Chenu rief die konservativen Kandidaten zu Wahlbündnissen auf. „Wir sind der beste Wall gegen die Linken und die Linksextremen“, sagte er. Er schloss nicht aus, dass der RN „in Einzelfällen“ selber Kandidaten zurückziehen könne, um konservative Kandidaten zu unterstützen. Parteichef Jordan Bardella hatte am Vorabend noch betont, dass die RN-Kandidaten, die für die zweite Runde qualifiziert sind, alle antreten sollten.<BR /><BR />Die Kandidaten für die zweite Runde am kommenden Sonntag müssen sich bis Dienstagabend entscheiden. Wie groß der Erfolg des RN tatsächlich ist, lässt sich erst danach ablesen. Angesichts der 35.000 Gemeinden ist die Zahl der RN-Bürgermeister sehr gering. Aber die Tatsache, dass sie in mehreren Großstädten an der Spitze oder weit vorn liegen, zeigt ihre zunehmende Verwurzelung in der Fläche.<h3> Louis Aliot im südfranzösischen Perpignan bestätigt</h3>Zu den am Sonntag im Amt bestätigten RN-Bürgermeistern zählte Louis Aliot im südfranzösischen Perpignan, der bisher größten Stadt mit einem RN-Bürgermeister. Aliot ist allerdings gemeinsam mit RN-Fraktionschefin Marine Le Pen in einem Veruntreuungsverfahren angeklagt und könnte im Fall einer erneuten Verurteilung durch das Berufungsgericht das Amt wieder verlieren.<BR /><BR />Im Amt bestätigt sind auch die RN-Bürgermeister von Hénin-Beaumont und Fréjus. In der südfranzösischen Hafenstadt Toulon kam die RN-Abgeordnete Laure Lavalette auf 42 Prozent der Stimmen und damit auf zwölf Punkte mehr als die unabhängige Amtsinhaberin Josée Massi. In Toulon hatte die Vorgängerpartei Front National bereits von 1995 bis 2001 den Bürgermeister gestellt. Lavalette verzichtete im Wahlkampf allerdings auf das Logo ihrer Partei.<BR /><BR />Im südfranzösischen Marseille kam RN-Kandidat Franck Allisio auf 35 Prozent, knapp zwei Punkte hinter dem sozialistischen Amtsinhaber Benoît Payan. Ein Sieg in der zweitgrößten Stadt Frankreichs hätte eine hohe Symbolkraft für die Partei. In Nîmes liegen die Kandidaten des RN und der Kommunisten gleichauf. In Nizza liegt der mit dem RN verbündete Eric Ciotti - ehemals Parteichef der Republikaner - weit vorn.<h3> Paris: Fünf Kandidaten für die zweite Runde qualifiziert</h3>In Paris qualifizierten sich gleich fünf Kandidaten für die zweite Runde. Der sozialistische Kandidat Emmanuel Grégoire lag laut dem von der Stadt in der Nacht auf Montag veröffentlichten Endergebnis nach dem ersten Durchgang mit 38 Prozent der Stimmen vorn. Die konservative Kandidatin, Ex-Kulturministerin Rachida Dati, kam demnach auf 25 Prozent. Neben den beiden haben drei weitere Bewerber die Zehn-Prozent-Hürde überschritten: der Mitte-Rechts-Kandidat Pierre-Yves Bournazel, die linkspopulistische Kandidatin Sophia Chikirou und schließlich auch die rechtsextreme Kandidatin Sarah Knafo, die es mit 10,4 Prozent der Stimmen so eben schaffte.<BR /><BR />Die 32 Jahre alte Knafo bot der konservativen Dati umgehend ein Wahlbündnis „von Frau zu Frau“ an. „Gemeinsam können wir die Linke besiegen“, sagte sie am Montag in einer Videobotschaft. Dati bot ihrerseits dem Mitte-Rechts-Kandidaten Bournazel ein Bündnis an, schließt aber auch eine Allianz mit Knafo nicht mehr aus. Da Grégoire ein Bündnis mit den Linkspopulisten ausgeschlossen hat, wird die linkspopulistische Kandidatin Chikirou voraussichtlich erneut antreten. Dies vergrößert Datis Chancen auf den Wahlsieg. Falls die Ex-Justiz- und Ex-Kulturministerin gewählt wird, könnte ihre Amtszeit allerdings nur von kurzer Dauer sein. Im September muss sie sich in einem Korruptionsverfahren vor Gericht verantworten.<h3> RN war in rund 650 Kommunen angetreten</h3>Die sozialistische Amtsinhaberin Anne Hidalgo, die Paris zur Fahrradstadt gemacht hat, wollte nach zwölf Jahren im Amt nicht erneut antreten. Grégoire will ihre Politik fortsetzen und den Akzent auf Paris als Stadt der Kultur legen. Er wird auch von den Grünen unterstützt.<BR /><BR />Der RN war in rund 650 Kommunen angetreten, 2020 waren es lediglich 410 gewesen. Die Vorgängerpartei FN hatte 1995 erstmals drei Gemeinden erobert. 2014 kam der RN auf sein bisher bestes Ergebnis mit Bürgermeistern in elf Städten. 2020 eroberte der RN Perpignan, seine bisher größte Stadt. Regional betrachtet sind die Rechtspopulisten vor allem in Südfrankreich stark.<BR /><BR />Marine Le Pen sprach bereits von einem „riesigen Sieg“ für die Partei. Nach Ansicht von Bardella haben viele RN-Kandidaten „gute Aussichten auf einen Sieg“ in der zweiten Runde.<h3> 57 Prozent Wahlbeteiligung </h3>Die Wahlbeteiligung lag bei rund 57 Prozent, sieben Punkte weniger als 2014. Es handelt sich um ein historisches Tief, mit Ausnahme der Wahl von 2020, die während der Corona-Pandemie stattfand. Der Wahlkampf war zuletzt vom Beginn des Iran-Kriegs überschattet.<BR /><BR />Gut ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl gelten die Ergebnisse als richtungsweisend. Allerdings lassen sie sich nur beschränkt auf die nationale Lage übertragen, da viele Kandidaten bei den Kommunalwahlen antreten, ohne sich zu einer bestimmten Partei zu bekennen. Zudem hat Frankreich rund 35.000 überwiegend kleine und ländliche Kommunen, in denen die Bürgermeister weniger für ihre politische Linie als für ihr Lokalmanagement gewählt werden.