Wie ein Blitz aus heiterem römischen Himmel traf in der vergangenen Woche die Meldung ein, dass die zuständige Behörde im Vatikan die Ernennung von P. Martin Lintner zum Dekan der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Brixen ablehnt – wegen einiger Veröffentlichungen zur kirchlichen Sexualmoral, die nicht auf Linie der offiziellen Lehre sein sollen. Der aus Aldein stammende Moraltheologe war im Vorjahr vom Hochschulkollegium gewählt worden und hätte sein Amt am 1. September antreten sollen. <BR /><BR />Das vatikanische Veto löste eine im In- und Ausland eine Welle der Solidarität mit dem abgekanzelten Theologen aus. Bischof Ivo Muser und die Hochschule starteten den Notfallplan, der bisherige Dekan Alexander Notdurfter bleibt ein weiteres Jahr im Amt, bis 31. August 2024. Das teilte Bischof Ivo Muser heute mit. <BR /><BR />Könnte in einem Jahr dann doch Martin Lintner die Leitung der Hochschule übernehmen? Womöglich ohne zweite Wahl? Dieses Szenario scheint nicht ganz aus der Luft gegriffen. Schon die <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/nein-aus-rom-so-reagieren-bischof-muser-und-der-dekan-der-hochschule" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">erste Reaktion von Bischof Muser</a> unmittelbar nach Bekanntgabe der Nachricht aus Rom ließ zumindest aufhorchen: Die Einwände gegen P. Lintner beträfen einige offene Fragen, die „sachlich, ohne Polemik und im nüchternen Studium der Sachlage“ geklärt werden müssen, so der Bischof. Nun gelte es, diese „Fragen, die im Raum stehen“ zu lösen. Er stehe in ständigem Kontakt mit den zuständigen Stellen im Vatikan, ergänzte der Oberhirte, der zurzeit diözesane Hilfsprojekte in Uganda besucht. <h3> Nicht zu den Akten gelegt</h3>Ist es also möglich, dass die Steine bis August 2024 aus dem Weg geräumt werden und somit der Weg frei wird für die Ernennung von P. Lintner? Dass Diözese und Hochschule die Sache keineswegs zu den Akten gelegt haben, bestätigt der amtierende Dekan Alexander Notdurfter, der auf das Gespräch des Diözesanbischofs mit den zuständigen Stellen in Rom verweist. Und seine Hoffnung: „Als Hochschule würden wir die Bestätigung unserer Wahl von P. Martin sehr begrüßen.“ Nach aktuellem Stand der Dinge sei es allerdings so, dass im Herbst neu gewählt werden muss. <BR /><BR />Klärende Gespräche des Bischofs, Hoffnung an der Hochschule. Das Amen in der Angelegenheit ist aber auch für P. Lintner selbst noch nicht gesprochen. Er habe dem Präfekten (Leiter) des für Hochschulen zuständigen Bildungsdikasteriums bereits eine Stellungnahme geschickt, aber noch keine Antwort erhalten, sagt der Ordenspriester. Das Schweigen muss kein schlechtes Zeichen sein, denn das innerkirchliche Protokoll sieht vor, dass der Vatikan immer über den zuständigen Bischof zum Beispiel mit einem Theologen kommuniziert. <h3> Ist Papst Franziskus informiert?</h3>Für P. Lintner ist es möglich, dass dieser Fall in Rom einiges ins Rollen bringt. Es gehe nicht um das Einzelproblem mit seiner Person, erklärt der Brixner Theologe, vielmehr hätten die verschiedenen theologischen Vereinigungen und Gesellschaften in ihren Stellungnahmen immer wieder darauf hingewiesen, dass hier eine grundsätzliche Schwierigkeit vorliege, das Problem weise „auf Schwachstellen im gegenwärtigen Nihil-obstat-Verfahren hin.“ Hier brauche es eine Weiterentwicklung der Kriterien, transparentere Kommunikation, klar strukturierte Schritte im Procedere und verlässliche Fristen.<BR /><BR />Gut möglich also, dass dieser römische Entscheidung und das krachende innerkirchliche Echo diesmal in der Kirchenzentrale für ein Umdenken sorgt. Es wäre übrigens ganz im Sinne von Papst Franziskus, der im Zuge der Weltsynode auf eine Kirche hinarbeitet, in der die römische Kurie nicht Kommandozentrale, sondern Dienstleisterin für die Diözesen ist. Und in der Bischöfe weitaus mehr als bisher Verantwortung für ihre Bistümer übernehmen. <BR /><BR />Ob sich Papst Franziskus in der Causa Lintner selbst noch einschaltet? Nach nicht bestätigten Informationen soll er persönlich davon informiert sein und eine Lösung wollen.