Freitag, 28. August 2020

Ergebnis in 10 bis 15 Minuten: Land setzt auf Corona-Schnelltest

Der Südtiroler Sanitätsbetrieb wappnet sich für den Corona-Herbst: Wie das Tagblatt „Dolomiten“ berichtet, sollen Infektionsherde mit 300.000 neuen Schnelltest rasch ausgemacht und bekämpft werden können.

Ein Schnelltest, der wie der übliche PCR-Test über die Schleimhäute in Nase, Mund und Rachen die Viruslast misst, soll bereits nach 10 bis 15 Minuten ein Ergebnis liefern.
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Ein Schnelltest, der wie der übliche PCR-Test über die Schleimhäute in Nase, Mund und Rachen die Viruslast misst, soll bereits nach 10 bis 15 Minuten ein Ergebnis liefern. - Foto: © shutterstock
„Solange wir imstande sind, Neuinfektionen sehr sauber herauszufiltern, ihnen nachzugehen, sie qualitativ aufschlüsseln und abschließen zu können, haben wir die Situation im Griff“, sagt Dr. Marc Kaufmann, Leiter der Covid-Expertenkommission.

Das Herausfiltern sei eine Gratwanderung, „denn die meisten Positiven, die wir derzeit herausfischen, sind symptomfrei, nur einzelne haben milde Krankheitssymptome wie Husten oder leichtes Fieber“, sagt Dr. Kaufmann. Entsprechend niedrig ist das Durchschnittsalter der Infizierten. „Es liegt zwischen 30 und 35 Jahren. Dies ist auch bei unseren Nachbarn so“, sagt Dr. Kaufmann. Und weil die Infizierten so jung seien, sei auch der Druck auf die Gesundheitseinrichtungen noch nicht groß. „Die meisten Infizierten sind derzeit Urlaubsrückkehrer bzw. Menschen, die bei ihren Herkunftsfamilien am Balkan zu Besuch waren“, sagt Dr. Kaufmann.

300.000 Test werden gekauft

Da man mit Schulbeginn, Grippezeit und kühleren Temperaturen mit einem Ansteigen der Infektionen rechnet, setzt der Sanitätsbetrieb auf neue Antigen-Schnelltests, um schnell möglichst viele Leute testen zu können. Es sollen 300.000 dieser Tests eingekauft werden – Kostenpunkt 3,6 Millionen Euro. „Das wurde bereits in die Wege geleitet. Die Ausschreibung läuft“, sagt der Generaldirektor des Sanitätsbetriebs, Florian Zerzer. Laut Sanitätsdirektor Dr. Bertoli soll ein Teil dieser Tests auch an die Haus- und Kinderärzte abgegeben werden.

„Wie beim normalen PCR-Test wird auch beim Antigen-Schnelltest mit einem Wattestäbchen im Mund, Rachen und Nase das Virus abgegriffen. Im Unterschied zum normalen PCR-Test, der Goldstandard bleibt, haben wir hier bereits in 10 bis 15 Minuten Klarheit. Somit können wir akute Infektionen schnell und unkompliziert nachweisen“, erklärt Dr. Kaufmann. Und welcher Test wird angewandt? Beim „kleinen Abstrich“ werden spezielle virustypische Proteine nachgewiesen anstelle von genetischem Material, das heißt Virus-RNA, die beim PCR-Test festgestellt werden.

Treffsicherheit bei diesen Schnelltests

„Während der Goldstandard PCR-Test eine 100-prozentige Treffsicherheit hat, liegt die Sensivität – oder vereinfacht gesagt – die Treffsicherheit beim Antigen-Schnelltest bei knapp unter 90 Prozent. Auch wenn uns etwa 10 Prozent durch die Lappen gehen, ist es wichtig, dass wir all jene mit großer Viruslast, die sogenannten Superspreader, erfassen“, sagt Primar Kaufmann.

Bereits jetzt sei dieser Test laut Sanitätsdirektor Dr. Pierpaolo Bertoli bei jenen Patienten eingesetzt worden, bei denen es sehr schnell gehen musste – und zwar mittels 5000 Stück etwa in den Notaufnahmen, Notarztfahrzeugen und -hubschraubern. Weitere 12.000 Tests sind unterwegs.

„Auf gesamtstaatlicher Ebene sind diese Tests mittlerweile validiert. Die ersten Erfahrungen sind vielversprechend“, sagt Dr. Kaufmann. Und der „kleine Abstrich“ sei eine sehr wertvolle Ergänzung, wenn die Testkapazität gesteigert werden müsse. „Der Test ist, wie gesagt, nicht gleichwertig, aber er eröffnet eine neue Schiene, ein sehr innovativer Weg, der den herkömmlichen PCR-Test nicht ersetzen kann, die Testungen aber breit unterstützt“, so Dr. Kaufmann. Detail am Rande: Während die Kosten für einen Goldstandard-PCR-Test bei 70 bis 80 Euro liegen, kostet ein „kleiner Abstrich“ rund 10 Euro.

lu

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