Montag, 29. Juni 2015

Er wollte "arme Teufel" nach Norden schleusen: aufgeflogen

Im Zuge von verstärkten Kontrollen hat die Polizei einen Tunesier festgenommen, der "ohne Skrupel an der Tragödie der Migranten, die nach Norden streben, verdienen wollte", so der Quästror. 15 Syrer wollte der Mann entlang der A22 über den Brenner schleusen.

Die illegalen Einwanderer wurden in die Bozner Quästur gebracht: Foto: Archiv
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Die illegalen Einwanderer wurden in die Bozner Quästur gebracht: Foto: Archiv

"Da die Flüchtlingsströme gen Norden zu einem großen Maß über die Brennerachse verlaufen, hat die Staatspolizei auf Weisung von Quästor Luciano Carluccio die Kontrollen verschärft", heißt es in einem Schreiben.

Die erhöhte Aufmerksamkeit der Behörden bezügliche Schleuserbanden entlang der A22 zeigt auch zunehmend Früchte. So kam es auch in der Nacht auf Montag zur Überführung eines illegalen Transports. 

Abgewrackter Lieferwagen fällt auf: Stimmen aus dem Inneren

Er war auf der Brenerautobahn in nördlicher Richtung, als die Straßebpolizei Bozen bei der Autobahnraststätte Eisack Ost südlich von Kollmann auf einen weißen Lieferwagen aufmerksam wurde. Der Fiat Ducato stand in der Kolonne vor den Zapfsäulen, um aufgetankt zu werden.

"Er war total heruntergekommen und die Fenster waren mit einen weißen Spray besprüht worden, um den Blick ins Innere des Wagens zu verschleiern", so die Beamten. Die Straßenpolizei näherte sich dem Wagen, sah eine Person auf dem Beifahrersitz und vernahm Gespräche, sprich Stimmen aus dem hinteren Wagenbereich. 

Polizei passt Fahrer ab: Schleuser war ausgewiesen worden

Die Beamten zogen sich daraufhin zurück und positionierten ihren Streifenwagen in einem nicht beleuchteten Bereich der Tankbucht. Kurze Zeit später kam dann auch der Fahrer des Wagens aus dem Toilettenbereich, sah sich mehrfach um, stieg in den Fiat Ducato und wollte die Autobahnraststätte Richtung Norden verlassen. Doch weit kam er nicht. 

Vor der Einfahrt schlugen die Ordnungshüter, die in der Zwischenzeit Verstärkung angeordnet hatten, zu. Sie stellten den Fahrer, den 43-jährigen Walid Zaafrani aus Tunesien, auf den der Mailänder Quästor bereits im Jänner einen Ausweisungsbescheid ausgestellt hatte.

Im Wageninneren stießen sie auf 15 Migranten syrischer Abstammung, die zusammengepfercht und übereinander Platz gefunden hatten. Unter den Flüchtlingen befanden sich auch zwei Frauen und vier Minderjährige.

Syrer zahlen: "Den armen Teufeln helfen"

"Der Schleuser rechtfertigte sich damit, er habe den armen Teufeln, die die Fahrt bis nach Deutschland mit eigenen Mitteln bezahlt hätten, nur helfen wollen", so die Straßenpolizei.

Die Flüchtlinge wurden zur Identifizierung in die Bozner Quästur gebracht, Frauen und Kinder erhielten eine Unterbringung in den dafür vorgesehenen Einrichtungen. 

Auf der Suche nach den Komplizen 

Die Straßenpolizei hatte ihre Kontrollen auf der Autobahnraststätte im Zuge der Überführung des Tunesiers noch intensiviert, um auf mögliche Komplizen zu stoßen. Die Beamten stießen dabei auf zwei syrische Männer in einem Fiat Punto, die sich legal in Italien aufhalten. Sie stammen aus einer Ortschaft in der Provinz Como. 

Von dort stammt auch der syrische Bürger, auf den der Schleuserwagen, der Fiat Ducato, zugelassen ist. Die Polizei befragte die beiden und es stellte sich heraus, dass diese sowohl den Schleuserwagenbesitzer, als auch den tunesischen Fahrer kannten. 

Dieser Zusammenhang wird von den Ordnungshütern noch vertiefend untersucht.

Fuhr ohne Führerschein

Der tunesische Schleuser ist festgenommen und auf freiem Fuß wegen Begünstigung angezeigt worden. Ebenso wird ihm zu Last gelegt, sich ohne Rechtfertigung auf italienischem Staatsgebiet aufgehalten und niemals einen Führerschein gemacht zu haben. 

stol/ker

stol