Mittwoch, 02. September 2020

Antikörper-Studie: 34 Prozent der positiv Getesteten hatten keine Symptome

Schätzungsweise 2,9 Prozent der Südtiroler Bevölkerung haben Antikörper auf Covid-19 entwickelt, 34 Prozent der positiv Getesteten wiesen keine Symptome auf. Dies und mehr geht aus einer gemeinsamen Studie des Landesinstituts für Statistik ASTAT mit dem Südtiroler Sanitätsbetrieb, der Claudiana und weiteren Partnern hervor.

Schätzungsweise haben 2,9 Prozent der Südtiroler Bevölkerung Antikörper auf Covid-19 entwickelt.
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Schätzungsweise haben 2,9 Prozent der Südtiroler Bevölkerung Antikörper auf Covid-19 entwickelt. - Foto: © Shutterstock
Nach der Erhebung in Gröden im Juni wurde im Juli eine Stichprobe der Bevölkerung des restlichen Landesgebiets in eine Mehrfachuntersuchung im Zusammenhang mit dem Gesundheitsnotstand einbezogen.

Diese bestand aus einem serologischen Test, einem statistischen Fragebogen sowie einem Nasen-Rachen-Abstrich. Die Stichprobe wurde aus den Melderegistern der Gemeinden gezogen.



Auf der Grundlage der Ergebnisse des serologischen Tests wird geschätzt, dass 2,5 Prozent der Bevölkerung dieser Erhebung im Juli Antikörper gegen SARS-CoV2 aufwies. Wenn die Daten von Gröden miteinbezogen werden, steigt der Wert auf 2,9 Prozent.

Demnach kamen, wenn man die Seniorenheime einschließt, mehr als 15.000 Personen mit dem Virus in Kontakt; das ist sechsmal die Gesamtzahl der offiziell während der Pandemie bis dahin erfassten Fälle.

Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass in den Monaten März, April und Mai 517 Personen mehr starben als im Durchschnitt der letzten 5 Jahre, wird für Südtirol eine Sterblichkeitsrate von ungefähr 3 Prozent geschätzt. Kein Abstrich war hingegen positiv.


Nordosten Südtirols weist höchsten Wert auf

Neben den Juni-Daten aus Gröden verzeichnet die Gemeinde Kastelruth eine hohe Prävalenz (16,9%). Außer bei diesen Werten bestehen keine bedeutenden territorialen Unterschiede.

Der Nordosten des Landes, einschließlich Gröden und Kastelruth, weist die höchsten Werte auf (4,2%); der Südwesten (Vinschgau, Burggrafenamt, Überetsch-Südtiroler Unterland) weist eine Prävalenz von 1,7 Prozent auf, während Bozen-Stadt einen Wert in etwa im Landesdurchschnitt (2,8%) verzeichnet.

Keine Unterschiede zwischen Mann und Frau

Hinsichtlich des Geschlechts gibt es keine signifikanten Unterschiede. Männer und Frauen sind in gleichem Maße mit SARS-CoV-2 infiziert worden, wie auch aus Studien in anderen Ländern hervorging, und auch in Bezug auf das Alter sind die Unterschiede nicht signifikant.

Keinen Einfluss scheinen Schulbildung, Staatsbürgerschaft (italienisch oder ausländisch) und Haushaltsgröße zu haben.

Die Infektionsrate zwischen deutschen und italienischen Muttersprachlern ist identisch (2,4% und 2,5%), während Ladinischsprachige (20,3%) wesentlich stärker infiziert wurden, auch ohne Gröden. „Natürlich hängt dies vom Wohngebiet ab und sicherlich nicht von der gesprochenen Sprache“, so die Experten.


Die Erwerbstätigen waren von SARS-CoV-2 genauso betroffen wie die Nicht-Erwerbspersonen, wobei es je nach Tätigkeitsbereich keine signifikanten Unterschiede gab.

Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns als spezifischstes Symptom

Personen mit einem positiven serologischen Test berichteten in den letzten Monaten über folgende Symptome:

Gliederschmerzen (39,2%), Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns (38,2%), Kopfschmerzen (34,5%), Husten (32,4%), Halsschmerzen (27,0%), Schwäche (26,5%) Fieber über 37,5 Grad Celsius an mindestens 3 aufeinanderfolgenden Tagen (25,5%), Magen-Darm-Beschwerden (25,5%), Schmerzen im Brustraum (16,4%), Atembeschwerden (12,4%) und Bindehautentzündung (11,3%).

All diese Symptome traten viel häufiger auf als bei Personen mit negativen serologischen Tests. Unter den positiv Getesteten sind diese Prozentwerte identisch mit denen der Grödner Studie.

Das spezifischste Symptom, d.h. das von fast allen Personen, die negativ getestet wurden, nicht genannt wird, ist der Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns. Die mediane Dauer dieser Symptome betrug 7 Tage.

34 Prozent der positiv Getesteten zeigten keine Symptome

34 Prozent der serologisch positiv Getesteten waren völlig asymptomatisch. Die meisten Personen berichteten im März über Symptome (61,2%). Weitere 25,7 Prozent hatten bereits im Februar Symptome gehabt. In nur einem von 100 Fällen trat die Krankheit nach April auf.

Da die Krankheit in vielen Fällen 4 oder 5 Monate vor dem serologischen Test auftrat, kann man laut Studie annehmen, dass zumindest in einer bestimmten Anzahl von Fällen die Antikörper für einige Monate bestehen bleiben.

Von den symptomatischen Teilnehmern mit positiver Serologie kontaktierte etwas mehr als die Hälfte den Hausarzt und etwas weniger als die Hälfte nahm überhaupt keinen Kontakt mit dem Gesundheitsdienst auf.


Von den Personen, die Antikörper entwickelt haben, hatte knapp die Hälfte bereits einen Abstrich gemacht, der in 2 von 3 Fällen zu einem negativen Ergebnis führte.

Die wahrscheinlichste Erklärung dafür ist, dass der Abstrich nach der Heilung durchgeführt wurde (in der Stichprobe sind es 15 Fälle: 10 mit negativem und 5 mit positivem Ergebnis). Umgekehrt gibt es keinen einzigen Fall von positivem Abstrich mit inzwischen negativen Antikörpern.

stol