Dienstag, 22. August 2017

Erdbeben auf Ischia: Mangelnde Vorsorge?

Fast genau ein Jahr nach dem Erdbeben in Mittelitalien, bei dem 300 Menschen ums Leben kamen, hat ein Beben der Stärke 4 auf der Urlauberinsel Ischia schwere Schäden angerichtet. 2 Frauen starben, 39 Menschen wurden verletzt. 2600 Menschen sind obdachlos. Mehrere verschüttete Kinder konnten lebend aus den Trümmern geborgen werden. Experten kritisieren nun mangelnde Vorsorge.

Das Erdbeben auf Ischia forderte 2 Tote und zahlreiche Verletzte.
Das Erdbeben auf Ischia forderte 2 Tote und zahlreiche Verletzte. - Foto: © LaPresse

Zwei Menschen kamen bei den schweren Erdbeben am Montagabend auf Ischia ums Leben (STOL hat berichtet).  

Eine der beiden Frauen wurde von herabstürzenden Teilen einer Kirche erschlagen, die andere tot aus den Trümmern ihrer Wohnung geborgen. Ein sieben Monate altes Baby wurde in der Nacht aus einem zerstörten Haus geholt, zwei Brüder des Buben im Alter von acht und elf Jahren wurden nach 14 bzw. 16 Stunden geborgen.

„Ciro hat seinem jüngeren Bruder das Leben gerettet. Nach dem schweren Erdstoß hat er den Bruder unter das Bett geschoben. Mit einem Besenstock hat er so lange geklopft, bis ihn die Einsatzkräfte gehört haben“, berichtete ein Mitglied des Rettungsteams.

In Panik auf Straßen gelaufen 

Zum Zeitpunkt des Beben befanden sich 250.000 Touristen und 60.000 Einheimische auf der Insel. Touristen und Bewohner seien in Panik auf die Straße gelaufen, berichteten italienische Medien. Viele Menschen verbrachten die Nacht im Freien. Zahlreiche Urlauber verließen aus Angst vor Nachbeben die Insel. Vor den Fähren bildeten sich lange Schlangen. Österreicher waren von dem Beben nicht unmittelbar betroffen. Auf der Insel leben zwei Landsleute, die sich nach Angaben des Außenministeriums am Montag in Österreich befanden. Ihre Wohnungen wurde nicht beschädigt.

Seit dem Erdstoß am Montagabend wurden 20 stärkere Nachbeben registriert. Hunderte Soldaten und Rettungsteams waren am Dienstag im Einsatz, um der Bevölkerung und den Touristen Hilfe zu leisten. Premier Paolo Gentiloni kondolierte den Familien der Opfer. „Wir stehen auf der Seite der Rettungseinheiten“, twitterte Gentiloni.

Mangelnde Vorsorge? 

Experten kritisierten mangelnde Vorsorge: Die Schäden seien deshalb relativ groß, da zahlreiche Bauten auf Ischia nicht erdbebensicher seien. „Ein Großteil der Gebäuden, die in den letzten Jahren auf der Insel errichtet wurden, sind gesetzwidrig“, sagte der Ex-Staatsanwalt von Neapel, Aldo De Chiara. Die Regierung bekräftigte ihr Vorhaben, in Italien den Bau erdbebensicherer Gebäuden zu fördern. Das Kabinett hatte schon nach dem Erdbeben im Mittelitalien vor einem Jahr einen entsprechenden Plan präsentiert. Dieser müsse zügiger umgesetzt werden, hieß es jetzt in Rom.

Die Insel Ischia im Golf von Neapel liegt in der Nähe der Phlegräischen Felder, die zu den weltweit wenigen Dutzend sogenannten Supervulkanen zählen. Im Jahr 1883 kamen bei einem Beben auf Ischia rund 2.300 Menschen ums Leben.

apa/dpa/stol

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