Dienstag, 16. Februar 2016

Ermittler zu Zugunglück: Der Fahrdienstleiter ist schuld

Vor einer Woche kam es zu einem der schwersten Zugunglücke in Deutschland. Jetzt steht nach Ansicht der Ermittler fest: Nicht die Technik war für die Katastrophe von Bad Aibling verantwortlich, sondern menschliches Versagen.

Foto: © APA/DPA

Eine Woche nach dem Zugunglück von Bad Aibling mit elf Todesopfern führen die Ermittler die Ursache auf menschliches Versagen beim Fahrdienstleiter zurück. Gegen den 39-Jährigen, der zwei Züge auf eingleisiger Strecke hatte passieren lassen, sei ein Ermittlungsverfahren unter anderem wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet worden, sagte am Dienstag der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese in Bad Aibling.

 "Die Technik lässt menschliche Fehler nicht zu", hatte der Südtiroler Experte Egon Moling, Geschäftsführer von m2 railgroup, noch im Vorfeld der Bekanntgabe der Ergebnisse gesagt (STOL hat berichtet). Denn: Wenn der Mensch einen Fehler mache, bleibe der Zug stehen. Außer: ein Mensch hat das Sicherheitssystem willentlich außer Kraft gesetzt. 

Und so war es dann auch. 

Nicht vorsätzlich, sondern fahrlässig

„Hätte er sich regelgemäß, also pflichtgerecht, verhalten, wäre es nicht zum Zusammenstoß gekommen“, sagte Giese. Unmittelbar nach dem Unglück wurde bereits gegen den Mann ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet.

In Untersuchungshaft sei er derzeit nicht. „Man muss nicht davon ausgehen, dass hier ein Haftgrund vorliegt“, sagte Giese. Es gehe um eine fahrlässige Tat, nicht um eine vorsätzliche und um einen Strafrahmen von bis zu fünf Jahren.

„Ihm geht’s nicht gut“

Der Fahrdienstleiter wurde in Absprache mit seinen Verteidigern an einen sicheren Ort gebracht. „Ihm geht's nicht gut“, sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Branz. „Was wir momentan haben, ist ein furchtbares Einzelversagen“, fügte er hinzu.

Der Fahrdienstleiter habe, als er seinen Fehler bemerkt habe, noch einen Notruf abgesetzt, so Branz weiter. „Aber der ging ins Leere.“ Technisches Versagen schließen die Ermittler aus.

Die beiden Nahverkehrszüge des zwischen Holzkirchen und Rosenheim verkehrenden privat betriebenen Meridians waren am 9. Februar in der Nähe des oberbayerischen Kurorts Bad Aibling frontal zusammengestoßen. Elf Menschen kamen ums Leben, mehr als 80 Insassen wurden teils schwer verletzt. Es handelt sich um eines der schwersten Zugunglücke Deutschlands.

dpa

stol