Donnerstag, 26. November 2020

Ernste Sorge der Sozialorganisationen um Landeshaushalt

Südtirols Sozialorganisationen schlagen Alarm. Sie machen sich große Sorgen, dass im Landeshaushalt 2021 die Mittel für das Sozialwesen gekürzt werden und zugleich die Corona-Pandemie zusätzliche Nöte und Bedarf im Sozialen mit sich bringt.

Der Landeshaushalt 2021 bereitete beim Treffen der Südtiroler Sozialorganisationen Sorge.
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Der Landeshaushalt 2021 bereitete beim Treffen der Südtiroler Sozialorganisationen Sorge. - Foto: © DSG
Auf Anregung des Dachverbandes für Soziales und Gesundheit gibt es seit 3 Jahren einen engen Austausch der Direktoren von großen sozialen Organisationen in Südtirol, damit gemeinsame Anliegen besprochen und Lösungen gefunden werden können.

In diesem besonderen Jahr war natürlich der Umgang mit der Corona-Pandemie das vorherrschende Thema. Es galt und gilt soziale Diente zu sichern, damit die Menschen bestmöglich die zusätzlichen Belastungen bewältigen können.

„Mit Blick auf den Landeshaushalt für das Jahr 2021 stellen wir nun mit größter Sorge fest, dass einerseits in Folge von Corona viele zusätzliche Personen und Familien auf die Leistungen des Sozialwesens insgesamt angewiesen sind. Zugleich besteht aber die Gefahr, dass im nächsten Landeshaushalt für diese Leistungen und Hilfestellungen nicht ausreichend Mittel vorgesehen werden“, heißt es in einer gemeinsame Stellungnahme der Direktoren von Caritas, Dachverband für Soziales und Gesundheit, Sozialgenossenschaft EOS, Hands, KVW – Katholischer Verband der Werktätigen, La strada-Der Weg, Lebenshilfe, Südtiroler Kinderdorf und Volontarius.

Sie wollen deshalb gemeinsam mit allem Nachdruck auf die absolute Notwendigkeit hinweisen, dass in Zeiten sozialer Nöte das Sozialbudget der öffentlichen Hand gesichert und erhöht werden müsse. „Natürlich verstehen wir die Finanznot der öffentlichen Hand aufgrund der Corona-Pandemie. Aber wenn im Sozialbereich gekürzt wird, dann trifft man die gesamte Bevölkerung. Es braucht ein klares Signal der Landespolitik an die verschiedenen sozialen Einrichtungen, um Planungssicherheit zu gewährleisten und Ängste und Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen. Denn es ist gerade in diesen Zeiten wichtig, ein stabiles soziales Netz für alle Menschen in Südtirol zu sichern.
Wenn wir vom Sozialen und von Sozialleistungen sprechen, so hat jede und jeder von uns ein bestimmtes Bild vor Augen. Es ist uns ganz wichtig nochmals zu bekräftigen, dass das Soziale uns alle betrifft und ganzheitlich gesehen werden muss“, wird in der Aussendung erklärt.

Das Soziale geht von der Kleinkinderbetreuung zum Seniorenheim, es geht von der Pflegesicherung bis zum Familiengeld, es geht vom Wohnen bis zum Abbau der architektonischen Barrieren, nur um einige Bereiche aufzuzählen. Das Soziale betriffe alle und jeder solle, wenn er oder sie Hilfe braucht, unterstützt werden.

„Solidarität setzt auf Gemeinwohl und gerechte Verteilung der Lebenschancen. Aber gerade die gerechte Verteilung der Lebenschancen ist nicht immer 'gerecht' verteilt. Das zeigt uns ganz besonders auch die Corona-Pandemie. Wir erleben, wie zerbrechlich unser System ist, und wie wichtig die Unterstützung der Menschen in unserem Land ist. Deshalb wird das Soziale in der nächsten Zeit noch wichtiger sein und es braucht eine Aufstockung der Mittel für soziale Leistungen. Sonst werden viele Menschen in die Armut schlittern und das darf nicht passieren“, so die Direktoren.

Mit dem Landeshaushalt werden Prioritäten gesetzt. „Ein wichtiger Punkt sind etwa die Leistungen für Südtirols Familien. Das sind wichtige Finanzmittel, die in jeden Landesteil, in jedes Dorf, ja früher oder später in so gut wie jedes Haus fließen. Gelder, die bei den Menschen ankommen! Denken wir beispielsweise an die etwa 70 Millionen Euro jährlich für das Landeskindergeld und das Familiengeld des Landes aber auch an die zusätzlichen Unterstützungsleistungen für Familien in einer schwierigen finanziellen Lage im Rahmen der finanziellen Sozialhilfe.“

„Es wird weitere Hilfen brauchen“


Die Covid-19-Krise hat von den Familien große Mühen abverlangt. Nicht wenige Familien sind auf Unterstützungsleistungen angewiesen und brauchen jetzt, wo die Corona-Krise ihren 2. Höhepunkt erreicht hat, ein Mehr an Unterstützung. „Die für Dezember angekündigten Soforthilfemaßnahmen versuchen, hier Abhilfe zu schaffen. Der objektive Bedarf an Unterstützung wird sich jedoch mit der Nacht vom 31. Dezember 2020 auf den 1. Jänner 2021 nicht in Luft auflösen, es wird weitere Maßnahmen brauchen“, wird in der gemeinsamen Stellungnahme betont.

Es sei dringend nötig in die Zukunft zu denken, damit die neuen Herausforderungen bewältigt werden können. Es brauche Strategien, Investitionen und Projekte, die in der Lage sind, die für Südtirol bevorstehende sozioökonomische Krise zu meistern.

„Investitionen im sozialen Bereich kommen immer allen Bürgern zugute. Deshalb ist jede Investition in das Soziale eine kluge Strategie. Das soziale Netz fängt in den schwierigen Momenten des Lebens auf, wenn die Hürden enorm erscheinen, wenn man sich allein fühlt, in finanziellen Schwierigkeiten ist. Genau dann finden wir im Sozialen die Unterstützung, die es uns ermöglicht, solche kritischen Momente zu überwinden und unser Leben wieder in den Griff zu bekommen.“

„Wir alle haben ein gemeinsames Ziel: Mit den Menschen zu sein, sie zu begleiten und zu helfen, wo es nötig ist. Es braucht jetzt Mut für Entscheidungen, die konsequent und weitsichtig sind. Zusammen müssen wir die notwendigen Ressourcen sichern, damit niemand auf der Strecke bleibt“, erklären die Direktoren abschließend.

stol