Dienstag, 29. Dezember 2020

Schweres Erdbeben in Kroatien: Mindestens 7 Todesopfer

Am Dienstagmittag hat ein Erdbeben der Stärke 6,4 Kroatien erschüttert. Es kam zu erheblichen Sachschäden, zahlreiche Menschen wurden verletzt. Die Zahl der Todesopfer stieg bis zum Abend auf 7, wie kroatische Medien berichteten. Zu spüren war das Beben auch in Südtirol.

Die Stadt Petrinja im Epizentrum des Bebens liegt in Trümmern. Im Video hingegen sieht man erste Eindrücke aus der Hauptstadt Zagreb. - Foto: © APA/afp / DAMIR SENCAR
Das Epizentrum des Bebens gegen 12.20 Uhr lag laut dem Österreichischen Erdbebendienst der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) 45 Kilometer südwestlich der kroatischen Hauptstadt Zagreb in der Stadt Petrinja in einer Tiefe von 10 Kilometern.


Es war das zweite Beben in Folge innerhalb von 30 Stunden. Am Montag waren im selben Gebiet Erdstöße der Stärke 5,2 und 5,0 verzeichnet worden.

Erhebliche Sachschäden – Mindestens 7 Todesopfer

Petrinja, die etwa 3 Kilometer vom Zentrum des Bebens entfernt liegt, liegt in Trümmern, berichtet Bürgermeister Darinko Dumbovic. Unter anderem stürzten ein Krankenhaus und ein Kindergarten ein. Zum Zeitpunkt des Bebens waren dort aber keine Buben oder Mädchen.

„Die Situation ähnelt Hiroshima“, so Dumbovic.

Mindestens 5 Leben forderte das Beben in einem Dorf in der Nähe von Glina.

Ein weiteres, 7. Todesopfer gab es laut Medien in einer eingestürzten Kirche nahe Sisak. In Petrinja, wo zahlreiche Häuser im Stadtzentrum zusammen fielen, wurde in den Trümmern mit Spürhunden nach Verschütteten gesucht. Neben Rettungskräften waren auch 130 Soldaten im Einsatz.

Mindestens 20 Personen wurden verletzt, berichteten kroatische Medien. „Wir ziehen Menschen aus ihren Fahrzeugen“, beschreibt Dumbovic.



Bewohner in Kasernen untergebracht

Neben lokalen Rettungskräften wurden auch Helfer aus anderen Teilen des Landes für Petrinja mobilisiert. Unter anderem machten sich auch Bergretter mit Spürhunden auf den Weg in die Stadt.

Die Militäreinheiten, die in Petrinja stationiert sind, kamen ebenfalls zur Hilfe. In der Kaserne könnten jene Einwohner, deren Häuser unbewohnbar wurden, untergebracht werden, sagte Staatspräsident Zoran Milanovic, der die Stadt besuchte. Auch Premier Andrej Plenkovic und mehrere Minister waren gekommen.

Schäden auch in Stadt Sisak

Erhebliche Schäden wurden auch aus der nahegelegenen Stadt Sisak berichtet, die rund 15 Kilometer entfernt von Petrinja liegt. Das Krankenhaus musste geräumt werden, berichtete das Regionalsender N1.

Alle bis auf ein Gebäude seien durch das Beben beschädigt worden, die Patienten wurden nach Zagreb gebracht, hieß es. Nach Angaben des Gesundheitsministers Vili Beros soll die Armee beim Transport aushelfen. Das Krankenhaus in Sisak hat trotzdem 20 verletzte Personen aus Petrinja aufgenommen, darunter 2 Schwerverletzte.

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In der rund 50 Kilometer entfernten Hauptstadt Zagreb wurden ebenfalls Gebäude beschädigt. Die Menschen, die noch das schwere Beben vom März in Erinnerung haben, flüchteten auf die Straßen. Telefon- und Stromleitungen wurden in Teilen des Landes unterbrochen, betroffen war auch Zagreb.

Erst im März hatte ein Erdbeben der Stärke 5,4 in Zagreb große Schäden angerichtet. Eine Jugendliche war gestorben, mehr als 2 Dutzend Menschen waren verletzt worden.

Atomkraftwerk präventiv abgeschaltet

Nach dem Erdbeben wurde das slowenische Atomkraftwerk Krsko, das rund 80 Kilometer Luftlinie vom Epizentrum des Erdbebens entfernt liegt, präventiv abgeschaltet. Das sei ein übliches Verfahren bei Beben von einer solchen Stärke, hieß es aus dem AKW zur slowenischen Nachrichtenagentur STA.

Der slowenische Infrastrukturminister Jernej Vrtovec betonte, dass die Sicherheit nicht gefährdet sei. Die erste Überprüfung im AKW hätte keine Auswirkungen des Bebens gezeigt, hieß es. In der Anlage wird eine Prüfung aller Systeme durchgeführt, die Wiederinbetriebnahme ist binnen 24 Stunden geplant.


Das Beben wurde in der ganzen Region gespürt: Wahrnehmungsberichte gab es aus Slowenien, Österreich sowie Bosnien-Herzegowina und Serbien.

Auch in Italien, besonders im Friaul und Venetien und auch in Südtirol und war das Beben deutlich zu spüren. Gar einige Personen hatten sich an die STOL-Redaktion gewandt, um von den Erschütterungen zu berichten.



Solidarität aus Südtirol mit Kroatien

Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher sprach im Zuge einer Pressekonferenz am Dienstag seine Solidarität aus: „Unsere Gedanken sind bei den Menschen in Kroatien, die vom Erdbeben betroffen sind.“ Diesen Worten schloss sich auch der stellvertretende Landeshauptmann Giuliano Vettorato an.

stol/apa