><BR /><b>Welche Erlebnisse und Einsätze werden Ihnen besonders in Erinnerung bleiben?</b><BR />Lorenzi: Am einschneidendsten war für mich das Lawinenunglück in Ridnaun im vergangenen Frühjahr. Ich musste damals Angehörige bei der Identifizierung der Opfer begleiten und zwei Ehefrauen die Todesnachricht überbringen. Das sind Momente, die bleiben. Aber auch erfolgreiche Ermittlungen können sehr bewegend sein. Etwa, als nach dem versuchten Überfall auf das Juweliergeschäft Aster der Täter ausgeforscht wurde. Die Dankbarkeit des Opfers hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, nicht nur einen Fall zu lösen, sondern den Betroffenen auch eine Antwort zu geben.<BR /><BR /><b>Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung und den Institutionen erlebt?</b><BR />Lorenzi: Sehr positiv. Die Bevölkerung hat uns immer unterstützt – durch Hinweise, Anzeigen oder die Bereitschaft, als Zeugen auszusagen und Videoaufnahmen zur Verfügung zu stellen. Dieses Vertrauen ist für unsere Arbeit entscheidend. Wir haben aber auch versucht, durch Informationsveranstaltungen vorzubeugen, etwa zu Online- und Telefonbetrug. Ebenso wichtig war die Zusammenarbeit mit Gemeinden, Feuerwehren und Vereinen. Wenn man sich kennt und Vertrauen da ist, funktioniert die Zusammenarbeit im Ernstfall besser.<BR /><BR /><b>Sie stammen aus Brixen und waren damit vergleichsweise nahe an Ihrer Heimat im Einsatz. Bleibt die Verbindung zu Südtirol und zum Wipptal auch nach Ihrem Wechsel bestehen?</b><BR />Lorenzi: Auf jeden Fall. Deshalb sage ich nicht Lebewohl, sondern auf Wiedersehen. Südtirol ist und bleibt meine Heimat, und ich werde weiterhin mehrmals im Jahr hierher zurückkehren. Die vier Jahre in Sterzing haben mir zudem eine neue Perspektive auf meine Heimat eröffnet. Obwohl ich aus Brixen stamme, habe ich das Wipptal durch meine Arbeit noch einmal ganz neu kennengelernt. Dabei sind viele persönliche Beziehungen entstanden, die sicher bestehen bleiben werden.<BR /><BR /><b>Ihr beruflicher Weg führt Sie nun nach Sizilien. Welche Aufgabe erwartet Sie dort?</b><BR />Lorenzi: Ich werde die Carabinieri-Kompanie von Agrigent übernehmen. Die Verantwortung wird deutlich größer: Mir werden zwölf statt bisher sieben Stationen unterstehen, darunter auch jene von Lampedusa. Sizilien ist mir nicht fremd, meine Frau stammt von dort, und ich habe bereits in Palermo gearbeitet. Die Gegend um Agrigent kenne ich aber noch nicht gut – es gibt also wieder viel Neues zu entdecken.<BR /><BR /><b>Welche Botschaft möchten Sie der Bevölkerung zum Abschied mitgeben?</b><BR />Lorenzi: Wenn etwas passiert, rufen Sie uns immer sofort an! Das gilt für einen Einbruchsversuch ebenso wie für Gewalt in der Familie oder einen Betrugsversuch. Je früher wir informiert werden, desto besser können wir helfen und Schlimmeres verhindern.