Bei einem der vier wegen Mordes verdächtigten Italieners, gegen den die Mailänder Staatsanwaltschaft ermittelt, wurde eine Fotografie und ein Schalldämpfer beschlagnahmt.<BR /><BR />Am 29. Juni ist bei Eurojust in Den Haag ein Koordinierungstreffen der Ermittlungsbehörden aus Italien, Belgien und Bosnien angesetzt. An den Untersuchungen beteiligen sich zudem die Schweiz und Österreich.<BR /><BR />Das Bild wurde in der Wohnung eines 65-Jährigen aus der norditalienischen Provinz Alessandria konfisziert, wie italienische Medien am Mittwoch berichteten. Der Mann hatte bei seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft Mailand keine Aussage gemacht. <BR /><BR />Das bei der Durchsuchung am Mittwoch sichergestellte Foto könnte nach Einschätzung der Ermittler helfen, den Zeitraum der Aufnahme einzugrenzen. Die ehemalige Lebensgefährtin des Verdächtigten beschrieb das Bild als eine Art Passierschein. Es zeige den Mann in Uniform an einem nicht näher bestimmten Ort, vermutlich in Bosnien.<h3> Vier Italiener verdächtigt</h3>Der 64-Jährige soll in der Vergangenheit mehrere Präzisionsgewehre erworben haben. Seine ehemalige Lebensgefährtin sagte aus, der Mann habe ihr erzählt, während des Bosnienkriegs zunächst an Wochenenden nach Bosnien gereist zu sein. Später habe er sich dort über längere Zeiträume aufgehalten.<BR /><BR />Im Mittelpunkt der Mailänder Ermittlungen stehen neben dem Beschuldigten drei weitere Italiener: ein 80-jähriger ehemaliger Lastwagenfahrer aus Friaul, ein 64-jähriger Unternehmer aus der Nähe von Mailand sowie ein Mann aus der Toskana. Die ersten drei wurden bereits in den vergangenen Monaten von der Staatsanwaltschaft vernommen und wiesen die Vorwürfe durch schriftliche Stellungnahmen oder spontane Erklärungen zurück.<BR /><BR />Dem 64-jährigen früheren Kommunalbeamten aus Genua wird wie den drei weiteren Beschuldigten Mord aus niedrigen Beweggründen vorgeworfen. Nach Angaben der Ermittler sollen sie während der Belagerung Sarajevos durch bosnisch-serbische Truppen von den umliegenden Hügeln aus mit Präzisionsgewehren auf Zivilisten geschossen haben. Zu den mutmaßlichen Opfern zählten Frauen, ältere Menschen und Kinder.<h3>Ermittlungen durch Anzeige des Mailänder Schriftstellers Gavazzeni ins Rollen gebracht</h3>Den Ermittlungen liegt eine Anzeige des Mailänder Schriftstellers Ezio Gavazzeni zugrunde. Demnach sollen Personen Geld an die Milizen des bosnisch-serbischen Führers Radovan Karadžic gezahlt haben, um auf Menschen zu schießen. Gavazzeni sammelte Zeugenaussagen über mutmaßliche Schützen aus Norditalien, die überwiegend dem rechtsextremen Spektrum zugerechnet werden und eine besondere Affinität zu Waffen gehabt haben sollen. Den Aussagen zufolge trafen sie sich in Mailand und reisten über Triest nach Sarajevo.<BR /><BR />Seit April ermittelt die Staatsanwaltschaft auch in Österreich gegen einen Staatsbürger, der während des von 1992 bis 1995 andauernden Bosnienkrieges in Sarajevo als Scharfschütze auf Zivilisten geschossen haben soll. Das Ermittlungsverfahren laufe demnach gegen den Österreicher sowie einen weiteren bisher unbekannten Täter. <BR /><BR />Die Informationen gehen auf eine parlamentarische Anfrage von Alma Zadic zurück, der ehemaligen Justizministerin und jetzigen Justizsprecherin der Grünen. Es handelt sich bereits um ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren, es gibt also valide Verdachtsmomente gegen die Personen. Diese sollen an sogenannten „Sniper-Touren“ während des Bosnienkrieges in Sarajevo teilgenommen haben.